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24.04.2014 - 09.30 Uhr | 1. Mannschaft

Das Interview vor dem Spiel gegen Holstein Kiel

Was haben Karsten Neitzel und Holger Hiemann gemein? Beide wurden sie mit der Juniorenauswahl der DDR 1986 Europameister - Hiemann als Torhüter, Neitzel als Kapitän der Auswahlmannschaft. Doch beide spielten nicht nur miteinander, sondern duellierten sich auch auf dem Platz, so unter anderem auch in der letzten Saison der DDR-Oberliga 1990/91, als unser heutiger Torwarttrainer Holger Hiemann das Tor der Himmelblauen hütete und Karsten Neitzel, Trainer unseres kommenden Gegners Holstein Kiel, für den Hallschen FC auflief. Für den gebürtigen Dresdner Neitzel führte der Weg danach über die Stuttgarter Kickers ins Badische, wo er sich dem SC Freiburg anschloss und 1997 seine Laufbahn als Fußballprofi beendete.

Im Breisgau übte er danach von 1997-2007 die Funktion des Co-Trainers unter Volker Finke aus und zeichnete zugleich für die U23 verantwortlich. Anschließend ging er zusammen mit Volker Finke zu den Urawa Red Diamonds, dem asiatischen Champions League-Sieger von 2007, und begleitete dort über zwei Spielzeiten ebenfalls das Amt des Co-Trainers. Zurück in Deutschland übernahm er ab November 2012 den Cheftrainerposten beim VfL Bochum, für den er zuvor unter Andreas Bergmann als Co-Trainer tätig war. Seit Beginn der Saison 2013/14 ist Karsten Neitzel Cheftrainer beim Drittliga-Aufsteiger Holstein Kiel.

Hallo Herr Neitzel, für Sie und ihre Mannschaft steht eine lange Auswärtsreise auf dem Programm. Für Sie ist es gleichzeitig die Rückkehr in die sächsische Heimat und von daher sicherlich eine besondere Auswärtsfahrt?

Karsten Neitzel: Für mich ist es eigentlich ein ganz normales Auswärtsspiel wie jedes andere auch. Wir werden uns wie üblich auf dieses Spiel vorbereiten und die Abläufe bleiben die gleichen.

Ihre Mannschaft startete furios in die Saison, blieb die ersten sechs Spiele ungeschlagen und holte dabei vier Siege. Hätten Sie selbst mit so einem Start nach Maß gerechnet?

Karsten Neitzel: Als Aufsteiger geht man mit dem Ziel in die Saison, so erfolgreich wie möglich zu spielen. Das ist uns zu Beginn auch gut gelungen. Danach folgte allerdings eine Serie von dreizehn sieglosen Spielen und dieser Phase laufen wir auch noch ein Stück weit hinterher. Bei normalem Verlauf wären wir zu diesem Zeitpunkt in Sachen Klassenerhalt sicherlich schon etwas weiter!

Sie sprachen besagte Negativserie bereits an. Phasenweise stand Holstein Kiel dann gar auf einem Abstiegsplatz. Wie ist die Mannschaft nach den Anfangserfolgen damit klargekommen?

Karsten Neitzel: Grundsätzlich hatten viele Spiele damals einen sehr knappen Ausgang und der war oft zu unseren Ungunsten. Zu diesem Zeitpunkt war es wichtig, dass Trainerteam und Mannschaft nie an der eigenen Arbeit gezweifelt haben, sondern die Dinge vernünftig aufarbeiteten. In einer schwierigen Phase, in der die Erfolge ausbleiben, ist es dennoch wichtig, auch die Sachen anzusprechen, die positiv sind.

Zum Start der Rückrunde haben Sie dann wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden und bereits einen Sieg mehr einfahren können als in der kompletten Hinserie. Der Klassenerhalt ist in greifbarer Nähe. Wie ist es Ihnen gelungen, mit ihrer Mannschaft scheinbar rechtzeitig die Trendwende einzuleiten?

Karsten Neitzel: Ich denke, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen haben wir uns in der Winterpause mit Spielern verstärken können, die die Konkurrenzsituation im Kader erhöht haben und uns offensichtlich gut taten. Ich denke da zum Beispiel an Mikkel Vendelbo, der den aufgrund eines Kreuzbandrisses ausgefallenen Marlon Krause ersetzte und seit seiner Verpflichtung jede Minute gespielt hat. Zudem sind wir mit einem Sieg gegen Saarbrücken in die Rückrunde gestartet, was wichtig war, um wieder in die Spur zu kommen. Unter dem Strich konnten wir meiner Meinung nach eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und auch aus Misserfolgen gestärkt hervorgehen!

Die Ergebnisse der letzten Wochen fielen teils sehr unterschiedlich aus. Einem 3:0 gegen den VfB II folgte ein 0:4 beim VfL Osnabrück. Mit dem gleichen Ergebnis schlugen sie in der darauf folgenden Woche die SpVgg Unterhaching, ehe die Partie beim 1. FC Heidenheim mit 0:3 verloren ging. Wo sehen Sie die Gründe für dieses auf und ab im Hinblick auf die Ergebnisse?

Karsten Neitzel: Wir sind ein Aufsteiger und als solcher kann man auch mal verlieren, wenngleich das 0:4 in Osnabrück ein krasser Ausrutscher war, der uns so nicht nochmals passieren darf! Zuhause können wir nach der Winterpause immerhin ein 13:2 Torverhältnis vorweisen und haben vier von sieben Spielen gewonnen. Auswärts hingegen erarbeiten wir uns aktuell noch zu wenige Chancen und holen dementsprechend auch noch zu wenige Punkte.

Umso bemerkenswerter wiegt doch dann die Tatsache, dass man nach einem Rückschlag wie in Osnabrück nicht aufsteckt und gegen den direkten Tabellenachbar Unterhaching in souveräner Manier punktet?

Karsten Neitzel: Unsere Moral ist über die gesamte Saison hinweg immer intakt geblieben, sodass weder Verunsicherung noch Selbstzweifel aufkamen. Die Leistung gegen Unterhaching bestätigt dies natürlich!

Sowohl der CFC als auch Holstein Kiel sind bemüht, in Sachen Klassenerhalt endlich Vollzug melden zu können. Auf was für ein Spiel stellen Sie sich daher ein?

Karsten Neitzel: Die Chemnitzer verfügen über eine Mannschaft, die sich, genau wie wir, nicht hinten reinstellt. Sie sind für ihren Offensivfußball bekannt und haben ihre Stärken eindeutig im Spiel nach vorne. Die Zuschauer dürfen sich daher auf eine temposcharfe Partie freuen in der beide Teams den Sieg anstreben werden!

Mit dem Halleschen FC haben Sie selbst noch gegen den CFC gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Duelle gegen die Himmelblauen?

Karsten Neitzel: Ein Spiel ist mir noch in ganz besonderer Erinnerung geblieben und zwar das vom letzten Spieltag der Saison 1990/91. Wir haben in Chemnitz 1:1 gespielt und uns damit in der letzten Spielzeit der DDR-Oberliga für die 2. Bundesliga und den Europapokal qualifiziert.

Sie waren mehrfacher DDR-Nachwuchsnationalspieler und wurden als Kapitän mit der DDR-Auswahl 1986 Junioreneuropameister. Mit Holger Hiemann, dem Torwarttrainer der Himmelblauen, treffen Sie am Samstag auf einen alten Weggefährten aus dieser Zeit. Wie oft stehen Sie noch in gemeinsamen Kontakt?

Karsten Neitzel: Ich muss ehrlich zugestehen, dass ich außer mit Dirk Schuster, den ich durch unsere Duelle mit Darmstadt 98 getroffen habe, zu kaum einem Mitspieler aus der damaligen Zeit noch Kontakt habe. Umso schöner ist es, wenn man sich dann nach über 20 Jahren wieder sieht und alten sächsischen Flachs blühen lassen kann!

Sie waren lange Jahre als Co-Trainer unter Volker Finke aktiv, so unter anderem beim SC Freiburg in der 1. Bundesliga. Welche Erfahrungen haben Sie während dieser Zeit sammeln können und worauf legen Sie als Trainer besonderen Wert?

Karsten Neitzel: Vor allem die knapp elfeinhalb Jahre in Freiburg waren für mich sehr prägend, da ich nicht nur Co-Trainer der 1. Mannschaft war, sondern zudem selbstständig für die U23 verantwortlich zeichnete. Durch die Spielvor- und Nachbereitung, Analysen und viele weitere Einblicke in die tägliche Trainerarbeit, war es für mich eine enorm lehrreiche Zeit. Obendrein kam mir zu Gute, dass ich gewonnene Erkenntnisse sofort bei de U23 in die Praxis umsetzen konnte. Die Doppelfunktion war zwar auch ein hartes Brot, hat mir aber enorm viel gegeben. Man lernt, den Blick nicht nur auf das rein sportliche zu lenken, sondern auch auf die äußeren Einflüsse zu achten. Außerdem ist es enorm wichtig, für verschiedenste Situationen und Herausforderungen immer eine passende Antwort parat zu haben!

Herr Neitzel, vielen herzlichen Dank für dieses Interview!