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22.12.2021 - 12.05 Uhr | App-News

ClubMagazin-Interview: „Schiedsrichter sind ein eigenes Völkchen.“

Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen sind Woche für Woche im Einsatz, damit Millionen Fußballspiele in ganz Deutschland Jahr für Jahr stattfinden können. So auch die Schiedsrichter des CFC. Im ClubMagazin-Interview sprechen Daniela Illing (Schiedsrichter-Obfrau des CFC) und Marek Lasch (CFC-Schiedsrichter) über ihr Engagement als Unparteiische beim Chemnitzer FC.

Daniela, du warst selbst langjährige aktive Schiedsrichtern. Seit dieser Saison bist du Schiri-Obfrau beim CFC. Welche Aufgaben hast du da genau?

Illing: Ausschlaggebender Punkt für die Amtsübernahme war ein vorausgegangenes Gespräch mit Romy Polster, Marc Arnold und Marcus Jahn, in dem die Wichtigkeit einer eigenen Schiedsrichter-Gruppe im Verein herausgestellt wurde. Meine Aufgaben im Verein erstrecken sich zunächst darüber, die Schiris, die für den Verein aktiv pfeifen, durch Förderung und Treffen an den Verein zu binden. Ein erstes Treffen fand bereits statt. Gemeinsam mit Philipp Meiner, der in der Landesklasse als aktiver Schiedsrichter sowie im Kreisverband Chemnitz ehrenamtlich tätig ist, sehen wir momentan unsere Hauptaufgabe darin, neue Schiedsrichter für den CFC zu gewinnen.

Du hast es als Schiedsrichterin selbst bis nach oben geschafft, hast zu den Top-Schiedsrichterinnen in ganz Deutschland gehört und durftest 2008 sogar das DFB-Pokal-Finale der Frauen leiten. Wie blickst du heute auf deine eigene Schiri-Karriere zurück?

Illing: Wenn ich damals geahnt hätte, was da alles daran hängt, wäre ich wahrscheinlich nie Schiedsrichterin geworden. (lacht) Heute bin ich für diese Erfahrungen absolut dankbar. Ich fand Fußball schon immer faszinierend und habe als Mädchen selbst gespielt. Mit 17 Jahren habe ich an der Ausbildung zur Schiedsrichterin teilgenommen. 2002 hatte ich die Gelegenheit am DFB-Länderpokal in Duisburg teilzunehmen. Danach schaffte ich direkt die Einstufung in die Frauenbundesliga. Ab da ging es eigentlich nur bergauf. Im Herrenbereich schaffte ich den Sprung von der Oberliga in die Regionalliga. Rückblickend waren die mehr als 20 Jahre als aktive Schiedsrichterin prägend. Man lernt viele Menschen kennen, zu denen ich heute auch noch einen freundschaftlichen Kontakt pflege. Aber vor allem entwickelt man sich in seiner Persönlichkeit. Jedes Spiel wird beobachtet, anschließend werden kritische Szenen nachbereitet, und so lernt man, sich selbst zu reflektieren, kritikfähig zu sein. Das DFB-Pokalfinale in Berlin pfeifen zu dürfen, war das absolute Highlight. Ich kann also ein durchweg positives Fazit ziehen und bin dankbar für diese aufregende Zeit.

„Für ein faires und geordnetes Spiel sorgen.“

Marek, du bist noch nicht so lange dabei. Wie lange bist du schon Schiedsrichter und warum hast du dich dafür entschieden?

Lasch: Ich habe Anfang des Jahres meine Schiedsrichterausbildung bestanden und bin seit Februar 2021 offiziell Schiedsrichter. Ich bin Schiri geworden, weil ich für ein faires und geordnetes Spiel sorgen möchte. Zugegebenermaßen war ich selbst nicht der beste Fußballer. Ich wollte aber trotzdem weiter etwas mit Fußball machen. Auch, weil ich auch gemerkt habe, wie viele Spiele immer wieder wegen Schiedsrichtermangel ausfallen müssen.

Du sprichst es an: Schiedsrichter werden überall gebraucht. Was macht es für dich besonders, Schiri beim CFC zu sein? Warum bist du CFC-Schiri geworden?

Lasch: Das Besondere daran ist die Betreuung. Als Schiri des CFC triffst du dich oft mit den anderen Schiris und kannst dich gut über bestimmte Spielszenen und Erfahrungen austauschen. Als Schiri des CFC nimmst du auch an vielen anderen Events, wie Mitgliedertreffen, Weiterbildungen mit erfahrenen, aktiven Schiris teil. Es gibt viele unterschiedliche Aktionen für uns. Das macht es besonders. 

Daniela, wie unterstützt der CFC die jungen Schiedsrichter-Talente noch?

Illing: Ich bin aktuell dabei, mir einen Überblick über den Leistungsstand unserer CFC-Schiedsrichter zu verschaffen, in dem ich mich mit ihnen treffe und beispielsweise Marek als unser besonderes Nachwuchstalent in seinen Spielen beobachte und diese intensiv mit ihm auswerte. Er durfte vor ein paar Wochen bereits sein erstes C-Junioren-Spiel pfeifen, was bisher für sein Alter noch nicht vorgesehen war. Weiterhin unterstütze ich die Jungs bei ihren Hausregeltrainings, in denen die Nachwuchsschiris knifflige Regelfragen beantworten müssen. Im letzten Treffen haben wir uns mit den neuen Regeln der Saison 2021/2022 beschäftigt und sind da insbesondere auf das Thema „Handspiel“ eingegangen. Mit Matthias Pietzsch und Andreas Zimmer habe ich zusätzlich zwei Beobachter im Verein an meiner Seite, die mich tatkräftig unterstützen. Darüber hinaus werden die Schiedsrichter und Beobachter zu Beginn der Saison mit Kleidung ausgestattet.

„Vielleicht sehen wir mal eine CFC-Schiedsrichterin im Fernsehen.“

Wo siehst du noch Potenzial?

Illing: Da muss ich ganz klar sagen, dass ich hoffe, dass sich durch mich auch ganz viele Mädels und junge Frauen, die dem Fußballsport verbunden sind, angesprochen fühlen und den Kontakt zu mir aufnehmen. Gerade als Schiedsrichterin hat man enorme und zügige Aufstiegschancen. Wer weiß, vielleicht sehen wir dann ja mal eine CFC-Schiedsrichterin auch im Fernsehen.

Was zeichnet ein gutes, junges Schiedsrichtertalent aus? Was muss ich mitbringen, wenn ich selbst erfolgreicher Schiri werden möchte?

Illing: Wichtig dabei ist Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen. Alles andere lernt man von Spiel zu Spiel dazu. Eine gewisse Regelkompetenz und sportliche Fitness sind Grundvoraussetzungen. Für mich gehört Offenheit ebenfalls dazu. Man hat ständig jede Menge unterschiedliche Charaktere auf und um den Platz, auf die man sich einstellen muss. 

Du hast Spiele mit bundesweiter TV-Übertragung geleitet. Ist da der Druck während einer Partie nochmal ein anderer?

Illing: Dadurch, dass ich, in der Frauenbundesliga oder in der Herrenregionalliga, zu jedem Spiel beobachtet wurde, haben mich TV-Übertragungen nicht gestört. Ich habe meine Spiele deswegen nicht anders geleitet. Man will als Schiedsrichter sowieso immer die richtigen Entscheidungen treffen und ärgert sich natürlich, wenn man in seiner Wahrnehmung dann auch mal etwas falsch entschieden hat. Ich habe die TV-Aufnahmen eher als förderlich und nicht als druckvoll angesehen, da man dann im Nachgang des Spiels ganz konkret Szenen kritisch nachbereiten konnte. 

Was macht es aus deiner Sicht aus, Schiedsrichter*in zu sein?

Illing: Schiedsrichter sind ein eigenes Völkchen. Zum einen ist es eine hohe Verantwortung, der man sich bewusst sein muss. Deswegen hilft mir immer wieder der Perspektivwechsel. Mich in Spieler hineinzuversetzen, fiel mir nicht schwer, da ich ja selbst jahrelang Fußball und Handball gespielt habe. Die Trainerperspektive kenne ich jetzt erst, seitdem ich beim CFC im Nachwuchsbereich als Co-Trainerin Daniel Richter in der U12 unterstütze. Trainer sind immer irgendwie am Limit und meist das schwächste Glied in der Kette, wenn es um Niederlagen geht. Und gerade deswegen ist es wichtig, einen guten Draht auch zu den Trainern zu entwickeln. Zum anderen kommt man extrem viel rum und hat viel Spaß. Gerade die letzten beiden Jahre meiner Karriere habe ich mit meinem Team oftmals Kultur rund um die Spielleitungen mit eingeplant. Dadurch, dass man ja meist einen Tag zuvor zu den Spielen angereist ist, sind wir mal in die Oper oder zu Bundesligaspielen, auf den Nürnberger Christkindl-Markt oder zur Sightseeingtour durch Hamburg.

„Mein Vorbild ist Patrick Ittrich“

Marek, kannst du ganz entspannt mal eine Partie im TV schauen oder beobachtest du ganz gezielt und automatisch, was die Schiedsrichter-Kollegen so machen?

Lasch: Bei vielen Partien achte ich schon sehr auf den Schiri, weil ich mir dadurch etwas abschauen kann, was ich in meinen Spielen dann auch anwende. Wenn mein Lieblingsclub spielt, kann ich aber nicht nur auf den Schiri achten.

Wer ist dein Vorbild? An welchem Schiedsrichter orientierst du dich eventuell?

Lasch: Mein Vorbild ist Patrick Ittrich, weil ich seine Kommunikation mit den Spielern gut finde. Ich finde es beeindruckend, dass er trotz vieler Verletzungen nie aufgehört hat. Er ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass man trotz Rückschlägen niemals aufgeben sollte.

Daniela, im Jahr 2016 hast du hast deine Schiedsrichter-Karriere beendet. 

Illing: Ja, mit der letzten Teilnahme als 4. Offizielle beim DFB-Pokalendspiel der Frauen in Köln. Für das Ende kamen mehrere kleine Gründe zusammen. Ein Grund war, dass ich das Ende meine Laufbahn selbst setzen wollte, ein anderer war der Zeitfaktor. Ich war über Jahre fast jedes Wochenende mehrtägig in ganz Deutschland unterwegs. Zum selben Zeitpunkt waren meine beiden Söhne so weit, dass sie selbst sportlich aktiv in Vereinen begonnen haben, Fußball zu spielen.

Und nun wird einer selbst aktiver Schiri. Hatte er eine andere Wahl? 

Illing: (lacht) Mein ältester Sohn ist Torhüter bei Handwerk Rabenstein. Als er mit dem Wunsch, Schiedsrichter zu werden, an mich herantrat, war ich zunächst skeptisch. Aber dann bot sich die Möglichkeit online am Anwärterlehrgang teilzunehmen. Jetzt hat er auch schon sein erstes C-Junioren-Spiel gepfiffen. Vielleicht habe ich ja doch ein bisschen Talent vererbt. Ich konnte ihn schon ein paar Spiele begleiten und ihm Tipps geben, die er auch bereitwillig annimmt. Er macht das schon richtig gut. Schade, dass jetzt, wo die Nachwuchstalente Spiele und viel Praxis bräuchten, wieder der Spielbetrieb unterbrochen ist.

Daniela, Marek, vielen Dank für das nette Gespräch und eure tolle Arbeit als Schiedsrichter beim CFC!  

Das Interview ist erstmals im Online-Stadionheft "ClubMagazin" zum Heimspiel gegen den SV Babelsberg am 11. Dezember 2021 erschienen.