Chemnitzer FC fordert Reform der Verbandsstrafen
Der Chemnitzer FC beteiligt sich an einer gemeinsamen Erklärung von 15 Traditionsvereinen und 16 aktiven Fanszenen, die eine grundlegende Reform der Verbandsstrafen im Umgang mit Pyrotechnik fordert.
Positive Entwicklung im Dialog mit dem NOFV
Die Verantwortlichen des Chemnitzer FC erkennen ausdrücklich die positive Entwicklung an, dass der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) erstmals direkt auf Kritik aus dem Positionsschreiben zu Anstoßzeiten vom November 2024 reagiert hat. Mit seiner neuen Ansetzungspolitik geht der Verband gezielt auf die Bedürfnisse der Vereine und Fans ein.
Geschäftsführer Uwe Hildebrand erklärt: "Wir begrüßen es ausdrücklich, dass der NOFV die Anliegen der Vereine und Fans ernst nimmt und mit der neuen Ansetzungspolitik erste positive Schritte unternimmt. Genau in diese Richtung muss es weitergehen: eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, bei der Vereine, Fans und Verbände gemeinsam den Fußball gestalten. Wenn alle miteinander statt übereinander reden, profitieren am Ende alle Beteiligten. Wir erwarten, dass sich die Verbände nach der neuerlichen Aufforderung nun endlich auch dem Thema Pyrotechnik in Verbindung mit Choreografien und einer verhältnismäßigen Sanktionspolitik annehmen. In der Saison 2023/24 haben wir eine fünfstellige Summe allein an Strafen gezahlt – obwohl unsere Fans Pyrotechnik ausschließlich im Rahmen von Choreografien eingesetzt haben. Summen in diesen Größenordnungen können für einen Regionalligisten existenzgefährdend sein."
Differenzierte Diskussion über Pyrotechnik notwendig
Diese konstruktive Haltung sollte auch in der Debatte um Pyrotechnik Einzug halten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird das Thema im deutschen Profifußball kontrovers diskutiert. Doch der bisherige Ansatz, Pyrotechnik durch pauschale Verbandsstrafen zu sanktionieren, hat weder zur Lösung des Problems beigetragen noch eine Deeskalation bewirkt. Vielmehr hat er die Spannungen zwischen Fanszenen und Sportgerichtsbarkeit verschärft und führt insbesondere bei Regionalligisten zu existenzbedrohenden finanziellen Belastungen.
Tommy Haeder, Leiter der CFC-Geschäftsstelle, betont: "Es geht nicht um eine pauschale Legalisierung von Pyrotechnik – allen Beteiligten ist bewusst, dass dieses Thema sensibel ist. Doch gemeinsam mit vielen anderen Vereinen und Fanszenen setzen wir uns mit voller Überzeugung dafür ein, die festgefahrene Situation zu lösen und die endlose Eskalationsspirale zu durchbrechen. Der Dialog muss dort fortgesetzt werden, wo er vor Jahren einseitig beendet wurde. Bereits Mitte der 2000er Jahre gab es mit dem 'Chemnitzer Weg' erste Ansätze für einen differenzierten Umgang mit Pyrotechnik. Diesen Gedanken gilt es wieder aufzugreifen, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Es braucht endlich eine sachliche Betrachtung durch die Verbandsgerichtsbarkeit: In welchem Rahmen wird Pyrotechnik genutzt? Ist sie ein stimmungsvolles Element einer Choreografie oder liegt ein gefährlicher Missbrauch durch Würfe in den Innenraum oder Zuschauerbereiche vor? Diese Differenzierung ist entscheidend, um Fankultur und Sicherheitsaspekte gleichermaßen zu berücksichtigen."
Kernforderungen der gemeinsamen Erklärung
1. Abschaffung der Verbandsstrafen für nicht missbräuchlich eingesetzte Pyrotechnik und deren sofortige Aussetzung.
2. Wirtschaftliche Fairness: Strafen treffen insbesondere Dritt- und Viertligisten hart und verschlechtern deren Wettbewerbsfähigkeit erheblich.
3. Gerechte Vereinsstrukturen: Lizenzbestimmungen der Verbände drängen Vereine in einen Interessenkonflikt und fördern interne Spaltungen.
4. Differenzierte Betrachtung von Pyrotechnik: Sicherheitsrisiken und der positive Einfluss auf die Stadionatmosphäre müssen sachlich bewertet werden.
5. Anerkennung der Faktenlage: Trotz steigender Strafen ist der Einsatz von Pyrotechnik nicht zurückgegangen, was eine Neubewertung erforderlich macht.
Appell für einen konstruktiven Dialog
Der Chemnitzer FC steht für eine verantwortungsvolle, nachhaltige Diskussion, in der Vereine und Fans aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Die Sportgerichtsbarkeit der Verbände muss grundlegend reformiert werden, um endlich der Basis des Fußballs gerecht zu werden. Der CFC appelliert an die Verbände, sich konstruktiv an der Lösung dieses langjährigen Konflikts zu beteiligen und einen Dialog auf Augenhöhe mit Vereinen und Fans zu suchen, um zeitgemäße Regelungen zu schaffen.



