Mittwoch, 06. Januar 2021 19:02 Uhr

„Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht“

Mit Max Roscher schaffte ein weiteres Talent aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum den Sprung in das Mannschaftstraining der Profis. Der 17-jährige Offensivspieler darf sich von nun an unter den Augen des CFC-Cheftrainerteams beweisen. Mit David Wunsch, Simon Roscher, Stanley Keller, Tim Campulka, Roman Bekö und nun auch Max Roscher stehen gleich sechs Eigengewächse im aktuellen Profi-Kader. Das sind die Früchte der guten und langangelegten Nachwuchsarbeit beim CFC. Wir haben mit Armin Causevic, Sportdirektor der Profi-Mannschaft und Sportvorstand des Chemnitzer FC e.V. darüber gesprochen.

Hallo Armin, mit Simon Roscher und Roman Bekö haben zwei im CFC-Nachwuchs ausgebildete Jungs schon mehrere Einsatzzeiten in dieser Saison bei den Profis bekommen. Tim Campulka ist als erfahrener Junge nun eine feste Säule im Team von Cheftrainer Daniel Berlinski. Es gibt aktuell eine hohe Durchlässigkeit für junge Nachwuchstalente. Du hattest zuletzt betont, dass dies weiterhin der Weg ist, den der CFC gehen will. 
Causevic: „Wir wollen ihn nicht nur gehen, sondern auch weiter intensivieren. Wir haben hervorragende Talente in unseren Jugendmannschaften, die wir mit unseren engagierten und qualifizierten Trainerinnen und Trainern im täglichen Training weiterentwickeln und für den Herrenbereich vorbereiten wollen. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

Eine gute Nachwuchsarbeit ist mehr als nur Prestige, oder?
„Als größter Verein der Stadt haben wir den Eigenanspruch, die besten Talente der Region bei uns selbst auszubilden und maximal zu fördern. Diese Jungs haben eine besonders tiefe Identifikation und viel Herzblut für den CFC. Das dient langfristig vor allem unserer 1. Mannschaft, für die wir unsere Talente primär ausbilden. Um sich auf Dauer selbst tragen zu können, wird der Verein irgendwann aber auch darauf angewiesen sein Transfererlöse zu erzielen. Eines steht für uns jedoch fest: Ziel ist es immer, dass unsere eigens ausgebildeten Jungs unseren Profis einen sportlichen Mehrwert bieten und für unsere Farben auflaufen. Wir werden unsere Talente nie leichtfertig ziehen lassen.“ 

Es tut sich in den vergangenen Monaten viel im NLZ. Wie zufrieden bist du als Sportvorstand des e.V. und Sportdirektor der Profimannschaft mit den Entwicklungen im NLZ?
„Mit der bisherigen Entwicklung bin ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr zufrieden. Alle Verantwortlichen im NLZ leisten eine großartige Arbeit. Wir haben einige inhaltliche und strukturelle Fortschritte gemacht. Die Verknüpfung zwischen NLZ und Profis ist im Vergleich zur Vergangenheit deutlich intensiviert worden. Nichtsdestotrotz ist es unser Bestreben, uns in allen Facetten stetig zu verbessern, sodass wir sportlich, strukturell als auch infrastrukturell mittel- und langfristig ein noch höheres Level erreichen.“ 

Gute Bedingungen, professionelle Arbeit, zwei Nachwuchs-Bundesligateams und die realistische Chance im Profi-Kader zu landen. Sowas spricht sich herum. Lockt das auch andere Talente nach Chemnitz?
„Selbstverständlich! Der Chemnitzer FC und sein zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum in Verbindung mit der Sportschule werden in Fußball-Deutschland äußerst positiv wahrgenommen. Das eröffnet uns weitere Möglichkeiten junge Talente nach Chemnitz zu holen. Ich möchte aber auch betonen: Von guten Bedingungen allein, wird man kein Profi-Fußballer. Jeder Nachwuchsspieler muss sich auch regelmäßig selbst anspornen und den unbändigen Willen an den Tag legen, um seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen.“

Wie schwer ist das, wenn nun mehrere Wochen, fast Monate des Trainings im Nachwuchsbereich aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen?
„Die Situation ist für alle schwierig. Die Jungs müssen nicht nur auf Trainingseinheiten verzichten, sondern haben auch über einen sehr langen Zeitraum keine Möglichkeit Spiel- und Wettkampfpraxis zu sammeln. Das ist für die individuelle Entwicklung der Spieler natürlich nicht optimal. Was in der Betrachtung für mich zu kurz kommt, ist der Aspekt, dass, insbesondere für unsere jüngeren Mannschaften, die Kontakte zu Mitspielern stark reduziert wurden. Durch die Tatsache, dass sich die Jungs nicht mehr regelmäßig auf dem Platz sehen können, bricht damit natürlich auch die gesamte soziale Komponente des Mannschaftssports weg. Andererseits machen gerade die etwas älteren Jungs bereits in ihrer Entwicklung nun eine Erfahrung, die sie für den Rest des Lebens bereichern wird. Den vorgegebenen Plan des Trainerteams eigenverantwortlich umsetzen, sich zusätzlich selbstständig fit halten und immer wieder selbst kontrollieren. Das schult die Persönlichkeit und den Willen unserer jungen Spieler sehr.“

Armin, vielen Dank für das Interview!

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