Mittwoch, 09. Oktober 2019 19:01 Uhr

„Ich suche für das Spiel immer die höchste Wahrscheinlichkeit auf Erfolg.“

Wenn Patrick Glöckner zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg das erste Mal an der Seitenlinie des Stadions – An der Gellertstraße steht, ist er exakt 14 Tage im Amt des Cheftrainers des Chemnitzer FC. Vor dem Duell gegen die Zebras sprach Steffen Wunderlich mit dem 42-jährigen Fußballlehrer unter anderem über seine Arbeitsweise, stetigen Optimismus und Quark in der Kabine. 

Hallo Patrick, wir erwischen dich nach dem trainingsfreien Tag gerade auf der Fahrt zurück nach Chemnitz. Du warst zu Hause in Frankfurt, oder? 
Ja, ich habe meine elfjährige Tochter, meine Frau und unseren zweijährigen Hund Ally in der Heimat besucht.

Bist du ein Familienmensch?
Auf jeden Fall! Auch wenn ich sie nicht regelmäßig sehen kann, sind Familie und Freunde für mich das Allerwichtigste im Leben.

Warum?
Weil man sich dort einfach wohlfühlt und sich gegenseitig vertraut. Ich wurde so erzogen. Ich bin mit einem eineinhalb Jahre älteren Bruder aufgewachsen und finde es wichtig, dass man so eine Nähe hat. Das tut mir gut.

Wobei kannst du am besten abschalten?
Beim Sport, ich mache viel Fitness, gehe auch gerne mal ein paar Bahnen schwimmen. Dabei kann ich gut entspannen.

Du legst viel Wert auf Analysen, hast zuletzt das Training gefilmt und mit der Mannschaft ausgewertet. Würdest du dich als Laptop-Trainer beschreiben?
Nein! Die Mischung macht es aus. Ich bin schon jemand, der sehr analytisch denkt, weil ich für das Spiel immer die höchste Wahrscheinlichkeit auf Erfolg suche. Da gehören Daten und eine klare Systematik dazu. Aber ich mache gewisse Dinge auch mal aus dem Bauch heraus oder mit Auge.

Die Kombination aus allem, der Führungsstil und der Draht zur Mannschaft sind entscheidend. Alles was ich an Daten und Bildern präsentiere, ist dazu da, um der Mannschaft Optionen zu geben und ihr zu helfen, ihre Stärken im Spiel effektiver einzubringen. 

Wie ist dein Draht zur Mannschaft schon?
Ich denke gut, zumindest mag ich bisher die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir sind aber natürlich noch in der Phase des gegenseitigen Abtastens. Man muss sich noch kennenlernen und das gegenseitige Vertrauen weiter ausbauen. Aber ich habe einen sehr guten Eindruck vom Team gewonnen. Die Spieler sind offen und zugänglich. Das ist eine sehr gute Basis, um Veränderungen gemeinsam herbeizuführen. Aber das Ganze muss stetig wachsen. Ich muss irgendwann auch harte Entscheidungen treffen. Dementsprechend müssen die Jungs auch lernen, mich einzuschätzen. Bisher ist alles ziemlich neu und rosig. Aber es kommen auch andere Zeiten.

Eine Neuerung in der Kabine ist Quark…
Es gibt mehrere Dinge, die wir ergänzt haben. Ich möchte, dass die Spieler ihre höchstmögliche Energie aufbringen können. Das habe ich aus meiner Zeit beim FC St. Pauli mitgenommen. Es stehen neben Quark auch Nüsse, Haferflocken oder Honig bereit, sodass man sich vor dem Spiel noch ein Müsli machen kann. Das liegt nicht schwer im Bauch, bringt den Jungs aber richtig Power. Wir bieten es an, es ist keine Pflicht. Beim Spiel in Aspach war aber alles leer. Es wurde gut angenommen.

Olaf Janßen, unter dem du beim FC St. Pauli und Viktoria Köln als Co-Trainer gearbeitet hast, hat dich zuletzt in einem Interview sehr deutlich gelobt und deine Stärken benannt. Eine davon ist dein steter Optimismus. Verlierst du nie die Zuversicht?
Manchmal zweifelt man schon, aber man darf es in meiner Position nicht nach außen kehren. Zweifel sind für mich nur Kurzzeiterscheinungen. Oftmals erscheint einem der Moment vielleicht aussichtslos. Aber ein paar Stunden oder einen Tag später ist für mich das Bild wieder klar. Es gibt immer einen Weg aus jeder Situation. Deshalb bin ich immer positiv und versuche das Beste aus der Situation herauszuziehen.

Eine gute Eigenschaft. Welche Aspekte machen dich noch stark?
Ich bin jemand, der Fehler verzeihen kann. Ich glaube, dass jeder mal Fehler macht. Wichtig ist, dass man sie offen und ehrlich anspricht. Ich kann es nicht leiden, wenn Fehler bei anderen gesucht werden, oder Vorurteile entstehen. So versuche ich das selbst auch zu vorzuleben. Die menschliche Komponente ist die Basis.

Nun geht’s gegen Duisburg in dein erstes Heimspiel als Cheftrainer des Chemnitzer FC. Was erwartest du?
Ich erwarte einen großen Kampf. Wir treffen auf eine taktisch sehr disziplinierte Mannschaft. Duisburg ist ein ordentliches Kaliber. Ich freue mich richtig darauf, vor der Kulisse zu spielen und bin gespannt, wie sich die Atmosphäre unten an der Seitenlinie anfühlt.

Patrick, vielen Dank für das Gespräch und maximale Erfolge beim Chemnitzer FC!

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