Dienstag, 15. September 2020 17:19 Uhr

„Mit der Zeit taue ich auf.“

Christian Bickel ist mit drei Treffern aktueller Top-Torschütze des Chemnitzer FC in der Regionalliga Nordost. Vor der Saison wechselte der 29-Jährige vom FSV Zwickau an die Gellertstraße. Im Gepäck hat Bickel unter anderem eine Menge Erfahrung aus der 2. Bundesliga. Im Interview für das ClubMagazin zum DFB-Pokal-Spiel gegen Hoffenheim spricht der Mittelfeldspieler über seinen Wechsel nach Chemnitz, die schweren Zeiten seiner Karriere und die Vorfreude auf das DFB-Pokalspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim. 

Du kommst aus Bad Langensalza in Thüringen und warst in Erfurt und Freiburg im Nachwuchsleistungszentrum. Nach deiner langen Zeit unter anderem zuletzt in Zwickau durften wir dich zu Beginn dieser Saison bei uns im Team begrüßen. Wie hast du die Menschen in der Stadt und das Leben in Chemnitz bisher kennengelernt?
„Da ich in Zwickau wohne, kannte ich Chemnitz schon vorher. In der Innenstadt war ich aber noch nicht. Die Jungs haben mich dann hin und wieder mit in die Stadt genommen. Ich habe dadurch viele Essenslokalitäten gesehen. Das hat mir sehr gut gefallen. Was die Menschen angeht habe ich bisher sehr nette Persönlichkeiten kennengelernt.“

Warum hast du dich ausgerechnet für den CFC entschieden?
„Das habe ich mir sehr gewissenhaft überlegt. Ich habe mich sehr gefreut, als die Anfrage kam. Ich wollte wegen der Kinder und meiner Familie gern weiterhin in Zwickau wohnen bleiben. Den CFC habe ich in den vergangenen Jahren schon immer verfolgt. Zum einen, weil ich einige Leute im Verein kannte und zum anderen auch wegen der geografischen Nähe. Im Endeffekt ist unbestritten, dass der CFC ein großer und ambitionierter Verein ist. Auch deshalb habe ich mich für Chemnitz entschieden.“

Hat die Nähe zur Heimat eine Rolle gespielt?
„Die Nähe hat eine große Rolle gespielt. Ich bin in einem Alter, in dem ich nicht mehr weit wegziehen wollte. Auch mein Elternhaus ist nur knapp zwei Stunden entfernt von hier. Wir haben in meiner Laufbahn sehr viel von Deutschland gesehen. Deshalb war auch ein Kritikpunkt, dass wir nicht mehr so weit weg von Zuhause sein wollen.“

„Ich weiß, dass es im Fußball auch schnell anders laufen kann.“

In Babelsberg hat uns dein Doppelpack das Unentschieden gesichert. Gegen Fürstenwalde warst du neben deinem Treffer mit 92 Ballaktionen Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. Was macht dich aktuell so stark?
„Wir sind als Team richtig gut zusammengewachsen und spielen mittlerweile besser - dann sieht auch jeder Einzelne gut aus. Ich habe mich beim CFC vom ersten Tag an sehr gut aufgehoben gefühlt. Vor allem nachdem es für mich persönlich in Zwickau nicht so gut lief und ich nur noch Trainingsgast war. Von daher freue ich mich jeden Tag aufs Training und auf die Zusammenarbeit mit der Mannschaft. Ich habe gelernt, dass es im Fußball auch schnell anders laufen kann. Deshalb bin ich sehr demütig und zufrieden, dass es jetzt so gut läuft.“

Mit 29 Jahren bist du im besten Fußballeralter zu uns gekommen. Welche Ziele hast du mit dem Chemnitzer FC?
„Natürlich wollen wir in der Liga so viele Punkte wie möglich sammeln und so weit wie möglich oben mitspielen. Mit Blick auf das Spiel im DFB-Pokal wollen wir natürlich, auch für unsere Fans, einen echten Pokalfight abliefern. Wenn es am Ende nicht zum Weiterkommen reicht, dann wollen wir uns zumindest so ordentlich wie möglich verkauft haben. 

Du bist unter Cheftrainer Daniel Berlinski bisher vorwiegend als 10er, aber auch auf der Außenbahn zum Einsatz gekommen. Fühlst du dich überall in der Offensive wohl?
„In der Jugend habe ich die Zehnerposition gelernt, wurde aber auch auf der Außenbahn eingesetzt. Im Endeffekt ist es mir egal, solange ich auf dem Platz stehe und der Mannschaft helfen kann.“

Du konntest 2011 sogar drei Einsätze in der deutschen U20-Auswahl sammeln und hast dort mit Pascal Groß, Christoph Kramer oder Karim Bellarabi zusammengespielt. Was hat zum großen Durchbruch gefehlt?
„Das ist eine gute Frage. Man kann sagen, dass ich die eine oder andere Verletzung zu viel hatte. Die Zeitpunkte waren für meine Entwicklung ungünstig. In Freiburg kam damals noch ein Trainerwechsel dazu. Aber trotzdem konnte ich mittlerweile einige Erfahrungen in der 2. Bundesliga und 3. Liga sammeln. Von daher bin ich absolut zufrieden mit dem wie es bisher gelaufen ist.“

Du wirkst immer sehr ruhig – würdest du dich selbst auch als zurückhaltenden Menschen bezeichnen?
„Das haben mir Leute schon öfter gesagt. Als zurückhaltenden Menschen würde ich mich nicht unbedingt bezeichnen. Wenn ich neu zu einem Team komme, bin ich schon ruhiger und schaue mir das Geschehen zunächst einmal an. Aber es wird immer besser und mit der Zeit taue ich auch mehr auf. Im Fußballtrubel ist es mir trotzdem wichtig auch etwas Ruhe und Zeit zu bekommen und mit meinen Liebsten abzuschalten.“

Mit dem SC Freiburg, Hansa Rostock und Energie Cottbus bist du bereits viermal im DFB-Pokal aufgelaufen. Am heutigen Sonntag geht’s für uns in der 1.Runde gegen die TSG 1899 Hoffenheim: Was braucht es, um eine Pokalüberraschung zu schaffen?
„Dafür braucht es viel, vor allem das nötige Match-Glück. Mit Cottbus sind wir mal gegen Hoffenheim ausgeschieden. Da hatten wir das nötige Glück leider nicht. Aber wenn wir unsere Fans mitnehmen können und uns zu 100 Prozent reinhauen, könnten wir es schaffen!“

Am Sonntag sind wieder bis zu 4.632 Zuschauer im Stadion. Welche Vorfreude herrscht da bei dir und im Team?
„Die Vorfreude ist sehr groß. Vor ein paar Jahren habe ich mit Paderborn schon im Stadion in Chemnitz gespielt. Da waren auch viele Zuschauer. Jetzt können immerhin schon mehr in das Stadion als in den letzten Wochen. Mit 4.600 Zuschauern stelle ich mir die Stimmung schon toll vor.“ 

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