Adamczyk hält das Unentschieden fest: Chemnitz entführt einen Punkt aus Erfurt
Am 13. Spieltag führte der Weg des Chemnitzer FC nach Thüringen zum Auswärtsspiel beim FC Rot-Weiß Erfurt. Vor 7.368 Zuschauern wollten die Himmelblauen die enttäuschende 0:1-Heimniederlage der Vorwoche gegen den VFC Plauen hinter sich lassen und direkt eine entsprechende Reaktion gegen RWE zeigen.
Das gelang nach einem defensiv couragierten Auftritt im Steigerwaldstadion zumindest teilweise, weil der CFC trotz durchwachsener Leistung am Ende einen Punkt aus Erfurt entführen konnte. Im Offensivspiel der Himmelblauen knirschte es über weite Strecken gewaltig. Mann des Tages aus Chemnitzer Sicht war Daniel Adamczyk, der einen Elfmeter parieren konnte und dadurch sein Team im Spiel hielt.
Cheftrainer Benjamin Duda musste dabei auf einige wichtige Spieler verzichten: Linksverteidiger Niclas Walter (muskuläre Probleme) und Mittelfeldspieler Anton Rücker (5. Gelbe Karte) standen in Erfurt nicht zur Verfügung. Auch die langzeitverletzten Dejan Bozic, Tom Baumgart und Tobias Müller fallen weiterhin mindestens bis Jahresende aus.
Nils Lihsek übernahm den Posten auf der linken Seite in der Viererkette für den angeschlagenen Walter. Roman Eppendorfer rückte ins defensive Mittelfeld an die Seite von Niclas Erlbeck, der gegen Plauen noch mit einem Infekt aussetzen musste. Robert Zickert hatte seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen und führte das Team wie erwartet als Kapitän aufs Feld.
Balldominanter Spielbeginn
Die Chemnitzer eröffneten den ersten Durchgang und die Gastgeber zogen sich zunächst in zwei Viererketten gestaffelt tief in die eigene Hälfte zurück. Die Fanszene der Rot-Weißen präsentierten derweil eine sehenswerte Choreografie, die an den Abriss des alten Stadions erinnerte. Zahlreiche Leuchtelemente begleiteten so die ersten Sekunden des Spiels. Artur Mergel behielt an alter Wirkungsstätte dennoch den Überblick und zog nach zwei Minuten erstmals vom Strafraumeck ab. Erfurts Schlussmann Otto konnte den Ball sicher aufnehmen.
Wenn Chemnitz im Ballbesitz war, dann lauerte die gesamte Elf des Gastgebers einige Meter in der eigenen Hälfte und wartete auf Fehler im Aufbauspiel, um dann mit Tempo zu kontern. Es waren noch keine zehn Minuten gespielt, als nach einem leichtfertigen Ballverlust erstmals der Erfurt-Express aufs Chemnitzer Tor zurollte. Eppendorfer und Müller konnten in gemeinsamer Anstrengung den ersten gefährlichen Tempogegenangriff der Thüringer bereinigen (8.).
Die Erfurter Abseitsfalle schnappte bereits in der Anfangsviertelstunde dreimal zu. Der CFC tat sich gegen die kompakte Defensive schwer sich in die gefährlichen Räume zu spielen. Eine Einzelaktion von Jong-min Seo bereitete den Thüringern erstmals wirklich Probleme. Der Flügelstürmer zog von der Außenbahn ins Zentrum und schloss auf das lange Eck ab. Der Ball ging knapp am Pfosten vorbei (19.).
Die Erfurter agierten über weite Strecken des ersten Durchgangs für ein Heimteam aus einer extrem defensiven Grundordnung heraus. Die größeren Spielanteile lagen folgerichtig auf Chemnitzer Seite, was sich zunehmend auch im Chancenverhältnis widerspiegelte. Dennoch wirkte der CFC, wenn mal gefordert, dann doch anfälliger als gewohnt.
In einer Überzahlsituation fasste sich dann Luis Fischer aus 25 Metern ein Herz und zog ansatzlos ab. Der Erfurter Torhüter wirkte von dem wuchtigen Abschluss überrascht und musste den Ball zur Seite abklatschen lassen (25.). Die beste Torchance der Himmelblauen im ersten Durchgang.
Dann ging es mal wieder in die andere Richtung. Nils Lihsek erkannte die Gefahr nach verlorenem Kopfballduell an der Mittellinie und setzte dem enteilten Moritz im Vollsprint auf der verwaisten linken Abwehrseite hinterher. Mit einer ganz starken Grätsche fing er die Hereingabe im Strafraum von der Grundlinie im letzten Moment ab. Mit seiner Aktion verhinderte der bis dahin auffälligste Mann im CFC-Trikot nicht nur einen Eckball, sondern holte sogar einen Abstoß für sein Team heraus (30.). Für diesen mannschaftsdienlichen Einsatz erhielt er zurecht einen Sonderapplaus seiner Teamkollegen.
Die letzten 15 Minuten bis zum Pausenpfiff wollten beide Teams nichts mehr riskieren. Folgerichtig spielte sich die Schlussphase der ersten Halbzeit zwischen den Strafräumen ab. Auf beiden Seiten fehlte zunehmend die Klarheit in den Aktionen. So ging es mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabine. Beide Teams brauchten im zweiten Durchgang eine Leistungssteigerung, wenn sie den Spielverlauf durch ein Tor auf ihre Seite ziehen wollten.
Erfurter Chancenwucher – CFC im Glück
Die Erfurter präsentierten sich mit Wiederanpfiff komplett verändert und kamen mit viel Dampf aus der Kabine. Direkt der erste Angriff nach nicht einmal 60 Sekunden endete mit einer gefährlichen Hereingabe, die quer durch den Chemnitzer Strafraum an allen vorbeirauschte (46.).
Nur eine Minute später rollte bereits der nächste geradlinige Angriff über Mittelfeldmotor Marco Wolf auf den Kasten des CFC zu. Manuel Reutter kam im Strafraum einen Schritt zu spät, Wolf nahm die Situation dankend an und ging zu Boden. Der Unparteiische Henry Müller zeigte umgehend auf den Punkt. So kam es in der 47. Spielminute zum Duell aus elf Metern zwischen Erfurts Ömer Uzun und Chemnitz‘ Nummer eins, Daniel Adamczsk. Uzun schoss flach aufs rechte untere Eck. Adamczyk spekulierte richtig und konnte den Strafstoß sogar mit beiden Händen festhalten. Der starke Rückhalt des Chemnitzer FC hielt mit einer herausragenden Tat seine Mannschaft in einer schweren Auswärtspartie im Spiel.
Doch die Erfurter drückten weiter und wollten die Duda-Elf mit einem Powerplay förmlich erdrücken. So trudelte der Ball im Anschluss an einen Eckball parallel knapp vor der Torlinie ins Hintertoraus. Viel Glück in dieser Situation für die Himmelblauen, die sich immer schwerer taten, dem Offensivdrang der Gastgeber etwas entgegen zu setzen (51.).
Dann setze Luis Fischer innerhalb von vier Minuten mal wieder zwei Offensivakzente für den an diesem Tag gänzlich schwarz gekleideten CFC: Zunächst lief er aus abseitsverdächtiger Position aus halblinker Position allein auf Otto zu, konnte den Erfurter Schlussmann aber nicht überwinden (58.). Ein Riesen-Brett, da die Fahne des Assistenten auch im Anschluss des Abschlusses unten blieb. Wenig später fehlte Fischer bei einem gefährlichen Abschluss aus der Distanz nicht viel, um das Spiel mit etwas Glück doch noch komplett auf die Chemnitzer Seite zu ziehen (61.).
In der 71. Minute retteten die Himmelblauen erneut in höchster Not, als ein Schuss der Erfurter an die Latte klatschte und die Thüringer durch Uzun und Awoudja gleich dreimal nachsetzen konnten – doch die Chemnitzer Abwehr behielt die Nerven und blockte alle Einschussversuche aus kurzer Distanz erfolgreich.
In den letzten 20 Minuten konnte die Duda-Elf das Spiel insgesamt wieder etwas ausgeglichener gestalten. In diesem Spiel ging es in der Schlussphase vor allem darum, den Punkt aus Erfurt mitzunehmen.
Zickert scheitert am Pfosten – Erfurt kontert nicht konsequent
Kapitän Zickert schnupperte sogar noch mal am Führungstreffer. Nach einem Damer-Freistoß aus dreißig Metern halbrechter Position drückte der Innenverteidiger das Leder mit der Innenseite aus zehn Metern an den Pfosten. Erfurt-Schlussmann Lorenz Otto wäre geschlagen gewesen (81.). Aber der Assistent hatte direkt nach der Aktion eine Abseitsposition im Zentrum angezeigt, sodass der Treffer nicht gezählt hätte.
Die letzten Minuten waren geprägt von vielen taktischen Fouls, Gelben Karten und Erfurter Konterangriffen. Die Rot-Weißen schafften es nicht mehr – selbst in teils deutlichen Überzahlsituationen – die leidenschaftlich verteidigenden Chemnitzer zu überwinden.
Schlussendlich steht nach einer Leistungssteigerung in Puncto Intensität gegenüber dem Plauen-Spiel ein glücklicher Punktgewinn im Steigerwaldstadion für die Himmelblauen zu buche. Die Gastgeber agierten, wie erwartetet, passiv und lauerten auf ihre Kontersituationen. Der CFC hatte in der zweiten Halbzeit offensiv wenig anzubieten, verteidigte gegen die Thüringer allerdings sehr leidenschaftlich und sicherte somit einen Punkt an einem Wochenende, an dem die Konkurrenz im Tabellenkeller aus Plauen und Potsdam echte Befreiungsschläge feiern konnte.
Bereits am Freitagabend (19 Uhr) steht für den Chemnitzer FC das nächste Regionalliga-Duell an: Unter Flutlicht empfangen die Himmelblauen die VSG Altglienicke im heimischen Stadion. Im achten Anlauf soll dann endlich der langersehnte erste Liga-Heimsieg der Saison eingefahren werden. Die Erfurter hingegen reisen zwei Tage später zum Auswärtsspiel beim VFC Plauen.
FC Rot-Weiß Erfurt – Chemnitzer FC 0:0
RWE: Otto 1 – Zeller 33, Fabinski 21, Awoudja 6, Moritz 2 – Trübenbach 7 (83. Langner 28), Maluze 30, Wolf 10, Felßberg 18 (73. Schwarz 3) – Lerche 11 (73. Kleiner 17), Uzun 19 (73. Ugondu 13)
CFC: Adamczyk 1 – Lihsek 8, F. Müller 23, Zickert 21, Reutter 16 – Seo 14, Eppendorfer 25, Erlbeck 6, Fischer 27 (68. Karimani 18) – Mergel 10 (90. Malina 11), Damer 13 (88. Eshele 20)
Zuschauer: 7.368
Besondere Vorkommnisse: 47. Adamczyk hält Foulelfmeter von Uzun (Erfurt)



