Die Meistersaison zum Nacherleben - Sptg. 10
Nach dem bravourösen 3:2-Heimsieg des FCK gegen den amtierenden Meister Vorwärts Berlin stand am 10. Spieltag die Reise zum Bezirksderby nach Zwickau an. Die kurze Distanz zwischen den beiden Städten wurde zum Sprungbrett für sage und schreibe 6.000 (!) FCK-Fans, die unter den 25.000 Zuschauern ordentlich Rabatz machten, um ihren himmelblauen Lieblinge zu unterstützen! Als die FCK-Fans sogar einen Umzug im Stadion starten wollten, wurden sie von den Ordnern geblockt und FCK-Kapitän Dieter Erler musste kurz schlichten. Torjäger Eberhard Schuster brachte den Club in der 80. Minute zwar mit 1:0 in Front, aber Zwickau gelang fünf Minuten vor Schluss noch der Ausgleich. Mit dem 1:1 blieb der FCK an der Tabellenspitze (16 Punkte), stramm verfolgt von Hansa Rostock (15). Und das nächste Heimspiel am 11. Spieltag hieß: FCK gegen Hansa!
Fuwo (15.11.66): Körperliche und geistige Fitneß - Trümpfe des FCK!
Die Karl-Marx-Städter nötigen Bewunderung ab, und sie zwingen zugleich auch zum Nachdenken. Streben sie mit ihrer Serie von nun schon zehn niederlagenfreien Spielen einen neuen Rekord an? Es hat fast den Anschein. [..] Die hochdramatische, erregende Begegnung im Zwickauer Georgi-Dimitroff-Stadion war zugleich auch eine Studie klugen psychologisch-moralischen Verhaltens auf beiden Seiten. Ein "Heja, heja" für dieses Publikum des FCK! Nicht weniger als 6.000 (diese Zahl sollte man dreimal lesen) waren nach Zwickau geeilt. Doch als der Begeisterungsrausch in einen Transparentumzug einmünden wollte und Zwickaus Ordner dagegen etwas hatten (auf unserem Platz - das wäre ja noch schöner!), schlichtete Erler sofort und ermahnte zur Besonnenheit! Ein Bravo dafür. [..]
Posselt und Steinmann setzten sich im Mittelfeld eindrucksvoll in Szene, Vogel (bravourös kämpfend), Schuster und Lienemann zwangen Zwickaus Deckung (..) zu größter Aufmerksamkeit. Dennoch erlangte der FCK nie entscheidendes Übergewicht, weil diese Zwickauer Elf in ihrem Kampfnerv einfach nicht zu erschüttern war. Auch dann nicht, als Henschels Kopfballtor wegen Abseits nicht anerkannt werden konnte (70.) und Schusters Treffer schon die Niederlage zu bedeuten schien. Juras Cleverneß und der aufopferungsvolle Einsatz von Irmscher, Henschel (trotz Verletzung), Rentzsch (warum sein unnötiges Foul gegen Erler?), Hoffmann und Mattern erzwangen schließlich doch noch das Unentschieden. [..] Und es war mehr als erfreulich, daß bei aller Rivalität, bei aller männlichen Härte der sportliche Anstand (von Kleinigkeiten abgesehen) obsiegte.
(Günter Simon)
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Sportecho: Punkteteilung durch hohe Kampfmoral
Nach einer Anfangsphase nervöser Verkrampfung imponierte der FCK im Mittelfeld mit sehenswerten Kurzpaßfolgen, die nicht nur Ballbesitz und spielerische Sicherheit mit sich brachten, sie waren zugleich auch kluge Vorbereitung überfallartiger, blitzschneller Steildurchbrüche. [..] Unablässig gefordert, gewann auch die Motor-Deckung an Stabilität. [..] Und wie nah war die Motor-Elf in ihrer begeisternden zweiten Halbzeit dem Führungstreffer. Hoffmann köpfte drüber (61.), Henschel schoß aus vier Metern Hambeck in die Arme (67.), sein Kopfballtor konnte wegen Abseits (70.) nicht anerkannt werden. [..] Der FCK war in Not, sein glänzend herausgespielter Führungstreffer aber bewies die gereifte Klasse der Elf, die nicht von ungefähr auch nach dem 10. Spieltag noch ungeschlagen ist. Gegen sie noch den hochverdienten Ausgleichstreffer errungen zu haben, unterstrich die bemerkenswerte Leistung der Gastgeber in der hochdramatischen Schlußphase.
(Günter Simon)



