Zurück zur Übersicht

28.03.2014 - 12.55 Uhr | 1. Mannschaft

Das Interview vor dem Spiel gegen Wacker Burghausen

Für Anton Fink und Kevin Conrad kommt es an diesem Wochenende gegen den SV Wacker Burghausen zum Wiedersehen mit ihrem alten Lehrmeister aus Juniorenzeiten, Uwe Wolf. Während seiner Trainerzeit in den Talenteschmieden der TSG 1899 Hoffenheim sowie von 1860 München hatte er sowohl Kevin Conrad (Hoffenheim), als auch Anton Fink (1860) unter seinen Fittichen und sicherlich auch noch in bester Erinnerung. Im Vorfeld der kommenden Partie spricht Uwe Wolf über seine aktuelle Trainerstation in Burghausen, seine Eindrücke vom Chemnitzer FC und das Spiel aus der Hinserie.

Gegen Jahn Regensburg lag ihre Mannschaft bis zur 83. Minute mit 2:0 in Front und sah schon wie der sichere Sieger aus, am Ende mussten Sie sich mit einer Punkteteilung begnügen. Haben Sie diesen Last-Minute-Schock schon verdaut?

Uwe Wolf: Wenn ich ehrlich bin, muss ich eingestehen, dass die Erlebnisse noch arg an den Nerven zehren und dementsprechend alle einen unruhigen Schlaf hatten. Wir lagen verdient in Führung und konnten eigentlich nicht besser spielen, als wir es getan haben!

Sie haben die Himmelblauen zuletzt gegen den Halleschen FC persönlich im Stadion an der Gellertstraße beobachtet. Der Spielverlauf müsste Ihnen also wie ein dejá vu vorkommen?

Uwe Wolf: Im Nachhinein betrachtet ja, aber im Moment der Geschehnisse habe ich daran keine Sekunde gedacht, denn da galt die volle Konzentration einzig und allein dem Spiel gegen Regensburg. Jetzt müssen wir erst einmal die Köpfe freibekommen und dann sofort dazu übergehen, uns akribisch auf Chemnitz vorzubereiten.

Wie werden Sie dies konkret in Angriff nehmen?

Uwe Wolf: Wir haben heute eine Videoanalyse vorgenommen und dadurch die Köpfe wieder etwas freibekommen. Wir müssen aus dem Erlebten gestärkt hervorgehen und mit gefestigter Moral nach Chemnitz reisen!

Welche Erkenntnisse aus ihrer Spielbeobachtung werden dabei mit einfließen und wo sehen Sie die aktuellen Stärken des Chemnitzer FC?

Uwe Wolf: Chemnitz verfügt über eine Mannschaft, die einem jeden Gegner im eigenen Stadion alles abverlangt. Anton Fink, den ich noch sehr gut kenne, ist ein Spieler den ich auch gerne in meinen eigenen Reihen hätte! Der Kader ist meiner Meinung nach qualitativ sehr gut besetzt und wir müssen uns auf ein heißes Spiel einstellen. Sicherlich kommt dem CFC auch zu Gute, dass er wieder ein tolles Publikum im Rücken haben wird.

In das neue Jahr startete ihre Mannschaft mit einem Sieg gegen Aufstiegsanwärter RasenBallsport Leipzig und bewies damit, dass Sie auch gegen die Ligaspitze mithalten kann. Ähnliches gilt für das Spiel gegen Ligaprimus 1. FC Heidenheim, welches ihre Mannschaft nur knapp verlor. Wieso ist bisher dennoch kein echter Befreiungsschlag gelungen?

Uwe Wolf: Die Spiele in der Rückrunde waren eigentlich alle pari pari. Wir waren mit jedem Gegner auf Augenhöhe, nur ist es uns nicht gelungen einmal konstant erfolgreiche Ergebnisse abzuliefern. In der ein oder anderen entscheidenden Situation hat dann auch das nötige Quäntchen Glück gefühlt.

Burghausen steht seit dem 1. Spieltag durchgängig auf einem Abstiegsplatz. Woher nehmen sie die Zuversicht, dass ihre Mannschaft am Stichtag 10. Mai über dem Strich steht?

Uwe Wolf: Wir müssen täglich hart an uns arbeiten und bis zuletzt an unsere Chance glauben. Wenn wir unser Möglichstes geben, bin ich mir sicher, dass wir unsere Chance auf den Klassenerhalt bekommen werden! Ich bin mir sicher, dass die Antwort auf die Frage nach Abstieg oder Nichtabstieg erst am letzten Spieltag beantwortet werden wird!

Unter ihrer Regie wurden 7 von 23 Partien gewonnen und zudem siebenmal unentschieden gespielt. Sie holten also 28 der bisher 29 Punkte. Das rettende Ufer ist zum Greifen nahe. Wie ist es Ihnen gelungen der Mannschaft neues Leben einzuhauchen?

Uwe Wolf: Ich denke, dass ich mit meiner positiven Grundhaltung die Spieler zusätzlich motivieren und aufbauen konnte. Ich selbst fühle mich in Burghausen pudelwohl und diese Stimmung versuche ich auch auf meine Spieler zu übertragen, um sie mit ins Boot zu holen.

Einen der Siege gab es für ihre Mannschaft auch im Hinspiel. Welche Erinnerungen haben Sie noch an diese Begegnung?

Uwe Wolf: An unseren 1:0-Sieg kann ich mich noch sehr gut erinnern. Stephan Loboué hat uns mit einigen sehr guten Paraden im Spiel gehalten und Marco Holz erzielte dann im Eins gegen Eins den entscheidenden Treffer. Für uns war das damals ein ganz wichtiger Heimsieg!

Die 3. Liga biegt nun auf die Zielgerade ein. Worauf kommt es in den verbleibenden Spielen an?

Uwe Wolf: Es geht darum, den Kampf anzunehmen und bis zuletzt durchzuhalten! Wenn man bis zum Schluss kämpft und an seine Chance glaubt, kann einem keiner etwas vorwerfen!

Auf was für eine Chemnitzer Mannschaft stellen Sie sich ein und wie wollen Sie in die Partie gehen?

Uwe Wolf: Wir gehen mit der Vorgabe ins Spiel, dieses auch gewinnen zu wollen, dass steht für mich außer Frage! Mit der nötigen Galligkeit und einer Portion Wut im Bauch, ob der verlorenen Punkte gegen Regensburg, müssen wir alles aus uns herausholen! Ich gehe davon aus, dass die Chemnitzer Mannschaft ähnlich motiviert in die Partie geht und uns deshalb ein richtig enges und kampfbetontes Spiel bevorsteht, in dem wir am Ende die Nase vorn haben wollen und wichtige Punkte für den Klassenerhalt sammeln!

Damit sich beide Mannschaften auch im nächsten Jahr in der 3. Liga wiedersehen!

Uwe Wolf: Darüber würde ich mich freuen und das wünsche ich mir auf jeden Fall für beide Mannschaften, denn ich reise gerne nach Chemnitz! Auch wenn das Stadion gerade im Umbau befindlich ist und die Tribünen hinter dem Tor fehlen, ist es eines der Stadien, in denen der Rasen noch nach Rasen riecht und die Stadionwurst nach Stadionwurst schmeckt.

Herr Wolf, vielen herzlichen Dank für dieses Interview!

Zur Person: In seiner Profilaufbahn absolvierte Uwe Wolf für den 1. FC Nürnberg von 1989-1994 insgesamt 85 Partien (5 Tore) in der ersten Bundesliga, ehe er danach für drei Jahre in die mexikanische Liga wechselte. Dort feierte „El Lobo" (der Wolf), sein Spitzname seit dieser Zeit, mit Necaxa den Landesmeister. Zurück in Europa, zählten der SV Austria Salzburg und Dynamo Dresden zu weiteren Stationen seiner Spielerkarriere.
Uwe Wolf, der 2006 seine Ausbildung zum Fußballlehrer abschloss, arbeitete zunächst von 2003-2007 als hauptamtlicher Nachwuchstrainer bei der TSG Hoffenheim und im Anschluss bei 1860 München, wo er auch Anton Fink betreute. Den größten Erfolg als Trainer feierte Wolf vergangene Saison mit dem KSV Hessen Kassel, den er zur Meisterschaft in der Regionalliga Südwest führte. Nach verpasster Relegation gegen Holstein Kiel verließ er die Nordhessen zum Ende der Saison 2012/13.