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29.08.2021 - 10.59 Uhr | 1. Mannschaft

ClubMagazin-Interview: „Von der Tribüne in Richtung Mannschaft gewandert“

Wenn man vom Team hinter dem Team spricht, dann fällt auch der Name von Henry Büttner. Der 40-Jährige ist langjähriger Anhänger und seit knapp zwei Jahren Zeugwart beim Chemnitzer FC. Im Interview spricht er über seine Verbindung zum CFC, tägliche Arbeit im Hintergrund der Mannschaft und schöne himmelblaue Erinnerungen. 

Hallo Henry, es gibt gerade wieder viel zu tun, oder? 
Das ist richtig. Englische Wochen sind auch für uns immer mit viel Arbeit verbunden. Die Ausrüstung und Spielkleidung müssen gewaschen, sortiert, eingepackt, ausgepackt und wieder eingepackt werden. Da darf man nicht den Überblick verlieren. 

Für den CFC hast du doch aber sicherlich schon mehr Aufwand betrieben. 
Ich weiß, worauf du hinaus willst. (lacht) Ja, zum Club habe ich eine sehr große Verbindung, die schon viele Jahre zurückgeht. 

Wie kam es zu dieser Bindung? 
Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe durch meine Eltern viele Sportarten kennenlernen dürfen. Später habe ich mich dann mehr auf den Fußball spezialisiert. In den 90er-Jahren, als ich circa 14 Jahre alt war, wurde es dann besonders intensiv. Ab da bin ich mit einer Gruppe von Schulfreunden zu fast jedem CFC-Spiel gefahren. 

Du strahlst, wenn du darüber redest. 
Man denkt gern an diese Zeit zurück. Die vielen Auswärtsfahrten sind bis heute besondere Erinnerungen. Wir konnten mit dem Wochenendticket für 35 Mark durch die halbe Republik reisen. Das waren für uns damals junge Menschen große Erlebnisse, Städte und Stadien wie Köln, Hamburg oder Nürnberg zu sehen. Später haben wir auch aus Oma’s alten Bettlaken Fahnen und Banner selbst gebastelt. 

Das Sportforum war quasi viele Jahre, und ist es auch jetzt wieder, deine zweite Heimat? 
So kann man es bezeichnen. Im Sportforum stand ich oftmals im Block G oder H. Heute stehen dort nur noch Bäume und Sträucher. Aber ich bin jetzt sowieso mehr im Kabinentrakt unterwegs, um alles für die Spieler vorzubereiten. 

Du sprichst es an – du bist unser Zeugwart. Wie kamst du zu dieser Tätigkeit? 
Ich bin im Grunde über die Jahre immer mehr von der Tribüne in Richtung Mannschaft gewandert. (lacht) Ich war zunächst Ordner auf der Südtribüne, später am Spielertunnel und dann im Kabinentrakt. Dort habe ich bereits begonnen, den einen oder anderen Handgriff in der Kabine zu machen und dem damaligen Zeugwart Torsten Bittermann unter die Arme zu greifen. Das lief knapp zehn Jahre so, bis Bitti mich 2019 fragte, ob ich mir auch vorstellen könnte mit ihm ein Team zu bilden. Da gab es für mich keine zwei Meinungen. 

Dann warst du direkt dabei? 
Zunächst hatte ich eine Art Praktikum und hab mir die Abläufe angeschaut. Scheinbar habe ich mich da ganz gut angestellt und so konnten wir es dann im Januar 2020 festmachen. 

Du machst das ganze aber nicht hauptberuflich? 
Nein, ich bin hauptberuflich Maschinenführer. Die Aufgaben beim CFC mache ich sozusagen zusätzlich im Feierabend. 

Du hast eine Frau und zwei Kinder. Bleibt da noch Zeit? 
Meine Tätigkeit war von Beginn an mit meiner Frau abgesprochen. Sie weiß, dass mir der CFC extrem viel bedeutet und hält mir jederzeit den Rücken frei. Mit gutem Zeitmanagement bleibt im Leben zum Glück Zeit für alle. Das war mir auch wichtig. Denn die Zeit mit den Kindern und der Familie gibt mir persönlich viel Kraft. 

Als Zeugwart kennst du die kleinen oder größeren Wünsche der Spieler genau. Ist dir in deiner Zeit bereits etwas besonders in Erinnerung geblieben?
Ich weiß noch genau, dass Sören Reddemann immer sehr genau darauf geachtet hat, dass bei den Stutzen kein Faden heraushängt oder etwas nicht akkurat abgeschnitten ist. Ansonsten haben die Spieler bei uns keine Allüren. Man versucht im Hintergrund den Jungs ein wenig Unterstützung zu geben. Robert Zickert lege ich seit ein paar Spielen immer einen Kaugummi an den Platz. Und für Jakub Jakubov habe ich persönliche Handtücher mit seinem eingestickten Namen besorgt. Ansonsten halte ich mich aus den sportlichen Dingen heraus und konzentriere mich vollends darauf, den Spielern alles vorzubereiten, damit sie sich 100 Prozent auf den Sport konzentrieren können. 

Du bist aber mehr als nur Zeugwart für die Spieler. 
Die Spieler kommen gern mal für einen Plausch oder längere Gespräche zu mir. Diese Beziehung ist auch wichtig. Neuen Spielern kann ich zum Beispiel Tipps für Ausflüge in der Region mit ihren Familien geben. Philipp Hosiner habe ich damals geholfen, ein Laufband aufzubauen, bei Okan Kurt habe ich einen Schrank befestigt und zuletzt bei Kilian Pagliuca die Waschmaschine angeschlossen. Das sind die kleineren Aufgaben, die nebenbei mit anfallen, die ich aber gerne mache. Die Jungs sollen sich schließlich in Chemnitz und beim CFC wohlfühlen. 

Wieviel Zeit nimmt die Spieltagsvorbereitung für dich in Anspruch? 
Dafür kann man ungefähr drei bis vier Stunden einplanen. Wir haben unsere festen Abläufe und jeder weiß, was er zu tun hat. Der logistische Aufwand mit der gesamten Teamausstattung ist auch in der Regionalliga zu jedem Spiel enorm. 

Haltet ihr immer an den Abläufen fest? 
Die Abläufe sind gut so wie sie sind, allerdings nicht in Stein gemeißelt. Ich schaue mir bei den Auswärtsspielen bei anderen Teams gern die Gegebenheiten und Abläufe ein wenig an. Was gut ist, kann man selbst übernehmen, um seine Ordnung oder Gewohnheit zu optimieren. 

Schaust du Fußballspiele mit anderen Augen seitdem du Zeugwart bist?
Definitiv! Man schaut genau hin, ob Spieler ihre Stutzen abgeschnitten haben, welche Shirts die Betreuer tragen oder wie die Trainingsanzüge sind. Beim Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien war mir zum Beispiel aufgefallen, dass die Trainer die gleichen grauen T-Shirts getragen haben wie unser Trainerteam in dieser Saison. 

Du bist viele Jahre mit dem Verein verbunden und hast unvergessliche Erlebnisse gesammelt. Welche Geschichte erzählst du besonders gern? 
In meiner Zeit als Ordner habe ich nach der Halbzeitpause immer die Kabinen abgeschlossen. Ich habe immer in die Kabine hineingerufen, um zu checken, ob alle Spieler raus sind und dann die Tür verriegelt. Leider war Philipp Türpitz noch auf Toilette und dann eingeschlossen. Er hatte sich aber schnell bemerkbar gemacht und es noch rechtzeitig auf den Platz geschafft. Im Nachhinein konnten wir beide herzlich darüber lachen. 

Henry, vielen Dank für das Gespräch und auf viele weitere schöne Jahre mit dir beim Chemnitzer FC!