Dienstag, 09.06.2026

Wenn das Stadion zum Klassenzimmer wird – Lernort Stadion beim CFC

Mobbing, Diskriminierung oder Suchtprävention. Alles keine klassischen Themen für Gespräche im Fußballstadion zwischen Bratwurst und einem Erfrischungsgetränk. Doch genau darüber wird im eins-Stadion – An der Gellertstraße regelmäßig gesprochen.

Nicht an Spieltagen, wenn Tausende Fans auf der Fischerwiese mitfiebern. Sondern unter der Woche, wenn das Flutlicht aus ist, die Tribünen leer sind und stattdessen Schulklassen durch die Stadiontore laufen. Dann ist wieder Zeit für „Lernort Stadion“.

30 Workshops in einem Jahr

Seit dem Sommer 2025 liegt die Trägerschaft des Projekts beim Kreissportbund Mittelsachsen. Gemeinsam mit dem Stadtsportbund Chemnitz und unterstützt durch die DFL Stiftung wurden seitdem rund 30 Workshops durchgeführt.

Die Hauptzielgruppe sind Schülerinnen und Schüler aus Chemnitz und Mittelsachsen. Besonders erfreulich: In den vergangenen Monaten konnten zahlreiche neue Schulen für das Projekt gewonnen werden. Einige von ihnen besuchen den Lernort Stadion inzwischen sogar regelmäßig über mehrere Klassenstufen hinweg.

„Unser Ziel war es zunächst, das Angebot nachhaltig zu etablieren und möglichst viele Schulen für den Lernort Stadion zu begeistern. Besonders schön ist, dass wir mittlerweile zahlreiche neue Schulen aus Mittelsachsen gewinnen konnten. An einigen Standorten begleiten wir die Jugendlichen inzwischen über mehrere Jahre hinweg mit unterschiedlichen Workshop-Angeboten“, erklärt Benjamin Kahlert, Geschäftsführer des Kreissportbundes Mittelsachsen.

Verantwortung über den Fußball hinaus

Der Chemnitzer FC versteht sich dabei nicht nur als Gastgeber des Projekts, sondern auch als aktiver Partner. Denn wer Woche für Woche Tausende Menschen auf der Fischerwiese zusammenbringt, trägt auch Verantwortung über den Sport hinaus. Gerade junge Menschen frühzeitig für gesellschaftliche Themen zu sensibilisieren und präventiv zu arbeiten, ist ein wichtiger Baustein, um die Zukunft der Region mitzugestalten.

CFC-Geschäftsführer Tommy Haeder betont: „Fußball bringt Menschen zusammen wie kaum ein anderer Bereich unserer Gesellschaft. Im Stadion stehen Schülerinnen und Schüler neben Rentnern, Handwerker neben Unternehmern, Familien neben Fanclubs und alle fiebern gemeinsam für dieselben Farben. Als großer Traditionsverein tragen wir deshalb eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Es reicht nicht, demokratische Grundwerte nur auf Plakaten oder in Leitbildern festzuhalten. Wir wollen sie aktiv vermitteln, erlebbar machen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit Themen wie Respekt, Toleranz und gesellschaftlichem Miteinander auseinanderzusetzen. Genau deshalb ist der Lernort Stadion ein wichtiger Bestandteil unserer Vereinsarbeit.“

Lernen auf Augenhöhe

Was den Lernort Stadion Woche für Woche unter Anleitung der beiden Mitarbeiterinnen des Kreissportbundes Fabienne Stoppel und Jenny Julian besonders macht, ist nicht nur der Ort selbst. Es ist die Art, wie die Themen vermittelt werden.

Statt Frontalunterricht im Klassenzimmer diskutieren die Jugendlichen dort, wo normalerweise Fußball gespielt wird. Ergänzt werden die Workshops durch Stadionführungen, Blicke hinter die Kulissen und Gespräche über gesellschaftliche Themen, die den Alltag junger Menschen unmittelbar betreffen.

„Viele Jugendliche kommen zunächst mit einer gewissen Skepsis ins Stadion. Das ändert sich oft schon nach den ersten Minuten. Die besondere Umgebung sorgt dafür, dass Gespräche auf Augenhöhe entstehen und sich die Teilnehmer deutlich offener mit den Themen auseinandersetzen. Genau das macht den Lernort Stadion so wertvoll“, sagt Kahlert.

Das Stadion bietet mehr als Fußball

Cybermobbing, Diskriminierung, Demokratiebildung oder Suchtprävention bilden aktuell die Schwerpunkte der Workshops. Gleichzeitig arbeiten die Verantwortlichen bereits an neuen Formaten. Die Möglichkeiten sind vielfältig – die Verantwortlichen hoch motiviert.

„Das Besondere am Lernort Stadion ist die enorme Vielfalt an Themen, die wir hier behandeln können. Wir haben noch viele Ideen in der Schublade und wollen das Angebot in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Das Stadion bietet dafür ideale Voraussetzungen und eröffnet Zugänge, die ein klassischer Unterricht oft nicht leisten kann“, so Kahlert.

Ein Gewinn für die Region

Der Lernort Stadion zeigt, dass Fußball mehr sein kann als 90 Minuten am Wochenende. Das Stadion wird zum Lernraum, zum Diskussionsort und zu einem Platz, an dem junge Menschen wichtige Erfahrungen für ihren weiteren Weg sammeln.

Oder anders gesagt: Zwischen Trainerbank und Tribüne wird an der Gellertstraße nicht nur über Fußball gesprochen, sondern über die Themen, die unsere Gesellschaft bewegen.