CFC-Frauen bezwingen Aue in wildem Derby – Und der Titel geht trotz 4:3-Sieg nach Leipzig
Es war angerichtet: Der letzte Spieltag der Landesliga Sachsen versprach Dramatik pur. Die Frauen des Chemnitzer FC standen punktgleich mit Eintracht Leipzig-Süd an der Tabellenspitze – getrennt lediglich durch das Torverhältnis. Die Rechnung war einfach: Ein eigener Sieg gegen den Rivalen FC Erzgebirge Aue und gleichzeitiges Schützen der Tordifferenz, dann wäre die Meisterschaft perfekt. Es sollte ein emotionales und kämpferisches Finale werden, bei dem trotz einer enormen Kraftanstrengung am Ende nicht die Meisterschaft stand.
Spannung vor dem Anpfiff – ein Derby mit doppeltem Gewicht
Schon vor Anpfiff lag elektrisierende Energie in der Luft. Trotz wechselhaften Aprilwetters – Sonne, Wind, Regen im Minutentakt – hatten sich zahlreiche Fans eingefunden. Rund 200 begeisterte beider Fanlager wohnten dem Spiel bei. Rund um das Spiel herrschte beste Stimmung.
Blitzstart – Rückschläge – pure Leidenschaft
Schon mit dem Anstoß war klar: Der CFC wollte alles investieren. Früh störten die Himmelblauen die Auerinnen im Aufbau, die erste Großchance ließ nicht lange auf sich warten – Kurz verpasste mit der Fußspitze einen zu tiefen Ball in den Strafraum (2.). Doch dann der frühe Dämpfer: In der 6. Minute zog Nelly Estel für Aue aus rund 20 Metern ab und schweißte den Ball traumhaft in den Winkel. Ein Sonntagsschuss – Chemnitz lag zurück.
Die Antwort ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Nur zwei Minuten später schloss Kapitänin Oehmichen eine Hereingabe flach ab, eine Erzgebirgerin lenkte den Ball ins eigene Tor zum 1:1 ab (8.) – die perfekte Antwort in einem hitzigen Derby.
Doch der Ausgleich hatte nicht den erhofften Effekt. Die Energie der Anfangsminuten war verflogen – und Aue blieb eiskalt. Zwei blitzsaubere Angriffe führten durch Weidauer (32.) und Kramp (40.) zur erneuten und dann sogar deutlichen Halbzeitführung für die Gäste. Das Spiel der Chemnitzerinnen wirkte in dieser Phase fahrig und nervös, das Derby drohte zu kippen. Zudem musste Torhüterin Frohs nach einem Zusammenprall beim 1:3 verletzt zur Pause raus. Lilli Seeliger übernahm zwischen den Pfosten.
Aufholjagd mit Herz – und Hochspannung bis zum Schluss
Was dann folgte, war eine bemerkenswerte Reaktion der CFC-Frauen. Erst verwandelte Yella Mihalyi souverän einen Strafstoß (59.), den Lina Hertel zuvor rausholte, dann nutzte Davina Graf einen Abwehrfehler eiskalt und schob zum 3:3 ein (63.). Am Neubauernweg kehrte die Hoffnung zurück.
Trotz wachsendem Druck und wenig Zeit blieb der CFC am Drücker. Chancen auf beiden Seiten, viel Tempo, viele Emotionen – bis in die Nachspielzeit bleiben beide Teams voll im Spiel. Eine Gelb-Rote Karte gegen die Ex-Chemnitzerin Veronika Remenova in der Nachspielzeit gab den letzten Anstoß für die Himmelblauen.
Der Platzverweis hatte einen gefährlichen Freistoß zur Folge, den Anabelle Richter aus zwanzig Metern in die Mauer setzte. Der zweite Ball landete bei Graf, die direkt von der Strafraumkante abzog. Der Ball wurde doppelt abgefälscht und ging ins Tor. 4:3 in der 92. Minute – das Spiel war gedreht! Die Spielerinnen stürzten sich jubelnd aufeinander, die Fans feierten frenetisch.
Wenige Sekunden noch einmal eine Schrecksekunde: Graf musste nach einem Pressschlag verletzt vom Platz und behandelt werden. Gute Besserung, Davina!
Tränen und Stolz: Der Titel geht nach Leipzig – aber der CFC bleibt Sieger des Herzens
Mit dem Schlusspfiff ging der Blick nach Leipzig – und die bittere Nachricht: Eintracht Leipzig-Süd hatte Heidenau mit 13:0 besiegt und sich damit die Meisterschaft geholt. Es bleibt eine Leistung, auf die die Mannschaft stolz sein kann, denn die Chemnitzerinnen haben in einem wahren Derbykrimi alles gegeben, eine starke Moral bewiesen und die Saison mit einem Knall beendet.
Saisonabschluss mit Haltung und Herz
Das 4:3 gegen Erzgebirge Aue war ein Sinnbild dieser Spielzeit: kämpferisch, emotional, mutig. Die Mannschaft von Trainer Swen Wolf verpasst den Titel knapp – aber sie hat sich als Einheit präsentiert, für ihren Traum gekämpft und auf dem Platz alles gelassen. Mit dieser Einstellung, der Unterstützung der Fans und der Erfahrung aus diesem denkwürdigen Derby ist die Grundlage für die neue Saison gelegt. Die CFC-Frauen verabschieden sich in die Sommerpause – mit erhobenem Kopf und einem letzten Heimsieg, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Chemnitzer FC - FC Erzgebirge Aue 4:3 (1:3)
Aufstellung: Frohs 1 (46. Seeliger 22), Kurz 2, Baden 4, Preußler 6, Hertel 9, Oehmichen 11 (C), Leuschner 13, Kiesewalter 14 (34. Mihalyi 8), Graf 17 (90. Janberg 16), Bär 18, Jaschke 19 (70. Richter 7)
Tore: 0:1 Estel (5.), 1:1 Hänel ET (6.), 1:2 Weidauer (32.), 1:3 Kramp (40.), 2:3 Mihalyi (59.), 3:3 Graf (63.), 4:3 Graf (90.)
Zuschauer: rund 200



