Chemnitzer Greenkeeper warnen: "Es gibt Schädlinge, die den Platz innerhalb von drei Tagen vernichten"
Knapp zwei Wochen vor dem Trainingsstart des Chemnitzer FC laufen die Saisonvorbereitungen im Stadion – An der Gellertstraße bereits auf Hochtouren. Im Vordergrund steht dabei die Pflege des Chemnitzer Grüns – Greenkeeper Heiko Helbig und Jan Reuther geben einen Einblick in ihre Arbeit und sprechen eine Warnung aus.
Zu Beginn des Sommers bearbeiteten Helbig und Reuther den Chemnitzer Rasen mit einem Aerifizierer, der mehrere Millionen Löcher in den Boden sticht, um überschüssigen Humus aus den unteren Schichten zu entfernen. Anschließend wurde der Platz mittels eines Schleppnetzes gesandet und mit frischem Saatgut beziehungsweise Dünger ausgestattet – während der Saison kann das Wasser nun deutlich besser abfließen.
Dieser Ablauf wiederholt sich in jeder Sommerpause, doch auf ewig funktioniert das nicht. "Irgendwann ist die Leistung des Bodens mal erschöpft", berichtet Rasenmeister Helbig: "Das ist wie, wenn man jedes Jahr an derselben Stelle Salat anbaut. Irgendwann gibt der Boden keine Nährstoffe mehr ab." Dafür wird bei den Top-Klubs der Rasen circa aller drei Jahre komplett neu verlegt – der Rasen im Chemnitzer Stadion ist mittlerweile 13 Jahre alt. Helbig: "Als Zuschauer sieht man nur das Grün. Ausschlaggebend ist aber das unten drunter."
Durch die fehlende Abwechslung in der Befruchtung wird der Boden ausgelaugt und wird so anfälliger für Schädlinge, die zu den größten Gefahren für einen Fußballrasen zählen. 2019 wurde der Rasen in der Leipziger Red-Bull-Arena nach langer Hitzeperiode von einem Pilz befallen. Daraufhin musste das Grün innerhalb weniger Tage komplett ausgetauscht werden, um den Saisonstart nicht zu gefährden. Zwei Jahre später hatte beispielsweise der 1. FC Magdeburg mit einer Mischinfektion des Rasens zu kämpfen, woraufhin der Platz nicht die Qualität hatte, "um im Liga-Dauerbetrieb bedenkenlos durch den Winter zu kommen", hieß es damals von der zuständigen städtischen Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg - der Rasen wurde für 119.000 Euro komplett ausgetauscht.
Ausgelöst wird ein Schädlingsbefall des Rasens oftmals auch durch unbefugtes Betreten außerhalb der Spielzeiten. "Wenn nicht aktive Personen nach dem Spiel den Platz betreten und vor dem Stadionbesuch irgendwo reingetreten sind, kann der Boden befallen werden", berichtet Reuther: "Keiner kann einschätzen, wo er vor dem Stadionbesuch war. Du gehst am Morgen aus der Tür, läufst über einen Weg, der vorher gespritzt wurde oder trägst im Winter Salz an deinem Schuh. Zum Bekämpfen jener Schäden benötigst du spezielles Spritzmittel - das ist extrem teuer." Daher plädieren Helbig und Reuther dafür, so wenig wie möglich Personen auf das Chemnitzer Grün zu lassen, damit der Spielbetrieb noch längere Zeit gesichert ist. Helbig: "Es gibt Schädlinge, die den Platz innerhalb von drei Tagen vernichten. Das muss jedem Mal bewusst werden."



