Es war eine Saison der Serien. Holpriger Start, dann vier Siege am Stück sowie acht Spiele ohne Sieg, um wiederum 16-mal ungeschlagen zu bleiben und die letzten sechs Partien nicht zu gewinnen. 12 03 07 Sandhausen
Mittwoch, 16. Mai 2012 22:57 Uhr

Grauer Herbst, himmelblauer Frühling und Aprilwetter

Der Chemnitzer FC ist in der 3. Liga angekommen. Am Ende steht für den Aufsteiger ein hervorragender 9. Platz zu Buche, bei 55 Punkten und 47:43 Toren aus 38 Spielen. Nach einem Achtungserfolg in Saarbrücken (1:1) gelang den Himmelblauen am 4. Spieltag gegen Offenbach (2:0) der erste von insgesamt 15 Siegen. Nach zwei Niederlagen erkämpfte sich die Mannschaft bis zum 10. Spieltag vier weitere Siege in Folge und einen Platz im gesicherten Mittelfeld mit Tuchfühlung nach oben. Es war auch ein Kampf im Namen ihres Kapitäns Andreas Richter, der völlig überraschend im Vormittagstraining des 8. Septembers einen Herzinfarkt erlitt und letztlich nur zwei Erfolge als Aktiver in der 3. Liga feiern sollte. Er gehört derzeit dem erweiterten CFC-Trainerstab an.

Zeigte sich das Team also zunächst unbeeindruckt bis trotzig, schien es von beiden Ereignissen, der sportlichen Überraschung einerseits sowie der privaten Tragödie, erst zeitversetzt eingeholt zu werden. Betrachtet man die Abschlusstabelle, muss die erste kleine Erfolgsserie gegen Oberhausen (1:0), Jena (2:1), Babelsberg (2:1) und Bremen II (2:0) fast schon als selbstverständlich gelten. Doch damals hat es die Realität verzerrt. Von Ende September bis Anfang Dezember gelang kein einziger Sieg mehr, ausgenommen im Sachsenpokal gegen den späteren Aufsteiger VfB Auerbach (2:0). Tiefpunkt war das 0:3 zu Hause gegen Regensburg – mit personellen Konsequenzen. René Trehkopf wurde aus der Ersten in die Zweite Mannschaft versetzt.

Doch in jeder Krise steckt eine Chance. Das Team setzte sich zusammen, sagte sich die Meinung und fand zurück zur alten Einheit, aufgrund derer man in der Vorsaison die Regionalliga so eindrucksvoll dominiert hatte. Die achte sieglose Partie in Erfurt (0:0) sollte der Beginn einer fulminanten, diesmal nachhaltigeren Erfolgsserie werden. Gegen Burghausen (2:1) gelang zum Abschluss der Hinrunde auch endlich der sechste Sieg, durch den sich der Abstand zur Abstiegszone auf sechs Punkte vergrößerte. Nur ein Punkt mehr betrug die Differenz auf Platz 3, trotz Tabellenplatz 17 – doch daran dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Den Titel im Hallenturnier um den Casino-Cup erfolgreich verteidigt, knüpfte der CFC nach der Winterpause an seine Form an und leitete bereits am 21. Januar einen langen himmelblauen Frühling ein. Heidenheim, das sich gerade mit den beiden Bundesligaspielern Thurk und Mayer verstärkt und Anspruch auf die vorderen Plätze angemeldet hatte, wurde mit 3:0 aus dem Stadion an der Gellertstraße geschossen. Nach zehn Spielen ohne Niederlage ging es nach Sandhausen und mit einem sensationellen 3:0 im Gepäck wieder zurück. Der Sprung auf den nicht für möglich gehaltenen Relegationsplatz gelang am 31. Spieltag nach einer grandiosen Aufholjagd gegen Osnabrück (3:1). Eine Woche später lieferte das Team in Aalen (2:0) ein wahres Meisterstück ab, und praktisch nebenbei machte es unter der Woche beim FSV Zwickau (2:1) den Finaleinzug im Sachsenpokal klar.

Die Gedanken waren fokussiert, aber die Kräfte strapaziert. Am 34. Spieltag in Bielefeld (1:3) riss die historische Serie von 16 ungeschlagenen Spielen. Der Vereinsrekord wurde nur knapp verfehlt, der Relegationsplatz gegen Regensburg (0:1) verloren. In den letzten sechs Partien erzielte die Mannschaft nur zwei Tore und zwei Punkte und war dennoch die zweitbeste der Rückrunde. Die Krönung einer erfolgreichen Saison gelang am 16. Mai. Beim Landesligisten VfL Hohenstein-Ernstthal gewannen die Himmelblauen 5:4 nach Verlängerung und damit zum sechsten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Sachsenpokal. Ein spiegelbildlicheres Ende hätte die Spielzeit 2011/2012 nicht nehmen können.

Zum "Spieler der Saison" wurde Ronny Garbuschewski gewählt.

(Lutz Bartel)

 
 
 
 
 
 
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