Mittwoch, 18. März 2020 15:43 Uhr

100 Tage im Amt: Zwischen Erfolgen und ungeahnten Herausforderungen

Am 7. Dezember 2019 wurde auf der Mitgliederversammlung des Chemnitzer FC e.V. mit deutlicher Mehrheit der neue Aufsichtsrat gewählt. Als Vorsitzenden bestimmte das Gremium den Unternehmer Knut Müller. Am Montag absolvierten Müller und seine Aufsichtsratkollegen Stephan Ballack, Norman Löster, Uwe Hildebrand, Tino Kermer, Grit Hoffmann und Jörg Illing die ersten 100 Tage. Wir haben mit dem Vorsitzenden auf die Anfänge seiner Arbeit geschaut, ein erstes Resümee gezogen und auch über die aktuelle Corona-Krise gesprochen. 

Hallo Knut, mit einem Augenzwinkern gesehen - hättest du selbst gedacht, dass du die ersten 100 Tage überstehst? 
"Wenn ich es mir nicht zugetraut hätte, wäre ich dieser Verantwortung nicht nachgekommen. Wenngleich ich mir das alles weniger turbulent gewünscht hätte. So hatten wir einen kalten Start von Null direkt auf 200."

Zu deinem Amtsantritt hattest du uns bereits ein paar Punkte genannt, die als erstes in Angriff genommen werden sollen. Was habt ihr im Aufsichtsrat in der Anfangszeit bereits bewirken und umsetzen können? 
"Das Dringendste war für uns, dass wir Persönlichkeiten für unseren neuen Vorstand finden. Dafür haben wir uns die notwendige Zeit genommen und konnten schlussendlich einen für den Verein sehr guten Vorstand bestellen." 

Eure Aufgabe ist es ja, dem Vorstand auf die Finger zu schauen. Wie bewertet ihr die bisherige Arbeit des neuen Vorstand-Quartetts um Romy Polster, Siegfried Rümmler, Michael Reichardt und Armin Causevic? 
"Wir bewerten es genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es ist ein sehr gutes Zusammenspiel aus Vorstand, Aufsichtsrat und Ehrenrat. Jeder im Vorstand nutzt ideal seine ganz individuellen Kompetenzen. Wir sehen ein sehr gutes und zielführendes Arbeiten. Wir als Aufsichtsrat wollen genauso dabei mithelfen, Lösungen für den Chemnitzer FC zu finden." 

Für die Themen im Aufsichtsrat habt ihr verschiedene Aufgabenpakete geschnürt und dazugehörige Aufsichtsratsmitglieder benannt. Wie habt ihr die verschiedenen Pakete verteilt?
"Wir haben zum einen das große Paket `Mitgliederbetreuung und Mitgliedergewinnung‘, für das ich mich gemeinsam mit Norman Löster federführend verantwortlich gemacht habe. Im Bereich des Sponsorings haben wir als „Zugnamen“ Stephan Ballack, der an vorderster Front, gemeinsam mit unseren Vertriebsmitarbeitern, auf Sponsoren zugeht. Dabei fungiert er oftmals als Türöffner, weshalb wir in diesem Bereich bereits erste Erfolge aufweisen und neue Sponsoren gewinnen konnten. Im sportlichen Bereich wollen wir auch Unterstützung leisten. Da haben Jörg Illing und Uwe Hildebrand mit unserem Sportdirektor Armin Causevic bereits erste Punkte angepackt. Um das Thema Finanzen kümmern sich, wie man bereits ahnen konnte, Grit Hoffmann und Tino Kermer." 

Jetzt bremst den CFC, wie den gesamten deutschen und europäischen Fußball, das Corona-Virus aus. Welche Aufgaben kommen in dieser ungewissen Phase auf euch als Aufsichtsrat zu?
"Diese Krise ist eine nie da gewesene Herausforderung. Nicht nur für den Fußball, sondern für die gesamte Gesellschaft. Wir als Aufsichtsrat werden dabei helfen, als Gemeinschaft durch diese Krise zu gehen."

Wenn die Corona-Krise nicht dazwischengekommen wäre, welche Aufgaben hätten im Tagesgeschäft angestanden? 
"Oberste Priorität wäre die weitere Suche nach Sponsoren für die laufende und kommende Saison gewesen. Die Zulassung für die kommende Spielzeit wäre ebenfalls noch ein wichtiges Thema. Jetzt ist es allerdings zum Tagesgeschäft geworden, zu überlegen, wie wir den Chemnitzer FC in den kommenden Wochen und Monaten sicher durch diese Zeit bringen können." 

Dazu gehören wahrscheinlich auch Partner und Unterstützer. Wie geht ihr aktuell im Kontakt mit unseren Sponsoren um? 
"Wir versuchen die Gespräche nicht ins Stocken geraten zu lassen. Auf beiden Seiten herrscht eine große Unsicherheit, weil niemand weiß, was in den kommenden Wochen noch auf uns zukommen könnte. Für uns gilt es jetzt im Austausch zu bleiben. Den Chemnitzer FC soll und wird es auch nach dieser Krise noch als großen Fußballverein in der Stadt geben. Wir benötigen dafür aber auch die Treue und Unterstützungen unserer Partner." 

Was kann der Chemnitzer FC tun, um eben diesen Partnern und Sponsoren, die dem Verein in der Vergangenheit bereits treu zur Seite gestanden haben, nun zu helfen?
"Wir wollen in unseren gemeinsamen Gesprächen mit den Sponsoren auch heraushören, wo wir anknüpfen können und wo wir unseren Beitrag zur Unterstützung, beispielsweise in gemeinsamen öffentlichen Aktionen, leisten können. In unserer Sponsorenfamilie kommen unterschiedlichste Wirtschaftsbereiche in Kontakt. Es gibt hier den Handwerksbetrieb, der Probleme hat. Da gibt es den kleinen Laden, der ebenfalls Probleme hat. Wenn wir diese beiden zusammenführen, können Synergieeffekte entstehen, die alle wieder nach vorne bringen. Unser Netzwerk wollen wir also auch nutzen, um unsere Sponsoren und Partner zu unterstützen." 

Bis 30. April ruht die 3. Liga. Was wäre deine Wunsch-Lösung für die aktuelle Situation im deutschen Fußball und den Chemnitzer FC? 
"Ich wünsche mir, dass wir ab dem 1. Mai wieder alle gesund Fußball spielen können. Hoffentlich auch vor Zuschauern, denn das macht ein Fußballspiel aus. Ich finde die Lösung allerdings gut, dass in der 3. Liga, wo Zuschauereinnahmen eine enorme Wichtigkeit haben, so weit vorausgegriffen wurde. Bis dahin wird man sehen, wie sich die Situation weiterentwickelt."

Knut, danke dir für das Gespräch und bleib weiterhin gesund!

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