Für die U19-Junioren des Chemnitzer FC steht am Mittwochabend ein ganz besonderes Spiel an. Im Sachsenpokalfinale trifft die Mannschaft von U19-Coach Sebastian Kegel im Sportpark Rabenstein ab 18 Uhr auf Dynamo Dresden – ein Endspiel mit Derbycharakter, emotionaler Atmosphäre und der Chance auf den Einzug in den DFB-Pokal der U19-Junioren.
Vor dem Finale haben wir mit Sebastian Kegel über die besondere Bedeutung solcher Spiele, die Entwicklung seiner Mannschaft und die aktuelle Phase zwischen Saisonfinale, Abiturprüfungen und dem bevorstehenden Schritt in den Männerfußball gesprochen. Dabei ging es auch um Drucksituationen, die Wirkung einer emotionalen Kulisse und die Frage, warum gerade K.-o.-Spiele jungen Spielern in ihrer Entwicklung besonders helfen können.
Sebastian, ihr habt am Wochenende trotz vieler Chancen mit 1:2 bei Viktoria Berlin verloren. Ist das kurz vor dem Pokalfinale ein kleiner Dämpfer?
„Grundsätzlich geht man in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Deshalb ist es natürlich nie schön, wenn man verliert. Trotzdem wird es am Mittwoch ein anderes Spiel werden. In Berlin haben einige Leistungsträger gefehlt, während andere Spieler Einsatzzeiten bekommen haben, die zuletzt weniger zum Zug gekommen sind. Vor der Niederlage haben wir vier Spiele in Folge gewonnen. Jede Mannschaft verliert irgendwann einmal ein Spiel – entscheidend ist jetzt, am Mittwoch die richtige Antwort zu geben.“
Ihr habt in dieser Saison bereits viermal gegen Dynamo Dresden gespielt. Hilft euch das vor dem Finale?
„Ich glaube, dass es heutzutage im Fußball ohnehin kaum noch echte Geheimnisse gibt. Durch Videoanalysen und Scouting kennt man sich auch innerhalb der höchsten Nachwuchsligen sehr genau. Für mich steht immer im Vordergrund, dass wir unser eigenes Spiel auf den Platz bringen. Darum wird es auch diesmal gehen. Natürlich verliefen die bisherigen Duelle gegen Dynamo Dresden im Saisonverlauf sehr unterschiedlich – manche ausgeglichen, andere klarer in eine Richtung. Aber ein Pokalfinale hat immer seine eigenen Gesetze. Andere Kulisse, andere Drucksituation, ein K.o.-Spiel – das löst emotional und mental noch einmal etwas ganz anderes bei den Spielern aus.“
Mit Georg Hempel und Aaron Mensah stoßen zwei Spieler aus dem Regionalliga-Kader wieder zur U19 dazu. Wie wichtig kann das werden?
„Sicher ist es immer hilfreich, wenn Spieler bereits Erfahrungen auf einem höheren Niveau gesammelt haben – mit mehr Intensität, mehr Zuschauern und mehr Druck. Das hilft natürlich. Genau deshalb haben wir ja auch im Winter bewusst versucht, Spieler immer wieder näher an das Regionalliga-Team heranzuführen. Jetzt gilt es, diese Erfahrungen auch im Finale auf den Platz zu bringen. Für die Spieler ist das wie eine Abschlussprüfung. Der eine hat sich vielleicht schon mehr vorbereitet, der andere weniger. Aber genau solche Spiele sind wichtig für die Entwicklung.“
Amadeus Zamora wurde für Nicaraguas A-Nationalmannschaft nominiert. Wie sehr freut dich das als Trainer?
„Ich freue mich riesig für ihn, auch wenn es gleichzeitig bedeutet, dass er uns zum Saisonabschluss gegen Erfurt fehlen wird. Ich weiß, wie stolz Amadeus darauf ist, das Heimatland seines Vaters auf internationaler Ebene vertreten zu dürfen. Und wenn man dann gegen Nationen wie Südafrika oder Paraguay spielen darf, die bei der Weltmeisterschaft im Sommer dabei sein werden, ist das natürlich etwas ganz Besonderes. Wir allen freuen uns mit ihm. Und wenn ich ehrlich bin, hoffe ich als begeisterter Trikot-Sammler natürlich auch ein bisschen darauf, dass irgendwann ein nicaraguanisches Nationaltrikot bei mir im Büro hängt.“ (lacht)
Parallel laufen bei einigen Spielern aktuell auch die Abiturprüfungen, das Studium oder bereits die Planungen für die Zeit nach der U19. Ist das für die Jungs eine besondere Herausforderung?
„Das ist schon eine enorme Mehrfachbelastung, weil bei jungen Menschen in dieser Phase sehr viele Themen gleichzeitig zusammenkommen. Aber das ist nichts, was nur uns betrifft – andere Vereine erleben ähnliche Situationen. Für uns geht es darum, die Spieler bestmöglich zu begleiten und ihnen den Raum zu geben, offen über Dinge sprechen zu können, wenn sie das möchten. Gleichzeitig trägt natürlich jeder Spieler als Leistungssportler auch Verantwortung für seine eigene Entwicklung. Am Ende wollen wir erreichen, dass die Jungs trotz all dieser Herausforderungen frei aufspielen, den Moment genießen und das Pokalfinale als etwas Besonderes begreifen.“
Du bist selbst Geschichtslehrer am Sportgymnasium hier in Chemnitz. Hast du dadurch vielleicht nochmal einen anderen Blick auf diese Situation?
„Ja, natürlich bekomme ich viel mehr mit, was die Jungs gerade schulisch beschäftigt und habe dafür wahrscheinlich eine höhere Sensibilität. Ich sehe schon, was die Jungs leisten müssen. Aber am Ende geht es trotzdem darum, dass sie lernen, mit solchen Situationen umzugehen – auch das gehört zur Ausbildung dazu.“
Was kann so ein Finale den Spielern individuell für ihre Entwicklung bringen?
„Finalspiele oder Spitzenspiele stehen immer stärker im Fokus – bei Fans, Scouts oder Beratern. Allein dieses Erlebnis bringt den Spielern schon unglaublich viel. Vor Zuschauern Verantwortung zu übernehmen, in einem K.o.-Spiel Entscheidungen treffen zu müssen und mit Druck umzugehen, ist enorm wichtig für ihre Entwicklung. Das betrifft die mentale Entwicklung genauso wie die sportliche. Solche Spiele bleiben hängen und können Spielern auf ihrem weiteren Weg helfen.“
Jetzt geht es am Mittwoch nach Rabenstein. Das Finale findet also in Chemnitz statt. Welche Rolle kann die Heim-Kulisse spielen?
„Ich hoffe natürlich, dass viele Zuschauer den Weg nach Rabenstein finden werden. Es ist ein Pokalfinale, ein Ost-Derby und dazu noch ein Spiel vor einem Feiertag – das kann einen richtig starken Rahmen ergeben. Und wenn viele Zuschauer da sind, wollen wir diese Energie natürlich auch auf den Platz übertragen. Entscheidend wird sein, dass wir von Beginn an im Spiel sind, die ersten Zweikämpfe annehmen und direkt die notwendige Intensität zeigen. So wie im Halbfinale gegen RB Leipzig, als wir sofort dominant aufgetreten sind. Aber unabhängig von der Atmosphäre müssen wir über die gesamte Spieldauer bereit sein und jede Situation mit voller Überzeugung annehmen.“
Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian. Dir und deinen Jungs viel Erfolg am Mittwoch im Pokalfinale!
Interview: Yannic Gillmeister