Christian Tiffert im Interview: "Ich lebe gerne hier"
Wir haben uns mit Cheftrainer Christian Tiffert im Sportforum zum Interview getroffen und die ersten vier Wochen der Sommervorbereitung Revue passieren lassen. Dabei verriet er uns, wie er die Arbeitsmoral seiner Mannschaft einschätzt und worauf er den Fokus in der Trainingsarbeit bis zum Saisonstart gegen Halle legt.
Im Gespräch ging es auch um die Herausforderungen der vergangenen Saison, die Vorfreude auf die kommende, den Zusammenhalt im Verein und Dankbarkeit im Profi-Fußball. Zudem erklärte der 42-Jährige, wie schwer der Ausfall von Dejan Bozic wiegt und warum eine Prognose zur Rückkehr seines Toptorjägers derzeit schwierig ist.
Christian, wie beurteilst du die Arbeitsmoral deiner Jungs nach vier Wochen Sommervorbereitung?
Christian Tiffert: Es war sehr heiß und wir sind bei der Trainingsarbeit auch im athletischen Bereich sehr intensiv unterwegs gewesen. Daher bin ich froh, dass alle verletzungsfrei durchgekommen sind. Wie die Jungs bisher mitgezogen haben, war sehr, sehr gut.
Wie kompliziert macht es die Vorbereitung auf die kommende Saison, dass du mit Dejan Bozic auf einen Leistungsträger verzichten musst?
Tiffert: Wir haben fest mit ihm geplant. Sein Ausfall wiegt schwer, weil wir auf einen sehr wichtigen Spieler verzichten müssen. Anders als in der Bundesliga haben wir nicht drei, vier Mittelstürmer im Kader, die Tore garantieren. Dejan hat letzte Saison gezeigt, dass er unser Unterschiedsspieler in der Regionalliga sein kann, wenn er gesund und fit ist.
Gibt es eine kurzfristige Perspektive, wann er ins Mannschaftstraining zurückkehren kann?
Tiffert: Leider nicht. Wir müssen damit rechnen, dass er noch länger ausfällt. Probleme im Adduktorenbereich brauchen Zeit und Ruhe, um vollständig zu heilen. Andernfalls ist das Risiko groß, dass die Schmerzen zurückkehren. Wir müssen als Mannschaft versuchen, seinen Ausfall aufzufangen. Unser Trainerteam hat bereits in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir kreativ sein können, um Ausfälle zu kompensieren.
Fußball-Profis sind ja gern mal abergläubisch. Hast du als Cheftrainer Rituale, die für dich in keiner Sommervorbereitung fehlen dürfen?
Tiffert: Nein, es war mir schon als Spieler völlig egal, welche Socke ich morgens zuerst angezogen habe. Ich konzentriere mich lieber auf meine Performance. Bei meiner Arbeit als Trainer lege ich zudem großen Wert auf Abwechslung und stelle meiner Mannschaft immer wieder neue Aufgaben, um lähmende Trainingsroutine zu vermeiden.
Du gehst in dein sechstes Jahr beim CFC und wirst die Mannschaft in deiner dritten Saison als Cheftrainer betreuen. Wie sehr hilft die Kontinuität, um dich auch als Trainer weiterzuentwickeln?
Tiffert: Ich glaube, dass ich von dieser Kontinuität profitiere, weil es die Chance bietet, etwas als Cheftrainer entwickeln zu können. In den letzten Jahren habe ich verschiedene Phasen in Chemnitz erlebt. Vor der letzten Saison mussten wir den Etat erheblich kürzen und sind mit einer sehr jungen Mannschaft in der Liga an den Start gegangen. Die schwierige Lage hat dem Verein geholfen, Demut zu lernen und trotzdem gemeinsam das Beste aus der Situation zu machen.
Wie hast du die schwierigen Phasen der letzten Saison erlebt?
Tiffert: Es war in bestimmten Momenten für niemanden einfach. Es war nicht nur eine sportliche Aufgabe, sondern auch eine kommunikative, weil wir erst einmal vom Klassenerhalt in der Regionalliga gesprochen haben. Und das in einer Stadt, wo 250.000 Menschen leben, man vor diesem tollen Stadion steht und gleichzeitig die große Fußballtradition des Clubs im Kopf hat. Das war nicht einfach zu vermitteln, aber notwendig, um den Verein mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung wirtschaftlich zu sanieren. Das hat den CFC wieder enger zusammenrücken lassen.
Was hast du aus der vergangenen Saison mitgenommen?
Tiffert: Wir haben die Saison als Lernprozess betrachtet und sie gemeinsam mit unseren Fans gemeistert. Jetzt streben wir als Verein nach unserem nächsten Entwicklungsschritt, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Besonders erfreulich war für mich, wie respektvoll, freundlich und mit welch aufmunternden Worten mir die Menschen in Chemnitz immer wieder auf der Straße begegnet sind, wenn ich durch die Stadt ging. Die Art der Menschen hier ist unheimlich sympathisch und herzlich. Ich lebe gerne hier.
Du bist seit 24 Jahren im Geschäft. Passen Profi-Fußball und Dankbarkeit zusammen?
Tiffert: Ich spüre den Rückhalt innerhalb des Vereins. Mir muss aber keiner auf ewig dankbar sein. Ich weiß, dass ich in der Gegenwart gute Arbeit als Trainer abliefern muss, damit der Rückhalt auch in Zukunft stabil bleibt. Das ist nun mal so im Profi-Fußball. Den größten Druck mache ich mir dabei selbst.
Welche Erkenntnisse konntest du aus den bisherigen sechs Testspielen der aktuellen Sommervorbereitung ziehen?
Tiffert: Wir haben einen kleineren, aber qualitativ stärkeren Kader im Vergleich zur Vorsaison aufgebaut. Die Neuzugänge bringen eine erhöhte Torgefährlichkeit mit, insbesondere aus dem Mittelfeld. Bei der Kaderplanung lag der Fokus von Chris Löwe als Sportdirektor und mir auf Spielintelligenz und Positionsvielfalt, um in entscheidenden Momenten Spieler zu haben, die eigenverantwortlich agieren können und über die erforderliche Persönlichkeit und Erfahrung verfügen.
Entsteht Teamgeist in einer Mannschaft von allein, oder versuchst du dies bewusst herbeizuführen?
Tiffert: Ein Cheftrainer trägt zwar eine große Verantwortung, jedoch nicht für alles. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass charakterstarke Führungsspieler entscheidend für einen guten Teamgeist sind. Spieler wie unser Mannschaftskapitän Tobias Müller sorgen für ein sehr gesundes Mannschaftsklima. Da mache ich mir bei uns überhaupt keine Sorgen.
Die Vorbereitung biegt in die finale Phase ein. Worauf richtet sich jetzt der Schwerpunkt deiner Trainingsarbeit?
Tiffert: Die Einheiten werden kürzer und weniger intensiv gestaltet, um die Spieler mit einer gewissen körperlichen Frische in die Saison zu schicken. Wir konzentrieren uns jetzt stattdessen auf den spieltaktischen Feinschliff.
Welche Rolle spielt dabei die Generalprobe am 20. Juli gegen Dynamo Dresden?
Tiffert: Der letzte Härtetest bietet die Chance, dass wir uns noch mal gegen einen starken Drittligisten bewähren können. Das Dynamo-Spiel kann uns noch mal wichtige Erkenntnisse liefern. Unser Ziel ist es, optimal vorbereitet in das erste Ligaspiel gegen Halle zu gehen, wo es dann endlich wieder um Punkte geht.
Ist es für dich etwas Besonderes, dass mit dem Halleschen FC gleich zum Ligastart der Verein zu Gast ist, wo deine Zeit als Fußballer begann und endete?
Tiffert: Ehrlich gesagt löst das keine großen Sentimentalitäten bei mir aus, nur weil Halle meine Geburtsstadt ist und ich dort gespielt habe. Nach all den Jahren hier in der Stadt ist meine Verbindung zu Chemnitz inzwischen stärker.
Das Eröffnungsspiel unter Flutlicht vor toller Kulisse und Live-Übertragung beim MDR. Ist der Knaller-Start gegen einen Aufstiegsaspiranten zusätzliche Motivation?
Tiffert: Der HFC, als Drittliga-Absteiger mit einem starken Kader, zählt sich ja selbst zum Favoritenkreis. Aber niemand weiß am ersten Spieltag ganz genau, wo er steht. Das Traditionsduell in unserem schönen Stadion vor großer Zuschauerkulisse und TV-Übertragung ist einem Eröffnungsspiel in dieser Liga absolut würdig. Wir freuen uns auf unsere Fans und diesen Donnerstagabend in Chemnitz – endlich geht‘s dann wieder los.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Christian.
Interview: Henry Buschmann



