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11.04.2014 - 09.55 Uhr | 1. Mannschaft

Das Interview vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt

Seit Beginn der Saison 2013/14 begleitet Walter Kogler das Amt des Cheftrainers beim FC Rot-Weiß Erfurt. Für den Nachfolger des zum SV Sandhausen gewechselten Alois Schwartz stellt die Trainerstation in der thüringischen Landeshauptstadt die erste außerhalb seines Heimatlandes Österreichs dar. In der Alpenrepublik war er zuvor jedoch nicht nur als Trainer erfolgreich unterwegs, sondern auch als Spieler. Mit Wacker Innsbruck feierte der gebürtige Wolfsberger (Kärnten) in der Saison 2009/10 den Aufstieg in die österreichische Bundesliga, in der er seine Mannschaft danach zwei Spielzeiten erfolgreich etablieren konnte. In jener höchsten Spielklasse unseres südlichen Nachbarlandes feierte Walter Kogler auch seine größten Erfolge als Spieler. Als Spieler brachte er es in 17 Profijahren auf insgesamt 495 Erstligaeinsätze und befindet sich damit in der ewigen Rangliste auf Platz 6. Zudem errang er mit Austria Wien (1x), Austria Salzburg (1x) und dem FC Tirol Innsbruck (3x) insgesamt fünf Meisterschaften und lief 28mal für die österreichische Nationalmannschaft auf. Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere war die Teilnahme an der WM 1998 in Frankreich, bei der er allerdings nicht zum Einsatz kam. Vor dem anstehenden Duell mit unseren Himmelblauen stand uns Walter Kogler im Interview zur Verfügung und berichtet dabei über den bisherigen Saisonverlauf der Erfurter, seine Fußballphilosophie, die „Mission 2016" und den Chemnitzer FC.

Herr Kogler, herzlichen Glückwunsch zu ihrem Viertelfinalsieg im Thüringenpokal gegen Wacker Nordhausen! Der Weg über den Landespokal dürfte nun der kürzeste sein, um die Qualifikation für den DFB-Pokal perfekt zu machen oder rechnen Sie sich trotz gegenwärtig sechs Punkten Rückstand auf den SV Wehen-Wiesbaden auch in der Liga noch Chancen auf Platz vier aus?

Walter Kogler: Die Wahrscheinlichkeit sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren ist sicherlich über den Landespokal am größten, denn dort müssen wir noch zwei Spiele gewinnen, in der Liga stehen dagegen noch fünf Spiele aus. Trotzdem werden wir es auch in der Liga noch solange probieren, wie es theoretisch möglich ist!

Zumal Sie vor ihrem letzten Heimspiel gegen Regensburg zu bedenken gaben, dass ihre Mannschaft auch noch ein, zwei Punkte benötigen würde, um in Sachen Klassenverbleib ganz auf Nummer sicher gehen zu können. An dieser Sichtweise hat sich sicherlich nichts geändert?

Walter Kogler: Ich denke schon, dass für uns in der Liga diesbezüglich nicht mehr viel passieren wird. Sowohl wir, als auch Chemnitz werden letztendlich souverän die Klasse halten, da bin ich mir sicher. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir in der Liga noch so manchen Punkt einfahren wollen!

Nach der Winterpause hatte man eine längere Durstrecke zu überstehen. Erst Mitte März gelang gegen den VfB Stuttgart II das erste Heimtor im neuen Jahr und der erste Sieg nach zuvor acht sieglosen Spielen. Wie sind sie und ihre Mannschaft mit dieser schwierigen Situation umgegangen?

Walter Kogler: Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass wir über die gesamte Saison hinweg sehr viele Ausfälle zu verzeichnen hatten, die es dann zu kompensieren galt. Dadurch waren wir personell teilweise sehr ausgedünnt und mussten zwischenzeitlich sportlich kleinere Brötchen backen. Wir wussten aber stets, dass mit der Rückkehr der verletzten oder gesperrten Spieler mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen würden und sich dementsprechend auch der Erfolg wieder einstellt. Zuletzt haben wir dann auch wieder fleißig gepunktet und den vierten Platz ins Visier nehmen können.

Den bisherigen Saisonverlauf bestimmten immer wieder Rückschläge durch Ausfälle von Leistungsträgern. Ein ähnliches Verletzungspech ist ihnen in ihrer Laufbahn nach eigenem Bekunden bisher noch nicht untergekommen. Insofern müssten sie mit dem Saisonverlauf zufrieden sein?

Walter Kogler: Das der ein oder andere Spieler verletzungs- oder sperrebedingt fehlt, ist normal und damit muss man auch rechnen. Allerdings nahmen die Ausfälle bei uns doch ein außergewöhnliches Ausmaß an. Mit dem kompletten Kader hätten wir sicherlich noch ganz andere Möglichkeiten gehabt, insofern bin ich mit unserem Abschneiden und der Moral, die wir allen Widrigkeiten zum Trotz gezeigt haben, sehr zufrieden. Obschon sicherlich noch mehr für uns drin gewesen wäre.

Gegen Jahn Regensburg hat sich die Mannschaft in doppelter Unterzahl noch herangekämpft, ein Punktgewinn lag im Bereich des Möglichen. War dieses Spiel in Sinnbild für die Moral, die schon über die gesamte Saison gezeigt wurde?

Walter Kogler: Von der Moral her war die Leistung gegen Regensburg top. Meine Mannschaft hat sich mit allen Mitteln gegen die drohende Niederlage gewehrt und das Unmögliche fast noch möglich gemacht. Für mich steht diese Leistung exemplarisch dafür, dass bei uns vieles passt!

Vor der Saison gab es einen großen Kaderumbruch und Rot-Weiß Erfurt hatte den Abgang von Stammspielern wie Dominik Drexler, Smail Morabit oder Joan Oumari zu verkraften. Dennoch bewegt sich ihre Mannschaft bisher durchgängig in der oberen Tabellenhälfte. Wie ist es Ihnen gelungen so schnell eine neue schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen?

Walter Kogler: Für die Kaderzusammenstellung bin ich ja nicht allein verantwortlich gewesen. Einen großen Anteil hieran hatten vor allem Torsten Traub und Alfred Hörtnagel, die dahingehend eine hervorragende Arbeit geleistet haben. Da ich im Sommer erst relativ spät zum Verein gestoßen bin, erfolgte dann nur noch eine Feinabstimmung. Ich glaube jedoch, dass es uns gelungen ist, eine Mannschaft mit sehr guten Charakteren zusammenzustellen. Die Spieler haben den Erwartungen bisher sehr gut entsprochen und sind schnell zu einer richtigen Einheit zusammengewachsen.

Schaut man in den Kader, so fällt auf, dass sie einerseits das viertjüngste Team der Liga stellen, andererseits mit Marco Engelhardt, Nils Pfingsten-Reddig oder dem Ex-Chemnitzer Mario Fillinger auch über sehr erfahrene Spieler verfügen. Ist auch die richtige Mischung Teil ihrer Philosophie und gleichzeitig Schlüssel zum Erfolg?

Walter Kogler: Bei allem Bedacht auf dem Einsatz junger Spieler, ist es ebenso wichtig, erfahrene Spieler in seinen Reihen zu wissen. Die Erfahrenen müssen mit stabilen Leistungen vorangehen und den jüngeren Spielern den Weg weisen, damit sich diese weiterentwickeln können! Grundsätzlich ist es für das Mannschaftsgefüge jedoch immer wichtig, dass Erfahrung und Qualität auf der einen, junge und talentierte Spieler auf der anderen Seite gegenüberstehen.

Sie stellen aktuell die viertbeste Offensive der Liga. Die Last des Toreschießens verteilt sich dabei in ihrer Mannschaft auf mehreren Schultern. 16 Spieler konnten sich bisher als Torschützen auszeichnen, andererseits fehlt auf dem ersten Blick ein klarer Torjäger. Rückkehrer Carsten Kammlott hat seit seiner Verpflichtung im Winter sechsmal getroffen, ist er die Offensivverstärkung?

Walter Kogler: Die Verpflichtung von Carsten Kammlott ist für uns sehr wichtig gewesen, denn seine Qualitäten als Goalgetter hat er im Frühjahr bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Zusätzlich verfügen wir mit Simon Brandstetter über einen weiteren sehr torgefährlichen Angreifer, der durch Verletzungen aber immer wieder zurückgeworfen wurde. Aufgrund unserer Ausfälle mussten generell immer wieder andere Spieler in die Breche springen.

Zuletzt war zu lesen, dass Sie im Grunde nicht zwischen Saisonanfang und Saisonende unterscheiden, sondern im Zuge von Erfurts "Mission 2016" vielmehr eine einheitliche saisonunabhängige Zeitspanne zu Grunde legen. Könnten Sie uns diese Sichtweise kurz darlegen?

Walter Kogler: Von Beginn an ist es unser Ziel gewesen, eine Mannschaft zu entwickeln, mit der wir in der Lage sind, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Hierfür musste es zunächst einige Veränderungen geben, derer es auch in Zukunft bedürfen wird, damit die Entwicklung erfolgreich voranschreiten kann. Des Weiteren ist es wichtig, das Ganze als einen ständigen Prozess zu betrachten und nicht von Saison zu Saison zu schauen. Wir wollen in jedem Spiel sehen, wie weit die Mannschaft ist und wozu es bei ihr reicht. Daher bin ich auch dagegen, eine Saison abzuhaken, nur weil ein vorher gestecktes Ziel nicht mehr erreichbar scheint. Vielmehr erwarte ich von meiner Mannschaft in jedem Spiel das gleiche Engagement und den gleichen Einsatz, egal wie sie in der Tabelle steht!

In dieser Saison konnten sie bereits den Relegationsplatz erobern. Die Mission vom Aufstieg in die 2. Bundesliga bis 2016 könnte also durchaus schon vor dem Plan erfüllt werden?

Walter Kogler: Sicherlich hätte niemand etwas dagegen, wenn wir unser Ziel bereits vor dem Plan erreichen sollten! Wäre in dieser Saison bereits alles optimal gelaufen, hätte man vielleicht schon oben mitkämpfen können. Insgesamt war es aber erst einmal wichtig, zu sehen, welches Potential in der Mannschaft vorhanden ist und wo wir noch Verbesserungen vornehmen müssen!

Ihren kommenden Gegner haben Sie zuletzt gegen Burghausen beobachtet und sicherlich viele Erkenntnisse gewinnen können?

Walter Kogler: Ich denke, wir sind über unseren Gegner gut informiert. Die Geschehnisse in Chemnitz haben wir stets aufmerksam verfolgt und dabei zur Kenntnis genommen, dass man kein leichtes Jahr hinter sich hat. Wie bereits erwähnt, bin ich jedoch fest davon überzeugt, dass sie die Klasse sicher halten werden. Vor allem seit dem Frühjahr treten sie deutlich souveräner auf, als dies noch im Herbst der Fall gewesen ist.

Was erwarten sie vom Duell mit den Himmelblauen?

Walter Kogler: Ich denke, wir werden ein Aufeinandertreffen zweier Mannschaften erleben, die sich nichts schenken und die Partie kampfbetont sowie leidenschaftlich angehen werden. Zusätzlich wünsche ich mir natürlich eine ähnlich gute Stimmung, wie im Hinspiel in Erfurt!

Herr Kogler, vielen herzlichen Dank für dieses Interview!