"Dann war das Gespräch beendet"
Heiko Helbig gehört zum Team der Rasenflüsterer im Stadion – An der Gellertstraße. Der 55-Jährige arbeitet seit mehr als zehn Jahren täglich mit seinem Kollegen Jan Reuther daran, dass die Fußball-Profis des Chemnitzer FC bei den Heimspielen optimale Platzverhältnisse vorfinden. Das Platzwartteam hat sich in den zurückliegenden Jahren eingespielt und ist bei der Firma Götz angestellt, die im Auftrag des Stadionbetreibers G3 auch für die Rasenpflege verantwortlich ist.
Nachdem die Greenkeeper in den vergangenen Tagen viel Zeit auf dem Aufsitzrasenmäher verbracht haben, ging es einen Tag vor der Saisoneröffnung am Samstag gegen Dynamo Dresden (Anstoß: 14.30 Uhr) um Detailarbeit. Zunächst wurde die Strecke abgesteckt und dann mit der Markierungsmaschine entlang des Seils ein dünner Farbfilm in Weiß aufgetragen, um die Spielfeldlinien präzise auf den Rasen zu zeichnen.
"Das Linienziehen dauert etwa eineinhalb Stunden, wenn alles reibungslos verläuft. Wir nutzen dabei die bewährte analoge Markierungsmaschine. Einige Bundesligisten, wie beispielsweise in Dortmund, setzen bereits auf Laser-Technik mit automatisierten Systemen, die jedoch drei Personen erfordern. Wir hingegen kümmern uns zu zweit um die gesamte Rasenpflege und kommen damit gut zurecht", erklärt Greenkeeper Helbig.
Der Karl-Marx-Städter nimmt seinen Job ernst und grobe Fehler sind ihm in all den Jahren nicht unterlaufen: "Beschwerden über ungerade Markierungen gab es bisher noch nie", schmunzelt Helbig. "Nur einmal wurde ich von einem ehemaligen Sportfunktionär des CFC belehrt, dass unsere Linien angeblich zu schmal seien. Ich habe ihm ruhig erklärt, dass der Pfosten auf einem Fußballplatz 12 Zentimeter breit ist und die Linien daher ebenfalls 12 Zentimeter breit sein müssen. An diese DIN-Norm halten wir uns in Chemnitz – dann war das Gespräch beendet."
In der vergangenen Saison haben die Gegner in der Regionalliga die Qualität der Platzverhältnisse auf der Fischerwiese immer wieder gelobt. Es ist kein Zufall, dass im deutschen Profifußball inzwischen sogar Ablösesummen für Greenkeeper gezahlt werden, was die Bedeutung ihrer Arbeit für die Fußballvereine unterstreicht.
"Die Rasenfläche in Chemnitz ist eine besondere Herausforderung, da der Platz seit 15 Jahren nicht mehr erneuert wurde. An der Farbe und Konsistenz kann der Experte das Alter relativ schnell erkennen. Irgendwann wird ein Rasenwechsel auch bei uns unumgänglich sein. Vielleicht tut sich in dieser Hinsicht etwas im kommenden Sommer. Wir tun alles dafür, dass die Himmelblauen in der Regionalliga unter den gegebenen Voraussetzungen bestmögliche Bedingungen vorfinden", sagt Heiko Helbig.
Der Rasen in Chemnitz ist also in besten Händen und optimal für die Generalprobe und Saisoneröffnung am Samstag vorbereitet. An der Linienbreite wird der Erfolg des Chemnitzer FC auch in der kommenden Spielzeit jedenfalls nicht scheitern. Der Ball kann also wieder rollen. Mögen die Spiele auf der Fischerwiese beginnen.



