Campus-Inside: Frauenmannschaft – Mit klarem Kopf zum großen Ziel
In unserer Serie Campus-Inside nehmen wir euch mit hinter die Kulissen des CFC-Campus – von den jüngsten Talenten der U10 bis hin zur Frauenmannschaft. Heute richten wir den Blick auf ein Team, das in den vergangenen Jahren für reichlich Emotionen gesorgt hat: die Frauen des Chemnitzer FC. Viermal in Folge Vizemeisterinnen, zweimal denkbar knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt – und doch bereit, erneut anzugreifen.
Cheftrainer Swen Wolf, der nun in seine vierte Saison als Verantwortlicher geht, spricht von einer klaren Marschrichtung: "Das Ziel ist kein Geheimnis – wir wollen so weit oben wie möglich landen. Aber wir wissen auch, dass wir dafür nicht nur fußballerisch, sondern vor allem im Kopf noch zulegen müssen."
Zweiter Platz – und wieder nicht hoch
Die Enttäuschung über den erneuten Nichtaufstieg sitzt tief. Im Sommer 2023 waren es Regularien zur U23, weswegen der Aufstiegstraum platzte. In diesem Jahr reichte nicht einmal ein Sieg im Derby gegen den FC Erzgebirge zur Meisterschaft.
"Letztes Jahr haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, aber am Ende haben andere Faktoren entschieden. Dieses Jahr hatten wir es am letzten Spieltag noch in der eigenen Hand – und sind trotzdem Zweiter geworden aufgrund der schlechteren Tordifferenz. Das ist bitter, weil es mit mehr Biss und Energie in den Vorwochen vollkommen vermeidbar gewesen wäre", so Wolf.
Umso wichtiger war es, die Niederlage nicht nur sportlich, sondern auch mental zu verarbeiten. Anstatt die Saison mit einem lockeren Abschlusstraining ausklingen zu lassen, ging das Team noch zweieinhalb Wochen in den normalen Trainingsbetrieb. "Die beste Medizin nach einer Enttäuschung ist, sofort wieder auf den Platz zu gehen und den Ball rollen zu lassen", erklärt der Coach.
Mentalität als Schlüssel
In der Vorbereitung liegt der Schwerpunkt in diesem Sommer auf der geistigen Schnelligkeit. Wolf will, dass seine Spielerinnen Spielsituationen schneller erkennen und noch konsequenter umschalten – sowohl von der Offensive ins Gegenpressing als auch umgekehrt. "Wir müssen die schnellen Momente im Kopf noch schneller in die Füße bringen", sagt er.
Die Analyse der Vorsaison hat gezeigt: In entscheidenden Spielen fehlte oft der letzte Fokus, in souveränen Partien wie dem 8:0 gegen Heidenau ließ die Körperspannung nach. "Das sind die Kleinigkeiten, die am Ende über Aufstieg oder Enttäuschung entscheiden. Die Saison wird im Kopf gewonnen. Das Leistungsgefälle in dieser Liga ist groß und auch wenn ein 8, 9 oder 10:0 deutlich klingt, kann es zu wenig sein, will die Konkurrenz an der Spitze eben 15-mal trifft. Das mussten wir vergangene Saison schmerhaft am eigenen Leib spüren."
Starker Auftakt gefordert
Zum Start wartet Ende August gleich ein Derby im Erzgebirge – ein Spiel, das Wolf als „emotional und richtungsweisend“ bezeichnet. "Besser kann man nicht in eine Saison starten. Wir wollen vom ersten Spiel an voll da sein und uns sofort oben festbeißen."
Neben dem Derby-Gegner gilt Regionalliga-Absteiger Bischofswerda als härtester Konkurrent. Doch der Coach will sich nicht zu sehr auf andere Teams fixieren: "Am Ende zeigt die Tabelle, wer der direkte Gegner ist. Wir müssen auf uns schauen."
Wolf setzt auf Ballkontrolle, hohes Tempo und sauberes Kombinationsspiel: "Ich will Fußball sehen, der begeistert – mit Technik, Laufbereitschaft, Zweikampf und Spielfreude." Dazu kommen klare Werte: Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft, Teamgeist. "Das Ziel ist, dass jede Spielerin weiß: Wir sind als Einheit stark. Und wir müssen jede Woche alles investieren."
Die enge Zusammenarbeit mit der U23
Mit einem etwas schmaleren, aber qualitativ starken Kader will der CFC erneut um den Platz an der Sonne spielen. Abgänge wie Emily Preußler oder Charlotte Baden schmerzen, doch mit Talenten wie Lea Wunderlich aus der U23 wird gezielt aufgefüllt. Außerdem kommt mit Silja Bäßler eine talentierte Spielerin von der U23 von Bundesligist RB Leipzig.
Die enge Zusammenarbeit mit der U23, die beim CFC als echtes Sprungbrett in den Frauenbereich dient, ist ein elementarer Teil der Nachwuchsförderung. Cheftrainer Swen Wolf und das Trainerteam der zweiten Mannschaft stehen im ständigen Austausch, trainieren teilweise parallel und haben die Entwicklung der Spielerinnen jederzeit im Blick
Werte und der Blick über den Tellerrand
Die Frauenmannschaft ist längst ein fester Bestandteil des Vereins und steht nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich für zentrale Werte: Zusammenhalt, Einsatzfreude und Identifikation mit dem CFC – Werte, die auch Wolf gemeinsam mit seiner Co-Trainerin Madeleine Günl vermitteln will. Immer wieder übernehmen Spielerinnen Aufgaben rund um den Verein, unterstützen Nachwuchsteams, nehmen an Vereinsveranstaltungen teil oder engagieren sich im Umfeld.
Diese Vorbildrolle gewinnt zusätzlich an Bedeutung, wenn man bedenkt, unter welchen Voraussetzungen viele Spielerinnen Woche für Woche Höchstleistungen abrufen: Was im Männerbereich längst Alltag ist, muss bei den Frauen mit viel Eigeninitiative und Hingabe organisiert werden. Die Balance zwischen Beruf, Ausbildung oder Studium und dem Anspruch, ambitionierten Leistungsfußball zu betreiben, ist herausfordernd.
Dennoch wird dreimal pro Woche am Abend trainiert, dazu kommen Auswärtsfahrten, Trainingslager und ein ständiger Wille zur Weiterentwicklung. Dass der CFC-Kader trotz dieser Belastungen eng zusammensteht, spricht für die starke Mentalität innerhalb der Mannschaft – und für den besonderen Charakter dieses Teams.
Die Frauen des Chemnitzer FC wissen, wie knapp sie in den vergangenen Jahren dran waren den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. 2025/26 soll es endlich klappen – nicht nur mit den Beinen, sondern vor allem mit dem Kopf und ganz viel Leidenschaft.
Und als nächstes Blicken wir auf unsere U23-Frauen. Das Team, das in der ersten Saison des Bestehens ohne Verlustpunkt durch die Landesklasse marschierte – und am Ende trotzdem nicht Aufstieg. Bis zum nächsten Mal bei Campus-Inside.



