CFC erkämpft sich 2:1-Sieg – Seo und Seidel machen den Unterschied gegen den BFC
Am 25. Spieltag der laufenden Saison empfing der Chemnitzer FC vor 4.747 Zuschauern den Berliner Fußball Club Dynamo zum Traditionsduell. Das Duell der DDR-Meister drehte sich im März 2025 um den Kampf um Platz acht in der Regionalliga Nordost.
Die Himmelblauen präsentierten sich bärenstark und zeigten an diesem frühlingshaften Tag von der ersten Minute, dass sie wild entschlossen waren, diese drei Punkte in Chemnitz behalten zu wollen. Das gelang mit einer der besten Saisonleistungen in der ersten Halbzeit und einem hochverdienten 2:1-Heimsieg im Stadion – An der Gellertstraße.
Cheftrainer Benjamin Duda musste seine Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Auswärtspartie bei Chemie Leipzig (2:2) gleich auf drei Positionen verändern. Für Dardan Karimani (verletzt), Leon Damer und Tobias Müller (beide 5. Gelbe Karte) rotierten Fynn Seidel, Artur Mergel und Anton Rücker in die erste Elf.
Die U19-Spieler Aaron Mensah und Nico Künzel durften sich über ihre erste Kadernominierung im Profi-Kader freuen. Und es gab noch eine weitere gute Nachricht: Niclas Walther war nach 91 Tagen Pause aufgrund eines Syndesmosebandrisses ebenfalls erstmals wieder Teil der Mannschaft.
Der CFC startet mit Schwung
Die Hausherren erwischten den klar besseren Start in die Partie und gaben auf der Fischerwiese vom Start weg den Ton an. Die Duda-Elf wirkte im Vergleich zum Auftritt eine Woche zuvor in Leipzig wie ausgewechselt. Die Körpersprache, das Zweikampfverhalten, das Spieltempo sowie die Sprinthäufigkeit waren wieder in allen Mannschaftsteilen auf dem Level, wie man den CFC unter Chefcoach Duda mittlerweile gewohnt ist.
Seo tankte sich erstmals in der 4. Spielminute über links stark in den Strafraum der Gäste und zog aus spitzem Winkel flach ab. Bätge im BFC-Tor war zur Stelle, konnte den scharfen Schuss jedoch nur unkontrolliert nach vorne abklatschen lassen. Dort stand kein Chemnitzer in der Nähe.
Daniel Adamczyk entschärfte in der 12. Spielminute die erste Angriffsbemühung durch BFC-Stürmer Dadashov. Der CFC-Torwart schlug den Ball nach seiner Parade bis an den gegnerischen Strafraum. Verteidiger Amadou verschätzte sich beim Abschirmen des Balls und Seo spritzte gedankenschnell dazwischen und spitzelte den Ball akrobatisch vorbei an Keeper Bätge zur verdienten 1:0-Führung der Chemnitzer ins Berliner Gehäuse. Seo befreite sich mit seinem fünften Saisontreffer und einem ganz starken Auftritt selbst aus seinem kleinen Leistungsloch.
Mit der Führung im Rücken spielten die Himmelblauen seriös weiter und blieben tonangebend. Die Berliner deuteten nur selten die Qualität an, die sich unter ihrer weinroten Spielkleidung verbarg – ein Manko, das sich durch die gesamte Saison des DDR-Rekordmeisters zieht.
In der 26. Minute versuchte es Artur Mergel mit einem satten Distanzschuss, der begleitet von einem Raunen des Publikums knapp über die Latte strich. Dann setzte der agile Südkoreaner auf Seiten des CFC den nächsten Akzent in der Partie: Der Konter lief mit vollem Tempo über Seo, der Bozic übersah und schlussendlich beim Abschluss aus 16 Metern von zwei Dynamos geblockt wurde. Auch Seidel war mitgelaufen. Da wäre mehr drin gewesen.
Doch der CFC arbeitete weiter engagiert am zweiten Treffer des Spiels. Erneut war es Seo, der einen langen Ball an der Mittellinie annahm und ihn dann blind und mit ganz viel Gefühl in den Lauf von Seidel spielte. Der 21-Jährige blieb vor Bätge cool und brachte die Kunststoffkugel im langen Eck unter (36.). Es war eine echte Augenweide, Seo und Seidel zuzuschauen, wie sie mit viel Spielfreude an diesem Nachmittag Fußball zelebrierten.
Der Chemnitzer FC präsentierte sich in Durchgang eins wie eine Spitzenmannschaft der Regionalliga Nordost – spielerisch, taktisch und kämpferisch auf höchstem Niveau. Kein einziger Akteur im himmelblauen Dress fiel hier ab, sondern steuerte seinen Teil dazu bei, dass der BFC teilweise völlig ratlos wirkte. Die ersten 45 Minuten dieser Partie gehören zu den besten der gesamten bisherigen Saison – und endeten folgerichtig mit einer 2:0-Führung, mit der der CFC auf den virtuellen siebten Rang der Tabelle sprang.
Der BFC drückt auf den Anschluss
Der CFC schien noch in der Kabine zu sein, als dem BFC mit der ersten Aktion im zweiten Durchgang fast der Anschlusstreffer gelungen wäre: Lankford brachte den Ball von links ins Zentrum und am langen Pfosten verpasste ein Berliner nur haarscharf den Ball (46.).
Dann hatte Baumgart den dritten Treffer für den CFC auf dem Fuß. Einen Freistoß aus dem Halbfeld legte Kapitän Zickert per Kopf zurück in den Strafraum. Dort nahm Baumgart den Ball direkt – mit viel Risiko – doch sein Schuss ging deutlich über das Tor (53.).
Die Himmelblauen konnten das hohe Niveau der ersten Halbzeit in den zweiten 45 Minuten nicht halten – waren aber dennoch jederzeit auf Augenhöhe mit den Berlinern. Der BFC wurde im weiteren Spielverlauf deutlich aktiver und schnürte den CFC phasenweise sogar in der eigenen Hälfte ein. Die Konter über Seo und Seidel strahlten allerdings konstant weiter Gefahr aus.
Dann lag der Ball im Chemnitzer Tor zum vermeintlichen Anschlusstreffer der Berliner: Dadashov schob den Ball in der 70. Spielminute aus fünf Metern ein und der Schiedsrichter zeigte bereits in Richtung Mittellinie. Doch dann schaltete sich der Linienrichter ein und erkannte zurecht ein Handspiel des Berliner Stürmers an der Strafraumgrenze – das Tor zählte nicht.
Schlussphase: Debüt, Anschlusstreffer und Zittern bis zum Abpfiff
Die Berliner drückten jetzt noch energischer auf den Anschlusstreffer. Einen Freistoß brachten die Gäste in der 75. Spielminute gut vor den CFC-Kasten, Dadashov legte ins Zentrum zurück, dort waren viele Berliner und Chemnitzer Beine in einer unübersichtlichen Szene unterwegs. Schlussendlich musste Adamczyk einmal mehr seine ganze Klasse auspacken und den Ball mit einem überragenden Reflex klären.
In der 82. Minute hatte der BFC dann die bis dahin größte Chance auf den Anschlusstreffer. Nach einer Ecke stand Grötzinger völlig frei am langen Pfosten, doch Adamczyk reagierte erneut glänzend und hielt den Zwei-Tore-Vorsprung fest.
Drei Minuten vor Schluss bot sich dem CFC nach einem Konter die Möglichkeit zur Entscheidung, doch der eingewechselte Eshele wurde im letzten Moment von der Berliner Abwehr gestoppt, nachdem Bozic ihn bediente.
Kurz darauf gab es ein besonderes Highlight: In der 88. Minute feierte U19-Spieler Aaron Mensah sein Profi-Debüt, als er für den starken Jong-min Seo ins Spiel kam. Zudem brachte Trainer Duda mit Schiebold noch eine zusätzliche Absicherung für die Defensive für den zweiten Matchwinner Fynn Seidel.
Doch der BFC gab sich nicht geschlagen und kam in der Nachspielzeit doch noch zum Anschluss. Eine Hereingabe in den Strafraum fand Julian Wießmeier, der sich gegen Schiebold durchsetzte und den Ball in der 91. Minute zum 2:1 über die Linie drückte.
Die letzten Minuten wurden noch einmal hitzig und umkämpft, doch der CFC warf sich mit vollem Einsatz in jeden Zweikampf und brachte den Sieg mit großem Kampfgeist über die Zeit
Starke erste Halbzeit, Kampf in Hälfte zwei – dritte Partie in Folge ungeschlagen
Mit einer herausragenden ersten Halbzeit legte der CFC den Grundstein für den verdienten Heimsieg. Die zweite Hälfte war geprägt von defensiver Arbeit und großem Einsatz, um den späten Anschlusstreffer des BFC zu überstehen. Damit bleibt der CFC zum dritten Mal in Folge ungeschlagen und hat eine neue Serie gestartet.
Dank der drei Punkte rücken die Himmelblauen in der Tabelle auf Platz acht vor und ziehen am BFC Dynamo vorbei.
Der gelungene Auftakt in die Englische Woche gibt dem Team Rückenwind für die kommenden Herausforderungen. Nun stehen zwei Auswärtsspiele hintereinander an: Erst geht es in Babelsberg, dann folgt die Partie bei Hertha 03 Zehlendorf. Dort will der CFC die Serie von zehn ungeschlagenen Auswärtsspielen in Folge ausbauen und sich weiter in der oberen Tabellenhälfte festsetzen.
Chemnitzer FC – BFC Dynamo 2:1 (2:0)
CFC: Adamczyk 1 – Lihsek 8, Zickert 21 (C), Müller 23 (68. Eppendorfer 25), Reutter 16 – Rücker 17, Baumgart 29 – Seo 14 (87. Mensah 24), Mergel 10 (75. Eshele 20), Seidel 7 (87. Schiebold 19) – Bozic 33
BFC: Bätge 34 – Grözinger 27, Liebelt 2, Haider 15 (46. Baca 19), Amadou 4, Reher 13 (C) (72. Stöckinger 25), - Breitfeld 14 (78. Wießmeier 10), Hüther 8 (46. El Abed 24), Knezevic 23 – Lankford 7 (60. Wüstenhagen 22), Dadashov 9
Tore: 1:0 Seo (12.), 2:0 Seidel (36.), 2:1 Wießmeier (90. +1)
Zuschauer: 4.747



