Das Interview vor dem Spiel gegen die SpVgg Unterhaching
Die SpVgg Unterhaching gehört in der aktuellen Spielserie zu einem der Überraschungsteams der Liga. Vor der Saison zu den potentiellen Abstiegskandidaten gezählt, behaupten sich die Oberbayern nach sechs Spieltagen in der Spitzengruppe. Auch im siebenten Jahr ihrer Drittligazugehörigkeit, geht es für die Spielvereinigung zuvorderst darum, den Klassenerhalt zu sichern und zugleich junge Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen. Mit einem Altersdurchschnitt von 21,7 Jahren verfügen die Randmünchener aktuell über den jüngsten Kader aller ersten Mannschaften in der 3. Liga. Über die Philosophie der SpVgg Unterhaching, die Nachwuchsausbildung in der 3. Liga und die sportlichen Zielstellungen des "Drittligadinos" geben Trainer Christian Ziege und Präsident Manfred Schwabl vor dem kommenden Aufeinandertreffen mit dem CFC Auskunft.
Ihre Mannschaft musste gegen den Halleschen FC die erste Saisonniederlage hinnehmen. Vor heimischem Publikum fiel das Ergebnis für die Gäste (0:4) deutlicher aus, als es der Spielverlauf erwarten ließ. Hat ihre junge Mannschaft am Mittwochabend ein Stück weit Lehrgeld zahlen müssen?
Christian Ziege: Für meine Begriffe haben wir kein Lehrgeld zahlen müssen, da das Spiel für uns eher unglücklich gelaufen ist. Die eigenen Torchancen wurden nicht genutzt und Halle hat dagegen zwei Treffer aus Standards erzielt. Ich habe meiner Mannschaft dann gesagt, dass wir unabhängig vom Spielstand, von unserem Spiel nicht abweichen.
Manfred Schwabl: Das Ergebnis täuscht ein wenig über den Spielverlauf, letztendlich war Halle aber cleverer vor dem Tor, deswegen kann man schon sagen, dass ein wenig Lehrgeld dabei war.
Die SpVgg Unterhaching bleibt trotz der Niederlage eines der Überraschungsteams in der noch jungen Saison. Aktuell stehen drei Siege und zwei Unentschieden zu Buche. Besser hätte der Start in die neue Spielzeit nicht vollzogen werden können!
Christian Ziege: Für uns geht es von Beginn an gegen den Abstieg, weshalb die elf Punkte aus den ersten sechs Spielen äußerst wichtig sind. Wir wollen so schnell wie möglich die restlichen Punkte zum Klassenerhalt einsammeln, der aktuelle Tabellenplatz spielt da eine untergeordnete Rolle.
Manfred Schwabl: Natürlich sind wir alle mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden, aber nach sechs Spieltagen kann man noch keine Tendenz erkennen.
In den vergangenen Spieljahren verließen eine Reihe von Spielern wie Maximilian Welzmüller oder Janik Haberer die SpVgg in Richtung 1. und 2. Bundesliga. Inwiefern sehen sie sich selbst als klassischen Ausbildungsverein?
Manfred Schwabl: Wir sehen uns als eine Kombination zwischen einem Ausbildungsverein und einem Verein, der das Ziel hat, nach und nach eine schlagkräftige Mannschaft zu entwickeln, die nicht vor jeder Saison als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt wird.
Christian Ziege: Ob wir ein klassischer Ausbildungsverein sind mag ich nicht beurteilen, aber unsere finanziellen Voraussetzungen machen es einfach notwendig, vor allem mit jungen und ambitionierten Spielern zu arbeiten. Dieses Konzept, junge Spieler auch in schwierigen Situationen ins kalte Wasser zu schmeißen finde ich auch gut, so schwer es manchmal auch sein mag.
Abgänge von Spielern solchen Formates abzufedern gelingt allerdings nicht immer und führt bisweilen zu starken sportlichen Turbulenzen, wie zuletzt in der vergangenen Saison. Wie wollen Sie solchen Entwicklungen in dieser Spielzeit vorbeugen?
Manfred Schwabl: In dem wir eine vernünftige Mischung aus ganz jungen Spielern und Typen mit etwas mehr Erfahrung, die größtenteils auch schon letzte Saison bei uns waren, gefunden haben.
Christian Ziege: Konstanz ist in dieser Hinsicht ein wichtiger Faktor. Jeder weiß wie schwer die Liga ist und das schon Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden. Dies hat Mainz II beim 1:5 gegen uns erfahren müssen und wir zuletzt gegen den Halleschen FC. Deshalb verlange ich von meinen Spielern, jedes Spiel mit vollster Konzentration anzugehen.
Mit Sascha Bigalke und Yannic Thiel haben sich zwei ehemalige Spieler der SpVgg dazu entschieden, zurück an den Stadtrand von München zu wechseln. Ist dies für Sie eine Bestätigung, dass der "Hachinger Weg" auch für gestandene Spieler gute Aussichten parat hält?
Manfred Schwabl: Natürlich freut es uns, wenn ehemalige Spieler gerne zurückkommen, das zeigt dann schon, dass man immer fair miteinander umgegangen ist.
Christian Ziege: Sascha Bigalke hat sich über zwei Wochen bei uns im Training fit gehalten und anschließend dazu entschieden, bei uns zu spielen. Ich glaube, dies ist ein sehr gutes Feedback für uns und zeigt zugleich, dass für einen Fußballer Geld nicht das einzige Argument darstellt, sich für einen Verein zu entscheiden.
Herr Ziege, Sie zeichneten vor ihrem Engagement bei der SpVgg Unterhaching als Trainer der U18 und U19-Nationalteams des DFB verantwortlich. Co-Trainer Christian Wörns arbeitete zuletzt in den Nachwuchsabteilungen von Bochum und Schalke. Inwiefern erhoffen Sie sich durch die vorhandenen Kontakte eine Steigerung der Attraktivität des Vereins für Nachwuchstalente?
Christian Ziege: Aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen orientieren wir uns bei der Sichtung von Perspektivspielern vor allem regional. Der Raum München hält, was dies anbetrifft, ein sehr gutes Potential an talentierten Spielern vor.
Nachwuchsförderung ist ein integraler Bestandteil des Profifußballs und genießt insbesondere in der 3. Liga eine hohe Priorität. Inwiefern eignet sich gerade diese Liga als Plattform für Nachwuchsaus- und Weiterbildung?
Christian Ziege: Die 3. Liga eignet sich hervorragend, da viele Vereine finanziell nicht auf Rosen gebettet sind und jeder schauen muss, eigene Spieler auszubilden und weiterzuentwickeln. Zwar passiert dies noch nicht bei allen Vereinen, wir sind von diesem Weg allerdings überzeugt. In der letzten Saison hatten wir im Abstiegskampf beispielsweise vier Spieler von den A-Junioren ins kalte Wasser geworfen.
Manfred Schwabl: Ich kann nur für uns sprechen, wir legen größten Wert darauf, dass junge Talente, am besten schon lange durch uns ausgebildet, die Chance haben, in dieser 3. Liga zu spielen und sich dadurch weiterentwickeln können.
Eines der Hauptargumente, mit dem junge talentierte Spieler von der 3. Liga überzeugt werden sollen, ist die vorhandene Durchlässigkeit von den Nachwuchsabteilungen hin zu den ersten Mannschaften. Wie beurteilen Sie die Chancen für Nachwuchstalente, in der 3. Liga Fuß zu fassen?
Manfred Schwabl: Der Sinn der 3. Liga besteht ja auch darin, junge talentierte Spieler zu fördern, um dadurch auch den Unterbau für die 2. und 1. Liga zu stärken.
Der Chemnitzer FC hat vor der Saison das Erreichen der 45-Punkte-Marke und den damit verbundenen Klassenerhalt als Primärziel ausgerufen. Die gleiche Zielstellung dürfte auch bei Ihnen oberste Priorität genießen?
Manfred Schwabl: In der Tat gehen wir mit dem gleichen Ziel an diese Saison heran.
Die SpVgg hat bisher keines ihrer Auswärtsspiele in Chemnitz gewinnen können. Was erwarten Sie sich diesmal von der Partie bei den Himmelblauen?
Christian Ziege: Ich erwarte ein schweres Spiel, in dem Chemnitz meiner Mannschaft alles abverlangen wird. Auch wenn uns eine schwere Aufgabe bevorsteht, sind wir keinesfalls hier hergekommen, um die Punkte einfach herzugeben!
Manfred Schwabl: Chemnitz war bisher wahrlich noch kein gutes Pflaster für uns, deswegen können wir diesmal nur überraschen.
Herr Ziege, Herr Schwabl, recht herzlichen Dank für dieses Interview!



