Werner Thomßen (r.), Betriebsdirektor des VEB Textimaprojekt und 1. Präsident des FCK bei der Gründungskonferenz des FCK.
Donnerstag, 25. Februar 2021 18:52 Uhr

Ein Sinnbild.

Als er noch einmal durch den diesjährigen CFC-Kalender blättert und das Foto von der Gründungskonferenz des FC Karl-Marx-Stadt (siehe Newsbild) im Jahr 1966 in den Händen hält, macht er deutlich: „Dieses Foto ist für mich ein Sinnbild für das Fundament, auf dem der FC Karl-Marx-Stadt und später der Chemnitzer FC aufgebaut wurden.“ Und er muss es wissen: Dr. Eberhard Langer, von 1986 bis 1990 Oberbürgermeister von Karl-Marx-Stadt und bis 2019 Stadtrat, nahm als Direktor des VEB Schraubenfabrik Karl-Marx-Stadt (heute ESKA Automotive) an der Gründung des FCK am 15. Januar 1966 im Kultursaal seines Betriebes teil.

„Für unsere Heimatstadt war dabei sinnbildlich, dass verantwortliche Vertreter fast aller Großbetriebe anwesend waren“, erklärt Langer. Die Akzeptanz des FCK in den Unternehmen stellte sich schon kurze Zeit später als eines seiner unverzichtbaren Fundamente dar. „Durch die hohe Zustimmung der Belegschaften, auch ihrer Betriebs- und Gewerkschaftsleitungen sowie der staatlichen Räte des Bezirks und der Stadt, wuchsen auch die Zuschauer- und Mitgliederzahlen weiter an und sicherten die finanzielle Grundlage unseres Vereins. Karl-Marx-Stadt hatte sich inzwischen zu der bedeutendsten Sportstadt der DDR entwickelt. Schwimmen, Radsport, Gewichtheben, Eiskunstlauf oder Leichtathletik – sehr viele Sportgrößen auf nationaler und internationaler Ebene waren hier beheimatet. Und natürlich wurde dadurch der Ehrgeiz in der Öffentlichkeit deutlich, auch den Fußball in der Bezirksstadt in diese Richtung zu entwickeln.“  

Die Erwartungen erfüllten sich anfangs. Nur ein Jahr nach seiner Gründung feierte der FC Karl-Marx-Stadt die DDR-Meisterschaft und trat ins internationale Licht. Genauso wie der FCK erarbeitete sich Karl-Marx-Stadt einen auch international beachtlichen Status als Wirtschaftsmetropole der DDR. „Im Laufe der Jahre hat sich zum Beispiel besonders der Maschinenbau als wichtige Exportkraft entwickelt. In Karl-Marx-Stadt gab es die Sitze der Zentralen von immerhin sieben Kombinaten, was heute wohl den DAX-notierten Unternehmen entsprechen würde. Die gesamte Stadt wuchs mit hohem Tempo, damit die Einwohnerzahl, der Wohnungsbau, der Nahverkehr, auch Sportstätten. Davon profitierte auch der Klub.“

Herausragende Spieler zum FCK zu lotsen oder sie weiter an den Klub zu binden, gestaltete sich jedoch schwierig. „Eine der großen Unwägbarkeiten war die Einflussnahme aus Berlin durch den Deutschen Turn- und Sportbund. So wurden beispielsweise Spieler, wie der Zwickauer Nationalspieler Uwe Pilz, der zum FC Karl-Marx-Stadt wechseln wollte, zu Dynamo Dresden delegiert. Unser Mittelstürmer Hans Richter wurde aus der Ferne zum 1. FC Lok Leipzig gelotst. Darauf hatte unser Club leider keinerlei Einfluss“. Und dennoch: Die Verantwortlichen des FCK führten einen konkurrenzfähigen Verein, der fortwährend zu den Größen des Ostfußballs zählt.

Heute ist Eberhard Langer 86 Jahre alt. Einen Großteil seiner ehrenamtlichen Arbeit widmete er dem Fußball. Erst als junger Spieler, dessen Karriere früh durch eine schwere Verletzung gestoppt wurde und später, von den Mitgliedern des CFC gewählt, in fast jeder Leitungsfunktion im Verein. Ob als Mitglied des Vorstands und Aufsichtsrats oder als Vorsitzender des Fördervereins. In 55 Jahren hat er die Vereinsgeschichte mitgestaltet und miterlebt: DDR-Meisterschaft 1967, legendäre Europapokal-Spiele, Aufstieg in die 2. Bundesliga, tolle Pokalsiege aber auch Niederlagen und schwierige Situationen. Überaus wichtig war ihm jederzeit ein Anliegen: Die Förderung des  Nachwuchses. „Natürlich war und bin ich auf alle Erfolge des Vereins in all den Jahren stolz. Ganz besonders aber liegen mir die der Kinder- und Jugendmannschaften am Herzen. Mit dem von mir mitgegründeten Nachwuchsleistungszentrum ist es schließlich gelungen, seit 2001 viele Talente zu entwickeln, die später ihren Weg in den Profifußball oder über das Sportgymnasium und Studium in einen sie erfüllenden Beruf gegangen sind. Für mich sind in dieser Zeit viele Freundschaften, von der Trainerlegende Hans Meyer und dem Nationalspieler Joachim Müller bis hin zu einigen Fangruppen entstanden, die festen Bestand haben.“ 

Eberhard Langer ist Ehrenmitglied des CFC und aktuell Mitglied des Ehrenrats. 2019  durfte er sich aufgrund seines Einsatzes speziell für den Chemnitzer Jugendfußball in das „Goldene Buch“ der Stadt Chemnitz eintragen. „Der Verein ist eben seit 55 Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens“ und, so setzt er lächelnd fort, „darum sind auch meine Frau, Sohn, Enkel und dazu bald auch Urenkel Mitglieder unseres Vereins.“  

Und er sagt abschließend: „Aus meinen direkten Erfahrungen, die ich in 55 Jahren in allen Leitungsebenen des FCK und CFC, aber auch etwas entfernter als Oberbürgermeister und Stadtrat gemacht habe, zolle ich den aktuellen Mitgliedern der Vereinsgremien hohe Anerkennung für all das, was sie unter kompliziertesten Bedingungen im jetzigen gesellschaftlichen Umfeld für die Existenzsicherung und die Perspektive des CFC leisten. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, so wie alle unsere tollen Fans, dass der Club – getragen von unserer gesamten Heimatstadt - den Weg in die Zukunft wieder so erfolgreich einschlägt.“

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