Donnerstag, 26.03.2026

"Die Jungs haben sich das erarbeitet, wir geben nur den Rahmen" – U19 Coach Sebastian Kegel im Interview

Fünf U19-Spieler im Kader der ersten Mannschaft, zwei davon sogar in der Startelf beim 4:1-Heimsieg gegen den FC Carl Zeiss Jena – die Nachwuchsarbeit des Chemnitzer FC rückt aktuell stark in den Fokus. In einer schwierigen Phase mit vielen Ausfällen setzen die Himmelblauen bewusst auf den eigenen Nachwuchs – und werden dafür mit Leistung und Ergebnissen belohnt.

Parallel dazu läuft es auch bei der U19 selbst: Nach dem 2:0-Auswärtssieg beim TSV Havelse steht das Team in der Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga Liga B mit 13 Punkten aus fünf Spielen auf dem ersten Platz. Deshalb haben wir mit U19-Cheftrainer Sebastian Kegel über die aktuelle Entwicklung, die Durchlässigkeit zur ersten Mannschaft, die gemeinsamen Trainingseinheiten sowie die nächsten Schritte im Nachwuchsbereich gesprochen.

Ihr habt einen starken Start in die Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga hingelegt – ihr seid aktuell Erster. Kannst du ein Fazit zu den ersten fünf Spielen ziehen?

Sebastian Kegel: Die Ergebnisse passen bisher, die Spielweise noch nicht in jedem Spiel. Gegen Braunschweig und St. Pauli haben wir beispielsweise sehr gut gespielt. Es gab aber auch Spiele wie gegen Borea Dresden oder Viktoria Berlin, in denen wir nicht gut ins Tempo gekommen sind. Dafür verteidigen wir aktuell sehr stabil und stehen hinten sicher. So kommen dann auch die Ergebnisse zustande – wir sind seit drei Spielen ohne Gegentor. Der nächste Schritt ist für uns, die Leistung konstant über neunzig Minuten auf den Platz zu bringen.

Viele deiner Spieler trainieren aktuell regelmäßig bei der ersten Mannschaft mit. Das sorgt für wechselnde Konstellationen. Wie schwer ist es, trotzdem Konstanz zu entwickeln?

Natürlich ist es schwer, in einen gemeinsamen Rhythmus zu kommen. Aber wir haben einen großen Kader, der das auffangen kann. Was oft unterschätzt wird: Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer – und genau das zu begleiten ist die Herausforderung. Da müssen wir achtsam bleiben, Gesprächsangebote machen, aber auch weiterhin Ehrgeiz und Ambitionen von den Jungs einfordern.

Wie gehst du mit Spielern um, die durch diese Entwicklung zunächst hinten anstehen? Baust du sie aktiv auf?

Das ist Leistungssport. Alle haben sich vor der Saison dazu bekannt. Für viele ist es erstmal eine große Chance sich zu zeigen und die Selektion in diesem Prozess gehört dazu. Die Spieler müssen lernen, selbst damit umzugehen. Ich stehe jederzeit für Gespräche bereit, aber das ist kein Muss. Jeder soll da auch seinen eigenen Weg finden.

Zuletzt gab es gemeinsame Trainingseinheiten mit größeren Gruppen von U19-Spielern und der ersten Mannschaft. Wie ist diese Idee entstanden?

Die Idee basiert auf zwei Überlegungen. Zum einen habe ich natürlich eine Bewertung unserer Spieler im U19-Bereich. Aber ein anderer Trainer, in einem anderen Umfeld, kann Spieler ganz anders wahrnehmen. Durch den Blick von Benjamin Duda im Training bekommen alle die gleiche Chance, sich zu zeigen und zu beweisen.

Hast du dafür ein konkretes Beispiel?

Ja, Pepe Pharell Philipp ist so ein Beispiel. Ich mag ihn als Spieler sehr, habe aber bei uns oft gesehen, dass er sich teilweise zu viele Kontakte nimmt, bis er den Ball wieder abgibt. Im Umfeld der ersten Mannschaft hat er sich aber schnell angepasst, spielt direkter, verhält sich anders – und konnte sich so empfehlen. Dadurch hat er Eindruck hinterlassen und sich seine Chance verdient.

Und die zweite Überlegung hinter dieser Maßnahme?

Das NLZ soll enger mit der ersten Mannschaft zusammenrücken. Ich habe mich gefragt, was es konkret dafür braucht. Daraus sind diese Maßnahmen entstanden – größere Gruppen, gemeinsame Spielformen wie Sechs-gegen-sechs-Turniere, mehr direkte Vergleiche. So bekommen wir ein klareres Bild von unseren U19-Spielern im Kontext einer Regionalligamannschaft.

Das Testspiel gegen Fortuna Chemnitz wurde als Teil dieser Entwicklung gesehen. War das ein Abschluss dieser Phase?

Nein, das ist kein Abschluss. Entwicklung ist nie zu Ende und auch nicht vorhersehbar. Nach dem Spiel beginnen Gespräche mit den Spielern über ihre Perspektiven, Verträge und Chancen in der ersten Mannschaft. Das Spiel war eine Etappe. Die Jungs konnten sich zeigen, auch unter Wettkampfbedingungen, und sich für ein ambitioniertes Umfeld empfehlen. Einige standen zum ersten Mal für die erste Mannschaft auf dem Platz. Solche Erlebnisse mitzunehmen, die einen prägen, ist extrem wichtig – das sollten sie genießen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Benjamin Duda entwickelt – gerade jetzt, wo so viele Jugendspieler oben ankommen?

Die Zusammenarbeit war schon vorher sehr intensiv. Ich habe mit Benjamins Bruder Michael Duda gemeinsam meine A+-Lizenz gemacht – dadurch hatten wir schnell ein Gefühl füreinander. Wir stehen täglich im Austausch, schreiben und telefonieren viel. Vielleicht ist es jetzt noch etwas mehr geworden, weil durch die vielen Einsätze mehr abgestimmt werden muss. Es geht ja auch darum, wer mal wieder neunzig Minuten bei uns spielt und wer oben Minuten bekommt. Das ist ein sehr angenehmer Austausch auf Augenhöhe.

Mit Georg Hempel und Aaron Mensah standen zuletzt zwei U19-Spieler in der Startelf beim 4:1-Heimsieg über Carl Zeiss Jena vor über 6.000 Zuschauern. Drei weitere Spieler deiner Mannschaft ergänzten den Kader. Macht dich das stolz?

Die Jungs haben sich das selbst erarbeitet. Wir geben den Rahmen, aber ich bin da nicht allein – da gehört das gesamte NLZ dazu. Von den Trainern der U10 oder U11 bis hoch zur NLZ-Leitung. Ich freue mich sehr für die Jungs, dass sie diese Chancen bekommen. Das ist das Ergebnis ihrer Entwicklung und auch dieser Maßnahmen. Und natürlich auch davon, dass sie dann wirklich spielen dürfen. Stolz ist also das falsche Wort. Es ist eher eine ehrliche Freude für diese jungen Fußballer.

Eine weitere positive Geschichte: Amadeus Zamora war zuletzt für die U20 von Nicaragua nominiert. Wie eng bist du mit ihm währenddessen im Austausch gewesen?

Sehr eng. Wir haben lange gesprochen, als er wieder kam. Er hat mir auch Fotos von den Spielen geschickt und eine kurze Einordnung seiner Spielminuten auf dem Platz. Für ihn ist das eine besondere Erfahrung gewesen – gerade in einer Phase zwischen Abitur und möglichem Schritt in den Männerbereich. Er hat dort viel mitnehmen können, gleichzeitig aber auch Einheiten bei uns und bei den Profis verpasst, die andere Jungs nutzen konnten. Jetzt muss er seinen Weg finden.

Am Wochenende wartet die nächste Aufgabe. Am Samstag um 12 Uhr empfang ihr Rot-Weiß Erfurt im Sportforum. Was erwartest du vom Gegner?

Wir haben den Gegner mehrfach gesehen. Sie spielen sehr mannorientiert, mit einer einfachen und klaren Spielweise. Sie lösen viel über lange Bälle und Umschaltmomente. Da müssen wir wachsam sein. Gleichzeitig wollen wir unsere Ballbesitzphasen aktiv gestalten, trotz dieser Mannorientierung Lösungen finden und das Spiel klar gewinnen. Einige Spieler wie Pepe Philipp, Aaron Mensah und Georg Hempel werden diesmal bei der ersten Mannschaft im Einsatz sein, was anderen wiederum die Chance gibt, sich zu zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian und viel Erfolg dir und deiner Mannschaft am Wochenende gegen Erfurt!

Interview: Yannic Gillmeister