Der Tag vor Frankfurt: Zwischen Status quo und historischem Wendepunkt – DFB-Gipfel zur Aufstiegsreform
Noch einmal schlafen, dann könnte die Initiative "Aufstiegsreform 2025" mit der ganzen Kraft des deutschen Fußballs endgültig wachgeküsst werden. Denn am Donnerstag, dem 17. April 2025, könnte ein entscheidender Tag für den deutschen Fußball werden. Wenn DFB-Präsident Bernd Neuendorf persönlich in Frankfurt Vertreter der Initiative Aufstiegsreform 2025 empfängt, dann geht es bei den Gesprächen um mehr als nur eine technische Anpassung im aktuellen Ligensystem. Es geht um sportliche Fairness, um Gleichberechtigung aller Fußballregionen und die Integrität des deutschen Fußballs – und um das Ende einer jahrelangen Benachteiligung der Regionalliga Nordost.
"Jetzt ist die Zeit, die Weichen neu zu stellen. Nie war die Chance größer", sagt Tommy Haeder, Sprecher der Initiative Aufstiegsreform 2025 und Geschäftsstellenleiter des Chemnitzer FC. Er spricht stellvertretend für aktuell 16 Regionalliga-Klubs, die entschlossen sind, sich nicht länger mit Ausreden abspeisen zu lassen.
Chemnitz als Startpunkt: Wie alles begann
Der 12. Februar 2025 markiert den Auftakt dieser Bewegung. In einem bis auf den letzten Platz gefüllten Pressekonferenzraum des Stadion – An der Gellertstraße in Chemnitz setzten Vertreter von Carl Zeiss Jena, dem FC Rot-Weiß Erfurt, dem FSV Zwickau, dem Halleschen FC und dem Chemnitzer FC ein deutliches Zeichen: "Wir gehen nicht mehr weg, wir werden gemeinsam kämpfen, bis endlich eine gerechte Lösung gefunden wurde", sagte Halles Sportdirektor Daniel Meyer unmissverständlich – ein Satz, der zum Leitspruch der Bewegung wurde.
Schon damals formulierte die Initiative ihre Hauptforderung: Alle Regionalliga-Meister sollen aufsteigen dürfen – auch im Osten. Erste Reformvorschläge wurden vorgestellt, begleitet von einem klaren Appell an die Fußball-Republik, sich solidarisch zu zeigen und sich mit ganzer Kraft lösungsorientiert in den Reformprozess einzubringen.
Eine Liga mit großer Strahlkraft
"Fakt ist: Im Nordosten befindet sich die attraktivste Regionalliga in unserem Land", erklärt Tommy Haeder. Er meint damit nicht nur die Dichte an Traditionsvereinen, sondern auch die sportliche Qualität, die Zuschauerzahlen, die Reichweite und das mediale Interesse. Traditionsstandorte mit großer Fanbasis wie Berlin, Leipzig, Jena, Chemnitz, Zwickau, Halle, Erfurt oder Potsdam – eine traditionsreiche Liga mit enormer Strahlkraft.
Trotzdem wird dieser Liga seit Jahren ein fester Aufstiegsplatz verweigert. Stattdessen wird die Aufstiegsfrage derzeit allein von der Anzahl der gemeldeten Herrenmannschaften abhängig gemacht – ein statistisches, willkürliches und deshalb absurdes Konstrukt, das die Realität in Folge der Nachwendejahre im strukturschwachen Osten verkennt.
"Es geht uns um sinnvolle Anpassungen im aktuellen System. Gemeinsam mit dem NOFV sind wir bereit, uns entsprechend zu bewegen, um eine gerechte Lösung möglich zu machen. Wer in dieser Situation erneut die Zerschlagung des Kerns der Regionalliga Nordost auch nur andeutet, nimmt Ängste bei Fans bewusst in Kauf. Das hilft niemandem – im Gegenteil: Es schadet", mahnt Haeder.
In Hintergrundgesprächen haben sich über alle Regionalligen hinweg in ganz Deutschland bereits Solidarität und Gesprächsbereitschaft gezeigt. Nun sind vor allem die Regional- und Landesverbände gefordert, diesen Prozess mit echtem Reformwillen aktiv voranzutreiben und dabei auch verkrustete Denkmuster im Sinne der Sache aufzubrechen. Dabei braucht es keine weitere Analyse oder Problembeschreibung des Status quo – genau das hat den Prozess in den vergangenen Jahren immer wieder blockiert, zerredet und am Ende verhindert.
Jetzt braucht es Lösungen! Denn die Diskussion ist an einem neuen Punkt angekommen. Wenn es gelingt, diese ungerechte Ligenstruktur endlich zu zerschlagen, dann gibt es am Ende einen großen Gewinner: den deutschen Fußball. Das sollten sich alle Beteiligten im weiteren Prozessverlauf immer wieder klarmachen.
Die Klubs im Nordosten werden jedenfalls nicht locker lassen. Sollte der Reformprozess erneut verschleppt werden, werden die Vereine weiterhin entschlossen, sichtbar und laut gemeinsam mit den Fanszenen für die Sache kämpfen – bis endlich die Zeichen der Zeit erkannt und die Bereitschaft entwickelt wird, die Ungerechtigkeit zu erkennen und auszusprechen, um im Sinne des Fußballs gemeinsam eine faire Lösung zu schaffen.
Von Chemnitz nach Berlin: Die Bewegung wächst
Was als regionale Pressekonferenz des Fußball-Ostens im Februar begann, entfachte bundesweite Aufmerksamkeit. Prominente Unterstützer wie Ulf Kirsten, Torsten Mattuschka, Christoph Franke, Bernd Schneider, Nils Petersen, Claus-Dieter Wollitz, Patrick Glöckner, Thomas Stamm und Marco Rose traten öffentlich für die Initiative ein.
Auch medial regt sich Widerstand: Nicht nur regionale Zeitungen berichteten über die Aufstiegsreform, sondern unter anderem auch BILD, Kicker, Sky, MDR und 11Freunde verschafften dem Thema bundesweite Aufmerksamkeit. Die jüngere Generation wurde zudem von Influencern wie Elias Nerlich und Manu Thiele erreicht.
Am 7. März 2025 schrieb die Bewegung einen offenen Brief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf – mit der Bitte, sich endlich persönlich einzubringen. Und sie wurde gehört.
Am 31. März folgte der nächste Meilenstein: der NOFV-Aufstiegsgipfel in Berlin. Dort versammelte der Nordostdeutsche Fußballverband Drittligisten, Regionalligisten und ambitionierte Oberligisten – mit dem Ziel, eine gemeinsame Position zu finden. Am Ende stand der "große Schulterschluss" – der NOFV trägt die Vorschläge der Ost-Vereine mit, lautete damals eine der Schlagzeilen. Ein erster Durchbruch.
Noch während der Beratungen in Berlin fragte Bernd Neuendorf per Kurznachricht bei NOFV-Präsident Hermann Winkler nach dem Fortschritt. Wenige Stunden später folgte die Einladung: Frankfurt, DFB-Zentrale, 17. April, 12 Uhr. Ein Gipfel der besonderen Art – denn erstmals befasst sich die DFB-Spitze mit der Reforminitiative in dieser Tiefe.
Zehn Personen werden beim DFB-Gipfel zur Aufstiegsreform am Tisch in der Zentrale des deutschen Fußballs Platz nehmen:
Für den DFB: Präsident Bernd Neuendorf, Vorsitzender des Ausschusses 3. Liga Tom Eilers und DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb Manuel Hartmann
Für den NOFV: Präsident Hermann Winkler, Geschäftsführer Till Dahlitz und Spielausschussleiter Uwe Dittrich
Für die Initiative: Daniel Meyer (Sportdirektor, Hallescher FC), Franz Gerber (Geschäftsführer, FC Rot-Weiß Erfurt), Andreas Krug (Aufsichtsratsvorsitzender, FC Carl Zeiss Jena) und Tommy Haeder (Geschäftsstellenleiter, Chemnitzer FC) – vier Klubvertreter der Aufstiegsinitiative 2025 im Kampf um Gerechtigkeit.
Fans und Vereine stehen geschlossen – die Basis hält zusammen
Die Unterstützung aus den Kurven wächst. "Meister müssen aufsteigen" – das war in den letzten Wochen auf Spruchbändern von der Bundesliga bis zur Regionalliga immer wieder in großen Lettern zu lesen. Die Fußballbasis hat verstanden, worum es geht: Es geht um sportliche Gerechtigkeit, die alle im Land verbindet.
Auch die Medien greifen das Thema immer stärker auf. Der MDR titelte in einem Kommentar zur Aufstiegsdebatte kürzlich: "Ohne Fouls und Zeitspiel ist die Regionalliga-Frage lösbar."
Tommy Haeder bringt es auf den Punkt: "Statt weiter mit dem Finger auf andere zu zeigen, müssen endlich alle Beteiligten an einen Tisch – um die historische Chance auf eine gerechte Reform zu nutzen, damit sie beim DFB-Bundestag im November endlich Realität wird."
7. November 2025 – wird dieser Tag Fußballgeschichte schreiben?
Der morgige Gipfel in Frankfurt ist kein Endpunkt – aber möglicherweise der Beginn einer Wende. Denn am 7. November 2025, beim nächsten DFB-Bundestag, könnte der große Durchbruch Realität werden. Dort entscheidet sich, ob aus einer mutigen Reformidee endlich ein gerechtes System wird.
Doch dafür braucht es mehr als gute Argumente. Es braucht jetzt Tempo, Entschlossenheit und Rückhalt. Es braucht Einfluss. Und es braucht die aktive Unterstützung der DFB-Spitze. Denn die wenigen Stimmen des Ostens allein können das System nicht verändern. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre haben gezeigt: Die Lobby des Fußball-Ostens ist bisher allzu gering in den über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen des DFB.
"Wir kämpfen weiter entschlossen für eine faire Lösung – für alle Regionalligen", so Haeder. "Deshalb unser Appell an alle Verantwortlichen: Erkennt die Zeichen der Zeit – und werdet Teil der Lösung. Macht euch endlich an die Arbeit. Dann packen wir es gemeinsam – und schaffen auf dem DFB-Bundestag die gerechte Lösung, auf die der Fußball seit Jahren wartet."
Fazit: Jetzt zählt’s – für den Fußball. Für die Fairness. Für den Osten.
Der 17. April 2025 ist mehr als ein Gesprächstermin. Es ist ein echter Härtetest für die Reformfähigkeit des deutschen Fußballs. Und vielleicht der erste Schritt in eine neue Ära: In eine Fußballwelt, in der Meister an der Schwelle zum Profi-Fußball wirklich aufsteigen. Auch im Osten!



