Die Frauen des Chemnitzer FC können historisches erreichen. Nach einer langen und intensiven Saison stehen nun die beiden wichtigsten Spiele der Saison vor der Tür. In den Aufstiegsspielen zur Regionalliga Nordost treffen die Himmelblauen auf den Berliner Meister SFC Stern 1900.
Das Hinspiel findet am Sonntag um 14 Uhr auf dem Sportplatz Neubauernweg in Chemnitz statt. Nach einer starken Landesliga-Saison will sich die Mannschaft nun für ihre Entwicklung belohnen und den Sprung in die Regionalliga schaffen.
Vor dem ersten Duell haben wir mit Kapitänin Vanessa Oehmichen über die Stimmung nach dem Endspiel in Bischofswerda, die besondere Situation vor den Aufstiegsspielen, den Gegner aus Berlin und die Bedeutung der Unterstützung von den Rängen gesprochen.
Vanessa, zuerst noch ein letzter Blick zurück auf das vergangene Wochenende. In der Nachspielzeit ist euch die Meisterschaft noch aus den Fingern gerutscht. Wie seid ihr als Mannschaft mit dem späten Rückschlag in Bischofswerda umgegangen?
Vanessa Oehmichen: Natürlich hat man uns das am Montag noch angemerkt. Die Stimmung war etwas gedrückt, weil wir alle wussten, wie nah wir dran waren. Wir haben deshalb bewusst ein lockeres Training gemacht, um die Köpfe freizubekommen. Danach haben wir uns als Mannschaft zusammengesetzt, Pizza bestellt und nochmal gemeinsam über alles gesprochen. Das war wichtig, um das Spiel aufzuarbeiten und den Kopf für die anstehende Aufgabe frei zu bekommen. Inzwischen ist das Thema verarbeitet und unser kompletter Fokus liegt jetzt auf Sonntag.
Trotz des verpassten Meistertitels geht ihr durch fünf ungeschlagene Spiele mit viel Rückenwind in diese Aufstiegsspiele. Wie nimmst du die aktuelle Situation wahr?
Ich sehe uns weiterhin in einer guten Verfassung. Gerade in den vergangenen Wochen war der Fokus innerhalb der Mannschaft enorm hoch. Wir wussten immer, worauf es ankommt, haben entsprechend gearbeitet und trotz des Unentschiedens eine sehr starke Leistung in Bischofswerda gezeigt. Unsere Ergebnisse sprechen für sich. Wir haben in dieser Saison kaum Gegentore zugelassen und gleichzeitig in fast jedem Spiel Wege gefunden, selbst gefährlich zu werden. Deshalb gehe ich mit einem guten Gefühl in diese beiden Spiele. Wir wissen, was wir können.
Für die meisten Spielerinnen sind es die ersten Aufstiegsspiele überhaupt. Spürt man das in der Mannschaft?
Ein Stück weit schon. Auch für mich ist das eine neue Situation, obwohl ich inzwischen schon einige Jahre im Frauenfußball unterwegs bin. Natürlich wird eine gewisse Nervosität dabei sein. Das wäre auch ungewöhnlich, wenn nicht. Aber wir hatten zuletzt bereits Spiele mit enormem Druck. Wir wissen, worum es geht, und wir wissen, dass wir jetzt liefern müssen. Entscheidend wird sein, wie wir mit dieser Spannung umgehen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Mannschaft bereit dafür ist.
Kommt euch dabei entgegen, dass ihr zuerst zu Hause spielen dürft?
Das hoffe ich auf jeden Fall. Wir spielen am Neubauernweg, wir kennen den Platz und die Bedingungen. Außerdem wird auf Rasen gespielt, was uns entgegenkommt. Viele Berliner Teams spielen häufiger auf Kunstrasen. Und natürlich hoffen wir auf viele Zuschauer. Wenn uns die Chemnitzer Fans unterstützen, kann das bei uns zusätzliche Prozentpunkte freischalten. Gerade in solchen Spielen kann das ein wichtiger Faktor werden.
Über den Gegner ist vermutlich nicht ganz so viel bekannt wie über die Mannschaften aus Sachsen. Wie bereitet man sich auf so ein Duell vor?
Das ist tatsächlich nicht ganz einfach. Videomaterial gibt es nicht in großer Menge. Ich habe mir selbst einige Ausschnitte angeschaut, die der Verein auf Social Media veröffentlicht hat. Mein Eindruck ist, dass sie körperlich sehr stark sind. Viele Spielerinnen wirken groß und robust. Berliner Fußball ist generell oft sehr intensiv und athletisch geprägt. Gleichzeitig haben sie auch spielerische Qualität. Einen direkten Vergleich zwischen den Ligen kann man aber kaum ziehen. Deshalb wird es wichtig sein, dass wir uns zunächst auf unsere eigenen Stärken konzentrieren.
Gibt es für dich vor dem Hinspiel einen Favoriten?
Nein, eigentlich nicht. Beide Mannschaften haben sich die Teilnahme an den Aufstiegsspielen mit Leistung verdient. Deshalb erwarte ich ein Duell auf Augenhöhe. Für uns ist entscheidend, dass wir mutig auftreten und unseren Fußball spielen. Wenn wir das schaffen, können wir jede Mannschaft vor Probleme stellen.
Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder knapp die Aufstiegsspiele verpasst. Gibt euch die Qualifikation zusätzliches Selbstvertrauen?
Definitiv. Allein die Tatsache, dass wir diesen Schritt geschafft haben, zeigt die Entwicklung der Mannschaft. Die Saison war lang und teilweise auch sehr anstrengend. Aber wir haben uns diese Chance erarbeitet. Jetzt wollen wir sie natürlich auch nutzen. Für die letzten beiden Spiele werden wir noch einmal alles investieren. Da spielt Müdigkeit keine Rolle mehr.
Du hast die lange Saison angesprochen. Wie belastend waren die vergangenen Monate auch abseits des Fußballs?
Schon sehr belastend. Wir spielen nicht hauptberuflich Fußball. Viele von uns arbeiten oder studieren nebenbei. Ich selbst bin Erzieherin und habe in den vergangenen Wochen gemerkt, wie viel Energie die Doppelbelastung kostet. Nach einem langen Arbeitstag musst du trotzdem ins Training und dort Leistung bringen. Als Kapitänin habe ich zusätzlich eine gewisse Verantwortung innerhalb der Mannschaft. Für die Aufstiegsspiele habe ich mir deshalb sogar Urlaub genommen, um mich voll auf diese Aufgabe konzentrieren zu können.
Wie wichtig wäre die Unterstützung von den Rängen am Sonntag?
Enorm wichtig. Deshalb kann ich nur jeden einladen, am Sonntag an den Neubauernweg zu kommen. Wir werden jede Unterstützung brauchen. In Bischofswerda hat man gesehen, wie viel Einfluss Zuschauer auf ein Spiel haben können. Das Publikum hat die Gastgeberinnen dort immer wieder nach vorne getragen. Genau diesen Effekt wünschen wir uns jetzt auch für uns. Vielleicht sind es am Ende genau diese ein oder zwei Prozent, die den Unterschied machen.
Rein taktisch: Geht man ein Hinspiel anders an als ein normales Ligaspiel?
Ich denke schon, dass beide Mannschaften zunächst etwas vorsichtiger beginnen werden. Wahrscheinlich wird es in der Anfangsphase darum gehen, den Gegner kennenzulernen und ein Gefühl für das Spiel zu bekommen. Danach wird sich zeigen, welche Räume sich ergeben und wo die Stärken und Schwächen liegen. Wir müssen flexibel bleiben und auf den Spielverlauf reagieren können. Aber grundsätzlich wollen wir auch in diesem Spiel aktiv sein und unsere Stärken einbringen.
Was erwartest du konkret vom SFC Stern 1900?
Sie haben eine beeindruckende Saison gespielt. Über 130 Tore sprechen für sich. Das zeigt, dass sie offensiv enorme Qualität besitzen. Gleichzeitig haben sie auch nur wenige Gegentore kassiert. Es kommt also auf uns eine sehr komplette Mannschaft zu. Aber genau solche Spiele willst du als Fußballerin spielen. Wir freuen uns darauf und wollen zeigen, dass wir auf diesem Niveau bestehen können.
Abschließend: Was möchtest du den Chemnitzer Fans mit auf den Weg geben?
Kommt vorbei und unterstützt uns. Wir haben die gesamte Saison hart gearbeitet, um uns diese Chance zu erarbeiten. Jetzt stehen die zwei wichtigsten Spiele des Jahres an. Wir werden alles investieren und hoffen, dass möglichst viele Menschen dabei sind – wie sie es auch schon beim Pokalfinale in Flöha waren – und uns auf dem Weg in Richtung Regionalliga unterstützen.
Vielen Dank für das Gespräch, Vanessa, und viel Erfolg dir und der Mannschaft in den Aufstiegsspielen!
Interview: Yannic Gillmeister
Der Chemnitzer FC hat im Zuge der Vision2030 die größte Mitgliederkampagne der Vereinsgeschichte gestartet. Gemeinsam wollen wir die Marke...
Der Chemnitzer FC startete mit dem Testspiel-Highlight gegen den 1. FC Union Berlin in die heiße Phase der Sommervorbereitung. Noch am...
Noch vor dem Testspiel-Highlight gegen den 1. FC Union Berlin hat Cheftrainer Benjamin Duda eine wichtige Personalentscheidung getroffen:...
Endlich rollt der Ball wieder auf der Fischerwiese! Der Chemnitzer FC empfängt am Donnerstagabend um 18.30 Uhr Bundesligist 1. FC Union...
Der Nordostdeutsche Fußballverband hat den Rahmenspielplan für die kommende Spielzeit der Regionalliga Nordost 2026/2027 veröffentlicht.
De...
Himmelblau und Weiß. Zwei Farben, die seit Generationen untrennbar mit dem Chemnitzer FC verbunden sind. Sie stehen für Tradition,...
Der Chemnitzer FC setzt sein Zeichen und lädt auch in diesem Jahr ehrenamtlich engagierte Menschen aus den Sportvereinen in Chemnitz und...
61 Tage nach dem letzten Auftritt auf der Fischerwiese beim 3:2-Derbysieg gegen den FSV Zwickau, geht es endlich wieder los. Der CFC...
Die dritte Vorbereitungswoche führte den Chemnitzer FC am Dienstagmorgen nach Oberfrohna. Auf dem Sportplatz am Jahnhaus absolvierte die...
Der Chemnitzer FC erweitert das Bildungsangebot seines Nachwuchsleistungszentrums und geht ab der Saison 2026/27 eine Kooperation mit der...