Montag, 09. Dezember 2019 18:06 Uhr

„Wir sind der Chemnitzer FC und das ist etwas Gutes.“

Mit 509 von 524 Stimmen wurde auf der Ordentlichen Mitgliederversammlung 2019 der neue Aufsichtsrat des Chemnitzer FC e.V. gewählt. In seiner konstituierenden Sitzung bestimmte das Gremium Knut Müller als seinen Vorsitzenden.

Wir sprachen mit dem 47-jährigen Unternehmer über die ersten Schritte des Aufsichtsrates, die Besonderheiten des Kontrollgremiums und den zu bestellenden Vorstand.

Hallo Knut, wie viele Nachrichten hast du seit Samstag bekommen? 

Zu viele – ich habe mich wirklich bemüht, alle zu beantworten. Das habe ich allerdings bisher noch nicht ganz geschafft. Es waren aber durchweg positive Nachrichten und Glückwünsche. Alle wünschen mir und dem neuen Aufsichtsrat viel Erfolg, Kraft und Stehvermögen. 

Die Deutlichkeit des Wahlergebnisses war sicher auch für dich überraschend.

Gar keine Frage. Wir haben im Vorfeld der Mitgliederversammlung eine ganze Menge an Aktivitäten gestartet. Es gab die Fanabende im Brauclub oder die Treffen mit den Vertretern von Fanclubs im Nachwuchsleistungszentrum. Das alles waren notwendige Maßnahmen, um ein Vereinsklima, ein klassisches Vereinsleben wiederherzustellen. Insofern waren wir schon sehr optimistisch, dass diese Bemühungen zum Erfolg führen. Dass die Zustimmung so überwältigend wird, hat sich niemand ausgemalt.

Wie zufrieden bist du mit „deinem“ Aufsichtsrat?

Ich bin zwar als Vorsitzender gewählt worden, aber wir sind im Aufsichtstrat ein Team. Ich finde es ganz toll, dass der Ehrenrat so eine ausgewogene Liste mit Menschen aus verschiedensten Tätigkeitsbereichen zusammengestellt hat. Wir haben Unternehmer, ehemalige Spitzensportler, mit Stephan Ballack einen Namen, den wir als Zugpferd nutzen können und der seine sportliche Vernetzung einbringen wird. Ich meine, es ist ein sehr ausgewogenes und gut arbeitsfähiges Gremium.

Weshalb? Was macht die Zusammensetzung dieses Gremiums so gut?

Weil die Persönlichkeiten verschiedenste Interessensbereiche abdecken können. Sie alle können ihre verschiedensten Erfahrungen einbringen. Wir sind deshalb unheimlich breit aufgestellt für die anstehenden Aufgaben.

Wie sollen die Aufgaben im Aufsichtsrat verteilt sein? Welche großen Aufgabenpakete gibt es zu verteilen?

Wir haben zum einen das Thema Vereinswesen, Mitglieder, Fans – da haben wir nach wie vor Defizite in der Kommunikation. Das haben wir bereits versucht zu verbessern und wollen weiter daran arbeiten. Dazu gibt es den großen Arbeitsbereich für die Schaffung wirtschaftlicher Strukturen und Grundlagen. Aber auch unser Engagement gegen jegliche Art von Fremdenfeindlichkeit müssen wir fortführen und ausweiten. Das muss ein fester Bestandteil unserer Philosophie sein. Aber natürlich auch die Themen Sport und sportliche Vernetzung. Wir sind ja schließlich ein Fußballverein. Das sind die vier Säulen im Aufsichtsrat.

Der Ehrenrat hat vor der Mitgliederversammlung dem Aufsichtsrat die Empfehlung ausgesprochen, weitere Mitglieder in das Gremium zu kooptieren. Gibt es hierzu schon Tendenzen?

Die Mitglieder des Aufsichtsrates, mit denen ich bisher darüber sprechen konnte, sind der Meinung, dass wir bereits jetzt ein sehr ausgewogenes Gremium haben. Wir haben mit sieben Mann auch die maximale Anzahl der laut unserer Satzung erforderlichen Personen. Ich bin der Meinung, dass wir derzeit keine weiteren Mitglieder kooptieren brauchen. Dennoch sind wir über jeden Hinweis und jede Hilfe dankbar. Unerheblich, ob jemand Mitglied des Aufsichtsrates ist oder nicht.

Ihr seid nun zwei Tage im Amt. Was ist seitdem geschehen?

Wir haben die letzten Stunden viel telefoniert. Wir versuchen derzeit einen Termin für die erste Aufsichtsratssitzung abzustimmen. Ich möchte unbedingt, dass alle Aufsichtsratsmitglieder dabei sind. Wir wollen uns Arbeits- und Kommunikationsregeln auferlegen. Die Bestellung des neuen Vorstanden muss natürlich am dringlichsten behandelt werden.

Wie geht man als Aufsichtsrat diese Suche an?

Ich für meine Person habe bereits ein paar Namen im Kopf. Ich werde auch alle anderen Gremiums-Kollegen darum bitten, ihre Vorstellungen zu nennen. Dann werden wir das Ganze übereinanderlegen und sehen, was wir für Schnittmengen erzielen können. Mit diesen Personen werden wir dann das Gespräch suchen, um abzuklären, ob sie bereitstehen und gemeinsam mit uns arbeiten wollen. Wir streben an, in der nächsten Woche eine Aufsichtsratsitzung durchzuführen und schon dort zu einer Beschlussfassung zu kommen. Wir sollten versuchen, das Thema vor Weihnachten zu beenden.

Aus welchem Holz müsste ein neues Vorstandsmitglied sein?

Es müssen natürlich Persönlichkeiten sein, die stabil im Leben stehen. Personen, die vor allem im wirtschaftlichen Bereich Erfahrungen haben. Es sollten starke Persönlichkeiten sein, die gut kommunizieren können, die stark vernetzt sind. Zudem muss im Vorstand natürlich auch eine Person mit gehöriger Erfahrung in sportlichen Dingen vertreten sein.

Welche personelle Stärke sollte der Vorstand nach deinen Vorstellungen haben?

Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur meine Vorstellung nennen, weil wir das im Aufsichtsrat noch nicht besprechen konnten. Ich würde aus dem Hintergrund heraus, dass wir für den Anschub des Ganzen schnelle Entscheidungen und flache Entscheidungshierarchien brauchen, mit drei Personen starten. Das geht zu dritt einfacher, als mit beispielsweise fünf Leuten. Wenn uns der neu zu berufende Vorstand signalisiert, dass er aus der einen oder anderen Ecke noch Expertise benötigt, können wir das im Nachhinein ändern. Der Aufsichtsrat hat hierzu aber noch keine abschließende Meinung getroffen.

Ehrenrat Dr. Eberhard Langer hatte beim 3. Infoabend gesagt, dass die Mitgliederversammlung ein Start für einen völlig neuen Chemnitzer FC sein kann. Das Gefühl hatte man am Samstag bereits. Wie sehr glaubst du, dass die Worte vom Ehrenrat wahr werden können?

Das sehe ich ganz genauso. Wenn man dieses überwältigende Wahlergebnis erhält, weiß man, dass grundlegende Weichen richtig gestellt sind. Unsere Aufgabe muss es jetzt sein, diese Schienen weiter zu befahren und konsequent in diese Richtung weiter zu arbeiten. Damit wollen wir dieses „Wir-Gefühl“ vom Samstag erhalten und weiter ausbauen. 

In welche Richtung soll der Zug auf den angesprochenen Schienen fahren? 

Unsere Vorstellungen und Visionen sind, dass der Chemnitzer FC der Verein und das Aushängeschild dieser Stadt sein muss und damit verbunden auch eine feste Institution im deutschen Profifußball. Das Positive müssen wir in Zukunft viel mehr nach Außen tragen. Wir sind der Chemnitzer FC und das ist etwas Gutes. Darauf müssen wir stolz sein.

Nach der Mitgliederversammlung konnte bereits eine neue Gesellschafterin hinzugewonnen werden. Wie kann es jetzt gelingen, den positiven Geist weiterzutragen und unmittelbar auch Leute wieder in das Stadion zu locken?

Dafür muss der Aufsichtsrat nach Außen als geschlossenes Gremium auftreten. Wir müssen zeigen, dass wir mit einer Stimme sprechen und uns einig sind. Sicherlich gibt es auch immer Diskussionspunkte, was auch gut und wichtig ist. Aber nach Außen muss es ein geschlossener Auftritt der Gremien sein, die den Chemnitzer FC in die Zukunft begleiten wollen.

Du bist auch Gesellschafter – aber einer der keine Loge besitzt. Wo sitzt du bei den Heimspielen?

Wir haben ein traumhaft schönes Stadion und tolle Logen. Ich habe das Thema mit meiner Familie besprochen, da wir immer mit sechs bis acht Leuten bei den Spielen sind. Dabei habe ich vorgeschlagen, dass wir uns gemeinsam eine Loge nehmen. Aber keiner in meiner Familie will das wirklich. Wir wollen inmitten der Fans sein und das Ohr an der Masse haben.

Was hörst du aktuell?

Durchweg Unterstützung und Positives über die Zusammenstellung des Aufsichtsrates verbunden mit Wünschen, dass wir ein glückliches Händchen haben mögen und dazu beitragen, die Verhältnisse beim CFC weiter zu verbessern und zu stabilisieren. 

Dein Wunsch für die letzten drei Partien in diesem Jahr?

Ganz klar das Weiterkommen im Sachsenpokal. Und aus den letzten beiden Ligaspielen mindestens vier Punkte. Beginnend mit einem Sieg in Rostock. Das Auswärtsspiel in Mannheim sehe ich als sehr schwierig an. Dort reise ich auch mit meiner Familie hin, um noch ein wenig Support zu leisten.

Knut, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Arbeit im Aufsichtsrat!

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