20 Tonnen Sand als Wellnesskur für die Fischerwiese – Greenkeeper machen den Stadionrasen winterfest
Wenn im Oktober die Sonne flacher am Himmel steht, das Laub auf dem Stadiondach liegen bleibt und sich der erste Tau morgens auf den Rasen legt, beginnt für die Greenkeeper im eins-Stadion – An der Gellertstraße – eine der arbeitsintensivsten Phasen des Jahres.
Zum Wochenstart hat Heiko Helbig das große Gerät aus seiner Garage auf dem Wirtschaftshof direkt neben dem Stadion geholt. Der 56-Jährige ist seit mehr als zehn Jahren der verantwortliche Mann hinter dem Grün – gemeinsam mit seinem Kollegen Jan Reuther sorgt er dafür, dass die Profis des Chemnitzer FC bestmögliche Bedingungen auf der Fischerwiese vorfinden. Beide sind bei der Firma Götz angestellt, die im Auftrag des Stadionbetreibers GGG für die Rasenpflege im eins-Stadion verantwortlich ist.
Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit
Gerade jetzt, Mitte Oktober, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Schon bald beginnt die Zeit, in der der Rasen sein Wachstum einstellt. „Das Gras sprießt nur, wenn die Bodentemperatur konstant über mindestens acht Grad liegt“, erklärt der Greenkeeper. „Deshalb müssen wir schon jetzt alles tun, um den Platz gut durch Herbst und Winter zu bringen.“
Dass dabei kaum eine Verschnaufpause bleibt, überrascht ihn längst nicht mehr. Rasenpflege, sagt Helbig, sei ein Ganzjahresjob. „Egal ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter – sobald das eine erledigt ist, wartet schon die nächste Aufgabe“, meint er und wischt sich kurz den Sandstaub von der Jacke.
20 Tonnen Sand als Wellnesskur
Rund 20 Tonnen gewaschener Sand wurden in dieser Woche angeliefert, per Baggerlader in den Innenraum gebracht und anschließend mit einem Traktor samt Spezialanhänger gleichmäßig über das Spielfeld verteilt. Im Anschluss an die Besandung folgt die Aerifizierung der gesamten Spielfläche.
Dabei stechen spezielle Geräte feine Löcher in den Boden, um ihn zu belüften und zu lockern. So können Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe besser an die Wurzeln gelangen. „Im Prinzip bekommt der Boden dadurch eine Frischluftkur“, beschreibt Helbig das Verfahren. „Das hilft dem Rasen enorm, gesund zu bleiben.“
Die Maßnahme sorgt außerdem dafür, dass der Boden locker und durchlässig bleibt, Wasser besser abfließen kann und sich kleine Unebenheiten ausgleichen. Der Sand fördert zusätzlich das Wurzelwachstum und hemmt die Bildung von Moos – kurz gesagt: Er hält den Platz lebendig.
„Das ist wie eine kleine Wellnesskur für den Rasen“, meint Helbig mit einem Augenzwinkern. „Durch das Aerifizieren wird der Sand in den Boden eingearbeitet – so bekommt der Rasen wieder Luft zum Atmen.“
Diese aufwendige Pflege wird in Chemnitz übrigens zweimal im Jahr durchgeführt – einmal in der Sommerpause und ein weiteres Mal im Herbst als Vorbereitung auf die Wintermonate.
Ein Rasen mit Geschichte
Der „heilige Rasen“ auf der Fischerwiese wurde seit mittlerweile über 15 Jahren nicht mehr erneuert – und trotz des stolzen Alters präsentiert er sich noch in einem passablen Zustand. Ein stilles Kompliment an jene, die im Hintergrund arbeiten, um Fußball in Chemnitz auch in der Regionalliga unter professionellen Bedingungen zu ermöglichen.
All das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter, täglicher Arbeit. „Man erkennt das Alter eines Rasens an Farbe und Struktur, aber wir haben ihn – trotz der hohen Belastung – in all den Jahren immer relativ gut in Schuss gehalten“, sagt der gebürtige Karl-Marx-Städter stolz.
Leidenschaft, die wächst
Es ist diese Mischung aus Fachwissen, Erfahrung und Leidenschaft, die Heiko Helbig zu einem echten Rasenflüsterer macht. „Ein guter Rasen ist wie ein guter Spieler – er braucht Pflege, Zuwendung und das richtige Timing“, sagt er, während er prüfend über die grüne Fläche blickt, die er soeben mit 20 Tonnen Sand beglückt hat.
Dank seiner Arbeit und der seines Teams ist der Rasen im eins-Stadion – An der Gellertstraße – bereit für die kommenden Monate: widerstandsfähig, gepflegt und perfekt vorbereitet auf all die Spiele, die den Himmelblauen noch bevorstehen. Das nächste Mal rollt der Ball am Samstag, dem 25. Oktober 2025, auf der Fischerwiese, wenn Hertha Zehlendorf ab 14 Uhr zu Gast ist.



