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25.10.2021 - 10.06 Uhr | 1. Mannschaft

ClubMagazin-Interview: „Meine Eltern schmeißen mich auch noch nicht raus.“

Zwischen zwei Spielen innerhalb einer englischen Woche bleibt nicht viel Zeit. Deshalb haben wir uns mit Simon Noah Roscher in der heimischen Küche zum Mittag getroffen. Bei einer Portion Spaghetti spricht der 19-Jährige über die Vor- und Nachteile seiner Körpergröße, das Leben im Elternhaus und sein Lieblings-Thema Mode.

Hallo Simon, toll, dass du uns in eure Küche gelassen hast. Was gibt es heute?
Meistens, wie auch heute gibt es, wenn ich koche, immer Nudeln und Soße. Ich liebe es zu essen. Für mich gehen Nudeln einfach immer. 

Dein Lieblingsessen ist aber Lasagne.
Ja, Mamas Lasagne ist die Beste.

Wie ist es, noch zu Hause zu wohnen?
Es ist extrem entspannt und hat sehr viele Vorteile. Ich lebe mein eigenes Leben, bloß, dass ich im Kinderzimmer keine Miete zahlen muss. (lacht) Meine Familie ist in allen Belangen stolz auf mich und unterstützt mich, wo es nur geht. Meine Geschwister sind auch stolz. Ich bin der große Bruder, der Fußball spielt und den man ab und zu im Fernsehen sieht. Das ist schon cool und macht mich ebenfalls stolz. 

Und die Eltern stehen immer mit Tipps zur Seite. 
Nicht nur beim Kochen. (lacht) Sie sind meine Vorbilder. Sie helfen mir extrem und geben mir viel mit auf den Weg fürs Leben.

Zum Beispiel?
Was eben wichtig ist. Wie man mit Geld umgeht, was auf einen zukommt, wenn man aus der Schule rauskommt. Sei es mit Versicherungen oder Krankenkasse - es ist gut, wenn man immer schnell jemanden zur Hand hat, der helfen kann und Ahnung davon hat.

Wenn man nach einem schlechten Spiel nach Hause kommt, möchte man vielleicht lieber mal alleine sein. Wie geht ihr damit um?
Im ersten Moment möchte ich schon alleine sein und abschalten. Zwei, drei Stunden später können wir dann wieder gemeinsam darüber reden. Man kriegt sofort aufmunternde Worte, das ist schön.

Du hast drei jüngere Geschwister. Sind die ebenso sportlich?
Einer meiner Brüder hat erst Fußball gespielt – auch beim CFC, dann aber mit Leichtathletik angefangen. Er hat damit nun aber aufgehört und lebt als Jugendlicher lieber sein soziales Leben aus. Meine anderen Geschwister sind im Kindergarten bzw. in der 2. Klasse. Sie sind auch aktiv, rennen aber eher wild im Garten umher. Da kann sich noch etwas entwickeln.

Du hast dich, anders als dein Bruder, bewusst für den Sport entschieden. Wieso?
Mein Bruder und ich sind in dieser Hinsicht komplett andere Persönlichkeiten. Er ist eher der gesellige Typ. Ich war das nie und hab schon immer mein Ding zu Hause gemacht. Ich konnte mich immer voll auf Fußball konzentrieren und vermisse keine Party. 

Kannst du verstehen, dass sich dein Bruder anders entschieden hat?
Völlig! So, wie er sein Leben lebt, ist es für ihn sehr gut. Er hat viel Freiraum. Die wenige Freizeit war für ihn eine Belastung.

Nur wenige Meter neben eurem Familienhaus ist das Vereinsgelände von Handwerk Rabenstein. Du musstest also beim Fußball landen. Wie bist du dazu gekommen?
Ich bin schon relativ früh eine Sportskanone gewesen und habe mich viel bewegt. Schnell kam dann das Interesse zum Fußball. Mit sechs Jahren habe ich zur Schuleinführung meine ersten Fußballschuhe geschenkt bekommen und bin dann zur Handwerk gegangen. Nach drei Jahren bin ich glücklicherweise zum CFC gewechselt. Von da an ging die Reise los.

Warst du schon immer der Größte?
Tatsächlich habe ich schon immer aus der Menge herausgestochen.

Du bist 1,95 Meter groß. Das ist wahrscheinlich immer ein Thema – vor allem für andere. Wie ist es, wenn man immer wieder auf seine Körpergröße angesprochen wird?
Mittlerweile überhöre ich das ein bisschen. Die Fragen, „Wie groß bist du?“ oder „Wann hörst du auf zu wachsen?“ kommen häufig. Ich kann sagen, ich habe aufgehört zu wachsen. (lacht) Manchmal würde ich mir wünschen ich wäre drei, vier Zentimeter kleiner.

Warum?
Dann wäre ich vielleicht ein bisschen agiler in manchen Situationen. Wenn man kleiner ist, ist man am Ball ein bisschen wendiger oder hat einen niedrigeren Schwerpunkt im Zweikampf. 

Es gibt aber auch Vorteile.
Klar, die habe ich vor allem im Kopfballspiel. (lacht) Als Stürmer ist es gut, größer zu sein. Man kann sich allein dadurch einen gewissen Respekt verschaffen.

Im Sachsenpokal lief es mit einem Dreierpack zuletzt blendend bei dir. In der Liga stockt es noch ein bisschen.
Irgendwie ist noch ein bisschen der Wurm drin. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, woran es liegt. Im Pokal und im Training habe ich gezeigt, dass ich das Tor treffen kann. Die Chancen sind da und ich rücke dem Treffer immer näher. Ich bleibe weiter motiviert und irgendwann wird der Treffer fallen.

Kleidung ist ein wichtiges Thema bei dir. Blicken wir zunächst auf die Spielkleidung. Welches ist dein wertvollstes Trikot im Schrank?
Ich habe mir ein Trikot vom DFB-Pokal-Spiel gegen Hoffenheim gesichert. Es war ein unglaubliches Erlebnis für mich, in meiner jungen Karriere DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten spielen zu dürfen. Ich hätte gern das Trikot von Stürmer Andrej Kramaric gehabt. Leider hatte er sein Trikot schon vergeben. Also habe ich Florian Grillitsch gefragt und sein Trikot ergattern können.

Wie sieht es sonst mit Kleidung und Mode bei dir aus?
Ich lege allgemein Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Ich liebe es zu shoppen, mir Klamotten zu kaufen und im Laden zu stöbern. Ich bin kein bunter Vogel, aber ich mag es, wenn man ein bisschen ausgefallenere Sachen anzieht, die nicht jeder hat. 

Wie oft kaufst du neue Kleidung?
In letzter Zeit nicht mehr so viel, weil ich für ein Auto gespart habe. Noch vor zwei Jahren ging, ehrlicherweise, ein Großteil meines Budgets dafür drauf. Ich habe den Konsum zurückgefahren.

Wann ist es an der Zeit? Wann willst du ausziehen und das heimische Nest verlassen?
(lacht) Das ist schon das Ziel, aber ich weiß noch nicht wann. Ich fühle mich zu Hause wohl. Meine Eltern schmeißen mich auch noch nicht raus. Vielleicht ja im Sommer, wenn ich 20 bin.

Simon, vielen Dank für das interessante Gespräch und guten Appetit.

Das Interview ist erstmals im Stadionheft "ClubMagazin" zum Heimspiel gegen den VfB Germania Halberstadt am 23. Oktober 2021 erschienen.