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08.04.2014 - 10.00 Uhr | 1. Mannschaft

Das Interview vor dem Pokalspiel gegen den VfB Auerbach

Über drei Spielzeiten prägte Andreas Richter die sportlichen Geschicke des Chemnitzer FC maßgeblich mit. Er zeichnete sich dabei nicht nur als Abwehrspieler par excellence, sozusagen als Turm in der Schlacht, aus, sondern auch als extrem torgefährlicher Spieler und sicherer Elfmeterschütze. Von 2009 bis 2011 erzielte er in 70 Ligaspielen 22 Tore und markierte in der 1. Runde des DFB-Pokals 2010/11 den goldenen Treffer zum 1:0-Sieg über Erstligist FC St. Pauli. Dem Kapitän unserer Himmelblauen war es auch vorbehalten, das Premierentor in der 3. Liga zu erzielen. Nachdem seiner Spielerkarriere im Herbst 2011 infolge eines Herzinfarktes ein unfreiwilliges Ende gesetzt wurde, arbeitete Andreas Richter zunächst im Trainerstab unserer Himmelblauen, ehe er zur Saison 2013/14 Cheftrainer des VfB Auerbach wurde. Mit den Vogtländern befindet er sich aktuell klar auf Kurs in Richtung Klassenerhalt. Aus 23 Partien wurden bereits 32 Punkte erzielt und damit schon jetzt vier Zähler mehr, als in der gesamten letzten Saison. Zudem erreichten die Auerbacher das erste Mal in ihrer Vereinsgeschichte das Halbfinale im Landespokal. Vor dem Pokalfight spricht Andreas Richter über seinen Start in die Trainerlaufbahn, das Duell mit dem Ex-Verein und warum er davon absieht, explizit Elfmeterschießen zu üben.

Hallo Andreas, du stellst mit dem VfB Auerbach aktuell das beste Team der Rückrunde in der Regionalliga Nord/Ost. Den Klassenerhalt habt ihr damit fast sicher?

Andreas Richter: Ich denke auch, dass wir den Klassenerhalt fast geschafft haben dürften, wenngleich theoretisch immer noch alles drin ist. Genau aus diesem Grund geht es für uns darum, weiter zu punkten und endgültige Tatsachen zu schaffen.

Wie habt ihr es nach der schwierigen Hinrunde geschafft, den Schalter umzulegen?

Andreas Richter: Wir haben uns vor allem im technischen und spielerischen Bereich verbessert und die Mannschaft hat gelernt, noch mehr an ihre Leistungsgrenzen zu gehen. Einen großen Anteil hatte sicherlich auch unser Wintertrainingslager in der Türkei, welches nicht nur eine intensivere Vorbereitung ermöglichte, sondern auch dazu führte, dass die Mannschaft nochmals mehr zusammengerückt ist. Jeder weiß, dass wir in der Lage sind Großes zu leisten, wenn wir an unsere Grenzen gehen. Die Ergebnisse der letzten Wochen untermauern dies!

In so einer Phase kommt euch das Pokalhalbfinale gegen den CFC sicherlich gelegen?

Andreas Richter: Wir haben immer gesagt, dass wir, egal wie der Gegner heißt, immer 100 Prozent geben müssen und genau das erwarte ich auch am Mittwoch. Die Mannschaft hat sich dieses Spiel von der ersten Runde an erarbeitet und kann sich nun auf eine tolle Partie freuen. Ich habe meinen Spielern gesagt, dass sie die Atmosphäre auch ein Stück weit genießen sollen. Trotzdem wollen wir natürlich die Chance nutzen, uns vielleicht sogar für den DFB-Pokal zu qualifizieren! Dafür müssen an so einem Abend zwar viele Umstände zusammenkommen, aber wenn wir alles aus uns herausholen, wer weiß was dann möglich ist?

Mit Steffen Vogel, Kevin Hampf und Felix Paul haben drei Spieler aus eurem Kader eine himmelblaue Vergangenheit. Genau wie ihr Trainer, dürften diese doch besonders heiß auf das Spiel gegen ihren Ex-Verein sein?

Andreas Richter: Gegen seinen Ex-Verein zu spielen macht immer einen besonderen Reiz aus, denn man ist gewillt, alles zu geben. Ich denke jedoch, dass dieses Spiel für jeden einzelnen etwas ganz Besonderes ist und dementsprechend jeder heiß sein wird!

Schon der Einzug ins Pokalhalbfinale war für den VfB Auerbach ein Novum. Nun habt ihr die Chance sogar eins draufzusetzen und euch erstmalig für das Finale zu qualifizieren. Spürt man da auch einen gewissen Druck oder überwiegt die Vorfreude darauf, Großes leisten zu können?

Andreas Richter: Positiver Druck sollte eigentlich immer da sein, damit man dann in die Lage versetzt wird, an seine Leistungsgrenze oder sogar darüber hinaus gehen zu können. Ich hoffe, dass sich meine Mannschaft in dieser Partie zerreißen wird, denn wir haben nichts zu verlieren!

Worauf wird es für deine Mannschaft konkret ankommen, um gegen den Favoriten bestehen zu können?

Andreas Richter: Es ist erst einmal wichtig, so lange wie möglich die Null zu halten. Dennoch sollten wir uns nicht verstecken, sondern selbst den Weg nach vorne suchen und damit auch für Entlastung sorgen.

Gegen den SV Wacker Burghausen warst du zuletzt im Stadion und konntest dir ein Bild von den Himmelblauen machen. Welche Erkenntnisse hast du gewonnen?

Andreas Richter: Der CFC hatte die Partie gut begonnen, sich danach das Leben aber selbst unnötig schwer gemacht. In den letzten Wochen haben sie es geschafft, den Schalter umzulegen und sich erfolgreich aus dem Strudel, in den sie kurzzeitig hineingeraten waren, herauszuziehen. Unstrittig hat der Kader eine hohe Qualität, man denke nur an Spieler wie Anton Fink, Maik Kegel oder Fabian Stenzel. Die 41 Punkte haben sie sich peu á peu erarbeitet und werden auch die restlichen Punkte noch einsammeln. Da bin ich mir sicher!

Wie intensiv verfolgst du noch das Geschehen rund um den Club?

Andreas Richter: Ich schreibe hin und wieder noch die ein oder andere SMS mit Spielern und informiere mich auch über die Zeitungs- und Fernsehberichte, sodass ich recht gut auf dem Laufenden bin, was den CFC anbelangt. Außerdem versuche ich so oft es die Zeit erlaubt, zu den Heimspielen zu gehen. Ich hatte eine schöne und erfolgreiche Zeit in Chemnitz, an die ich gerne zurück denke. Dem neuen Stadion fiebere ich auch ein bisschen entgegen und freue mich, dass der Club dadurch die Chance bekommt, einen weiteren Schritt in Richtung 2. Liga machen zu können. Mittelfristig werden sie dann auch sportlich nachziehen!

Im Herbst 2011 musstest du nach einem im Mannschaftstraining erlittenen Herzinfarkt deine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Wie geht es dir jetzt knapp zweieinhalb Jahre später?

Andreas Richter: Eigentlich verläuft mein Alltag ganz normal! Ich habe keinerlei Beschwerden und unterziehe mich einer jährlichen Routineuntersuchung.

Dem Fußball bist du zum Glück erhalten geblieben und hast zu Saisonbeginn beim VfB Auerbach dein erstes Amt als Cheftrainer übernommen. Wie ist dir die Umstellung vom Spieler zum Trainer gelungen?

Andreas Richter: Zu Beginn war es schon etwas ungewohnt, denn man hat plötzlich die Verantwortung für eine ganze Mannschaft, muss sich um Trainingsvor- und nachbereitung kümmern und viele Abläufe beachten, die man so als Spieler gar nicht mitbekommt. Insofern war es für mich schon eine große Umstellung und ich musste mich zunächst erst einmal in meine neue Arbeit hineinfuchsen. Hierbei kam mir aber auch der Umstand zu Gute, dass man mich in Auerbach sehr gut aufgenommen hat und ich von der ersten Minute an prima unterstützt wurde. Dass hat es mir letztendlich nicht nur im Arbeitsablauf um einiges leichter gemacht, sondern auch dazu geführt, dass mir die Tätigkeit sehr viel Spaß macht!

Inwiefern kam dir deine Erfahrung als langjähriger Kapitän und Führungsspieler für deine neue Aufgabe zu Gute und an welchem deiner ehemaligen Trainer hast du dich auch ein Stück weit orientiert?

Andreas Richter: Als Kapitän und Mitglied des Mannschaftsrates übernimmt man viel Verantwortung und ist es gewohnt, vorneweg zu gehen, insofern hat mir diese Erfahrung schon geholfen. In meiner Laufbahn hatte ich einige Trainer und von jedem nimmt man sich etwas mit auf den Weg oder erinnert sich in bestimmten Situationen daran wie es früher war, als man selbst noch Spieler gewesen ist.

Im Pokalviertelfinale beim SSV Markranstädt musste der CFC zuletzt nachsitzen und kam erst kurz vor Ende der Verlängerung zum Sieg. Lässt du deshalb im Vorfeld nochmals explizit Elfmeterschießen trainieren?

Andreas Richter: Ich habe es ehrlich gesagt nicht vor. Es kann aber gut sein, dass der ein oder andere Spieler für sich persönlich entscheidet, nochmals ein paar Elfmeter treten zu wollen, um sich die nötige Vorbereitung zu holen.

Als Elfmeterschütze warst du bei den Himmelblauen immer eine sichere Bank. Welche Tipps gibst du deinen Spielern im Vorfeld mit auf den Weg?

Andreas Richter: Eigentlich muss das jeder für sich entscheiden, wie er schießen will! Manche entscheiden sich erst kurz vorher für eine Ecke oder schauen sich den Torhüter aus. Andere verfahren nach dem Prinzip „Augen zu und durch". Ich dagegen habe immer den Grundsatz „Genauigkeit vor Schärfe" zum Maßstab genommen.

Andreas Richter, vielen herzlichen Dank für dieses Interview!