CFC trotzt erneut einem Spitzenreiter: 2:2 nach 0:2-Rückstand in Erfurt
Der 9. Spieltag brachte für den Chemnitzer FC ein echtes Déjà-vu mit sich: Nur drei Tage nach dem Heimduell gegen Tabellenführer Halle wartete mit Rot-Weiß Erfurt bereits der nächste Spitzenreiter der Regionalliga Nordost. Die Thüringer hatten in acht Spielen schon 20 Treffer erzielt. Der CFC war also gewarnt, wollte aber zugleich seine Serie von drei ungeschlagenen Partien fortsetzen. Vor 8.031 Zuschauern im Steigerwaldstadion entwickelte sich eine Partie, in der die Chemnitzer Moral bewiesen und trotz zwei frühen Rückschlägen jeweils zu Beginn der Halbzeiten nun mit sieben Punkten ungeschlagen aus der Englischen Woche gehen.
Duda bringt Eppendorfer und Marx
Cheftrainer Benjamin Duda musste gleich zwei Stammkräfte ersetzen. Julius Bochmann (5. Gelbe Karte) und Dejan Bozic (Gelb-Rot) fehlten gesperrt, zudem musste Leon Damer nach seiner Roten Karte in Babelsberg auch in Erfurt aussetzen. Da er für zwei Spiele gesperrt wurde, wie der NOFV erst am Freitagnachmittag bestätigte. In die Startelf rückten Roman Eppendorfer und Jonas Marx, der in einem 4-5-1-System die einzige Spitze bildete. Kapitän Niclas Erlbeck führte das Team aufs Feld, da Tobias Müller zunächst auf der Bank Platz nahm.
Früher Rückschlag
Die erste gefährliche Aktion gehörte den Gästen: Maurizio Grimaldi setzte sich in der 4. Minute über rechts durch und flankte scharf nach innen, doch Marx konnte die Hereingabe nicht aufs Tor bringen. Fast im Gegenzug folgte der Dämpfer: Robbie Felßberg spielte von rechts ins Zentrum, Johannes Pistol rutschte beim Klärungsversuch weg – und Benjika Caciel schob aus zehn Metern überlegt zum 1:0 für Erfurt ein (5.).
Erfurt bleibt gefährlich
Die Thüringer blieben am Drücker. Erlbeck sah früh Gelb, als er Ugondu kurz vor dem Strafraum per Grätsche stoppte (9.). In der 14. Minute zappelte der Ball erneut im Chemnitzer Netz, doch Schiedsrichter Kai Kaltwaßer erkannte den Treffer wegen eines Fouls an Daniel Adamczyk ab – Glück für den CFC.
Auffällig: Erfurt nutzte auf dem langgewachsenen Rasen immer wieder lange Bälle, um das Mittelfeld zu überbrücken und die Offensivreihe sofort ins Spiel zu bringen. Der CFC agierte kontrolliert, wollte nicht zu früh ins Risiko gehen, um nicht in Konter zu laufen.
Chancen vor der Pause
Bei Temperaturen um die 30 Grad beruhigte sich das Spiel nach der ersten Trinkpause Mitte der ersten Halbzeit etwas. Kurz vor dem Ende des ersten Durchgangs meldeten sich die Himmelblauen jedoch mit zwei brandgefährlichen Aktionen zurück.
Beide Szenen trugen die Handschrift des auffälligsten CFC-Akteurs: Maurizio Grimaldi. Zunächst setzte er sich mit Tempo über die linke Seite durch und flankte präzise auf Marx, der den Ball wuchtig an die Latte köpfte (45.). Wenig später ließ Grimaldi per Körpertäuschungen gleich zwei Gegenspieler stehen und legte auf Eppendorfer ab, dessen Abschluss per Hacke RWE-Keeper Otto mit einem starken Reflex gerade noch von der Linie kratzte (45.+2).
Mit diesen Offensivaktionen im Rücken ging der CFC trotz Rückstand mit Mut in die Kabine – der Glaube, in Erfurt etwas mitzunehmen, war zu diesem Zeitpunkt wieder greifbar.
Kalte Dusche nach Wiederanpfiff für Himmelblau
Erfurt erwischte auch im zweiten Durchgang den besseren Start. Nach einer starken Einzelleistung von Ugondu schlug der Ball aus 14 Metern wie eine Rakete im kurzen Dreiangel ein – unhaltbar für Adamczyk (52.). Der Tabellenführer baute seine Führung auf 2:0 aus.
Grimaldi treibt den CFC an
Immer dann, wenn der CFC gefährlich wurde, hatte Maurizio Grimaldi seine Füße im Spiel. In der 56. Minute rettete ein Erfurter Abwehrbein nach seiner Hereingabe auf der Linie. Nur eine Minute später setzte Grimaldi mit einem Tempodribbling nach und legte für Marx ab, dessen Abschluss zur Ecke abgefälscht wurde – starke Szenen für die Gäste. Allerdings fehlte dem nachfolgenden Standard, wie bei vielen weiteren ruhenden Bällen an diesem Tag, die nötige Präzision. Grimaldi verließ dann völlig ausgepumpt den Platz und wurde durch Tobias Müller ersetzt.
Chancen, aber kein Treffer
Die Mannschaft von Benjamin Duda zeigte insgesamt einen ordentlichen Auswärtsauftritt. Was fehlte, war ein eigener Treffer, der angesichts der Vielzahl an aussichtsreichen Möglichkeiten durchaus verdient gewesen wäre. Erfurt hingegen spielte seine Qualitäten aus, verteidigte seriös und versuchte das Spiel zu kontrollieren.
Der CFC kam nach einem Fehler von Keeper Otto zum nächsten Abschluss: Ekui zog von der Strafraumgrenze ab, sein Schuss wurde jedoch leicht abgefälscht und ging über den Querbalken.
Baumgart bringt Hoffnung zurück
Ausgerechnet der nachfolgende Eckball brachte den CFC zurück ins Spiel. Alberico schlug den Ball von der linken Seite nach innen, Tom Baumgart lauerte am langen Pfosten und schweißte den Ball humorlos ins lange Eck ein (80.). Der sehenswerte Anschlusstreffer brachte die Himmelblauen zurück in die Partie – noch waren zehn Minuten plus Nachspielzeit zu gehen.
Plötzlich war auch das spielerische Momentum auf Chemnitzer Seite. Stockinger chippte den Ball ins Zentrum über Tobias Müller hinweg, in dessen Windschatten der eingewechselte Alberico auftauchte und mit einem Kontakt zum etwas überraschenden aber keineswegs unverdienten Ausgleich traf (88.). Die knapp 700 mitgereisten CFC-Fans jubelten mit der gesamten Mannschaft vor dem Gästeblock.
In den letzten Minuten wurden die Erfurter auch wieder wach und es entwickelte sich ein offenes Spiel. Abseits einiger Flanken brachten beide Teams allerdings nichts gefährliches mehr auf das Parkett.
Die goldene Englische Woche
Die Himmelblauen bewiesen einmal mehr Moral, Nervenstärke und den unbedingten Glauben an sich selbst. Auch nach zwei Rückschlägen gegen den Spitzenreiter ließen sie den Kopf nicht hängen, sondern arbeiteten sich mit Ruhe und Entschlossenheit zurück ins Spiel. Mit dem späten Ausgleich krönte die Mannschaft ihre Aufholjagd und belohnte sich für eine kämpferisch starke Leistung.
Damit beendet der Chemnitzer FC die Englische Woche mit sieben Punkten aus drei Spielen – eine Ausbeute, die vor allem deshalb bemerkenswert ist, weil gleich zwei dieser Partien gegen den jeweiligen Tabellenführer stattfanden. Dass es den Himmelblauen gelang, in Erfurt nach einem 0:2-Rückstand noch Zählbares mitzunehmen, unterstreicht den Fortschritt der Mannschaft unter Benjamin Duda und stärkt das Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.
Am kommenden Samstag geht es zur selben Zeit wieder nach Thüringen für den CFC. Ab 16 Uhr gastieren die Himmelblauen live im MDR auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena. Erfurt ist bereits am Abend zuvor bei Hertha BSC II gefordert (19 Uhr).
FC Rot-Weiß Erfurt – Chemnitzer FC 2:2 (1:0)
RWE: Otto 1 – Schulze 37, Ikene 4, Schwarz 3 (C) (62. Adesida 38), Moritz 2 – Wolf 10, Santana Soares 16, Fehler 11 (80. Boboy 27) – Caciel 8, Ugondu 13, Felßberg 18 (62. Assibey-Mensah 7)
CFC: Adamczyk 1 – Ekui 27, Eppendorfer 25, F. Müller 26, Pistol 18 – Mergel 10 (55. Alberico 11), Erlbeck 6 (C) (55. Walther 4), Baumgart 29 – Grimaldi 23 (64. T. Müller 38), Marx 19, Stockinger 7
Tore: 1:0 Caciel (5.), 2:0 Ugondu (52.), 2:1 Baumgart (80.), 2:2 Alberio (88.)
Zuschauer: 8.031



