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28.05.2022 - 10.43 Uhr | 1. Mannschaft

"Am Strand liegen, Sandburgen bauen und einbuddeln lassen" - Christian Bickel macht Schluss

Mit dem Sachsenpokal-Finale gegen die BSG Chemie Leipzig hat Christian Bickel seine aktive Karriere beendet. Im Alter von 31 Jahren hängt er damit seine Fußballschuhe an den Nagel und kehrt in seine Heimat nach Thüringen zurück. Im ClubMagazin-Interview zum Pokalfinale sprach Bickel über die Gründe für seine Entscheidung, Erinnerungen an Chemnitz und Pläne für die Zukunft.

Christian, nach zwölf Jahren im Profifußball ist für dich im Sommer Schluss. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Vorwiegend waren es gesundheitliche Gründe. Meine Knieverletzung hat mich alltäglich beeinträchtigt. Da ich zwei kleine Kinder habe, war die Schlafbegleitung dann manchmal schwierig, wenn du mit in dem kleinen Bett liegst. Im vergangenen Jahr hatte ich wegen Corona eine Herzbeutel-Entzündung. Da hat die Karriere also auch noch das Herz angegriffen. Folglich habe ich lange mit meiner Frau gesprochen, schließlich wollten wir noch etwas länger Lebensqualität haben.

Mit 31 Jahren hörst du damit schon etwas zeitiger auf als der gemeine Fußballer.

Ja, doch auch nach der Karriere will ich noch weiter Sport treiben. Heute habe ich nach dem Training und in der Freizeit oft Schmerzen, das soll nicht noch schlimmer werden.  Ich komme aus Thüringen, deswegen bin ich mit meiner Frau und den Kindern wieder in die Heimat gezogen, wo Ansgar, mein ältester Sohn, auch im kommenden Sommer in die Schule kommt. Da gibt es also auch viel zu erleben.

Seit wann hast du mit dem Gedanken gespielt?

Eigentlich schon seit der letzten Saison. Durch Corona und die Herzbeutelentzündung war der Gedanke ans Aufhören da. Die Krankheit ist aber sehr gut behandelt worden und nach verschiedenen Tests war ich auch wieder ziemlich fit. Anfang dieses Jahres habe ich dem Verein aber meine endgültige Entscheidung mitgeteilt, damit die Verantwortlichen auch reagieren konnten. 

Aus der Erfurter Jugend bist du nach Freiburg gewechselt und hast dort ab 2010 deine ersten Schritte im Profifußball gemacht. Später ging's für dich nach Regensburg, Cottbus, Rostock, Paderborn, Osnabrück, Zwickau und schließlich Chemnitz. Was ist geblieben?

Sehr viele Erinnerungen. Das Leben als Profifußballer hat so viele Vorzüge. Allein schon, weil ich sehr viel gesehen habe. All die Städte, in denen ich gewohnt habe und die Stadien, in denen ich auflaufen durfte. Ich habe Freundschaften geschlossen und durfte mit so vielen tollen Leuten zusammenarbeiten. Es war eine sehr schöne Reise, aber das Leben geht weiter. Wenn es möglich ist, werde ich vielleicht in der Heimat dann auf Kreisebene noch etwas kicken. Einmal die Woche Training und dann am Wochenende mit Freunden auf dem Rasen stehen.

Die Kreisoberliga Thüringen wird sich freuen. Bist du ein Typ für die "dritte Halbzeit"?

(lacht) Dafür bin ich jetzt nicht unbedingt bekannt. Im Alter ist das aber etwas mehr geworden, die Jungs haben mich da auch immer gut animiert. Die Busreisen in dieser Saison waren absolut legendär. Wenn wir gewonnen haben, gab's beim Uno spielen auch das ein oder andere Kaltgetränk. Von daher fühle ich mich gewappnet.

Welche Erinnerungen hast du an deine Zeit beim Chemnitzer FC?

Das "Tor des Monats" ist eine riesige Erinnerung für mich. Das werde ich immer mit dem CFC verbinden. Das Pokalspiel gegen Hoffenheim ebenfalls. Damals hat man schon gemerkt, welche Magie die Fans entfachen können. Da war es schon schade, dass das in meinen zwei Jahren hier durch Corona immer etwas gehemmt war. 2019 im Finale gegen Zwickau war ich im Stadion und habe diese Euphorie aufgesaugt und mitbekommen, was die Chemnitzer Fans mit den Spielern machen können. Am Ende hat Zwickau, wo ich damals noch gespielt habe, zwar verloren, aber ich war trotzdem beeindruckt.

Ab Juni hast du dann viel Zeit für dich und deine Familie. Wie geht es für dich beruflich weiter?

So genau weiß ich das noch gar nicht. Ich mache mir da jetzt auch keinen Druck. Seitdem ich Denken kann ist Fußball mein Ding. Da ich auch so viele Verletzungen hatte, interessieren mich Prävention und Rehabilitation sehr. Physiotherapie, Athletik, Ernährung, all sowas. Allein wenn man sieht, wie ich mich mit 18 ernährt habe und wie ich es jetzt mache. Es ist immer gut, wenn man sein Wissen weitergeben kann und junge Spieler schon etwas früher coachen kann.

Jetzt also erstmal ein "Sabbatjahr"?

Ich werde erstmal viel Urlaub machen. Dann kommt der Kleine in die Schule. Bis dahin will ich noch viel Zeit mit ihnen verbringen. Das geht ja dann auch irgendwann nicht mehr so gut. Die nächsten drei Monate werde ich viel unterwegs sein. Wahrscheinlich am Strand liegen, mit den Jungs kicken, Sandburgen bauen und einbuddeln lassen. Die Klassiker eben.

Werden wir dich trotzdem wieder mal in Chemnitz sehen? 

Auf jeden Fall. Der Klub ist mir extrem ans Herz gewachsen. Die Jungs sind eine sehr homogene und lustige Truppe. Ich bin jeden Tag einfach gern hierhergekommen und werde das auch in Zukunft tun. Ich muss noch mit Marc Arnold verhandeln, ob dann nicht doch noch eine Dauerkarte für mich drin ist. Aber mein Heimatklub Erfurt ist aufgestiegen, da werde ich es mir nicht nehmen lassen, im Steigerwaldstadion zu sitzen und dem CFC die Daumen zu drücken.

Danke für deinen Einsatz, Christian!