Die Meistersaison zum Nacherleben - Sptg. 20
Nach dem Auswärtssieg in Dresden stand am 20. Spieltag die Vorentscheidung zur Meisterschaft 1966/67 an. Der FCK empfing als Tabellenführer (29 Punkte) daheim den Tabellenzweiten 1. FC Lok Leipzig (23 Punkte). Lok Leipzig war damals nicht nur Zweiter, sondern glänzte im März 1967 für den DDR-Fussball auf internationalen Parkett, als im EC-Achtelfinale Benfica Lissabon (3:1, 1:2) ausgeschaltet werden konnte. Für die Partie gegen „Loksche“ zog der FCK ins Sportforum um, denn die Fischerwiese war in den letzten drei Heimspiel mit einem Schnitt von 20.000 Zuschauern stets proppevoll gewesen. Die Entscheidung war richtig, denn bereits am Freitagabend vor dem Spiel waren 25.000 Karten verkauft worden. Am Samstag, den 15.4.67 drängten sich dann 45.000 Zuschauer auf den Rängen, um einen glanzvollen 2:0-Sieg des FCK mitzuerleben. Lienemann und Erler sorgten für die Tore und versetzten die Zuschauermassen in helle Begeisterung. Da Hansa Rostock gegen Stendal nicht über ein 1:1 hinauskam und ebenso wie Lok Leipzig bei 23 Punkten stand, besaß der FCK nach dem Sieg acht Punkte Vorsprung! In der Fuwo zeichnete Grafiker Kubego bereits einen FCK-Spieler neben einem Blumenladen mit Meisterschaftskränzen!
Fuwo (18.04.67): Die Vorentscheidung
Das war Fußball, wie wir ihn lieben, wie er begeistert, Beifallsstürme erzeugt - und das Publikum von den Fernsehmattscheiben weg in die Stadien führt. Spannend, dramatisch, hochklassig. Mit allen spielkulturellen und kämpferischen Nuancen, mit hohem Tempo geführt, mit rassigen Zweikampfsituationen und herrlichen technischen Leistungen. Wir mußten lange, viel zu lange fast in dieser Saison auf ein Meisterschaftsspiel von dieser Güte warten. [..] "Es war das Treffen zweier sehr gut disponierter Mannschaften, eines der besten Spiele dieser Saison überhaupt. Der 1. FC Lok hat wundervoll mitgehalten, wenngleich es ihm im Angriff doch etwas an Dynamik fehlte. Karl-Marx-Stadt ist auf dem besten Wege, sich den Titel zu erspielen", resümierte DFV-Vizepräsident Günter Schneider nach dem Abpfiff.
FCK-Cheftrainer Scherbaum drückte gegenüber der fuwo vor dem Beginn die Hoffnung aus, daß seine Mannschaft in diesem "Nervenspiel" zu ihrem wahren Können finden möge. Neunzig Minuten später durfte er voller Freude den Einsatz seiner Männer loben. "Wir hatten keinen Ausfall. Den Titel aus eigener Kraft holen zu können, ist ein herrliches Gefühl. Gegen diese echte Klasse repräsentierende Leipziger Mannschaft gewonnen zu haben, ich bitte das nicht nur als bloßes Höflichkeitskompliment zu verstehen, erhöht die Bedeutung unseres Sieges noch um ein Vielfaches", erklärte Scherbaum durchaus zu Recht. 45 000 Zuschauer, die Rekordkulisse dieser Saison ("25 000 Karten hatten wir schon bis Freitagabend im Vorverkauf abgesetzt", sagte uns Georg Bloß, Mitglied der Spielkommission des DFV und Verwaltungsleiter des FCK), bekamen eine Fülle von Spielszenen offeriert, die zu Begeisterungsovationen geradezu herausforderten. [..] (Günter Simon)
Fuwo-Rubrik „Zum Schiedsrichterkollektiv“:
Köpcke leitete sicher. Er scheute sich auch nicht, einen berechtigten Foulstrafstoß gegen die Platzbesitzer zu pfeifen. Am Verständnis mit seinen Linienrichtern mangelte es jedoch zuweilen. Bedenklich, daß er Vogel, als dieser in der 68. Min. Löwe ohne Ball die Beine wegzog, nicht einmal ermahnte. [..]
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Freie Presse: FC Karl-Marx-Stadt wahrhaft wie ein Meister
Über 40.000 Zuschauer wurden am Sonnabend Zeuge des wohl besten Oberliga-Punktspieles des laufenden Meisterschaftsjahres. Selbst prominenteste Fachleute, die zu diesem Spitzentreffen kamen, waren begeistert von der Klasse dieser für die Deutsche Fußballmeisterschaft so wichtigen Auseinandersetzung zwischen dem führenden FCK und und dem Tabellenzweiten aus Leipzig. Beide Mannschaften, die in vielen internationalen Begegnungen gereifte Lok-Elf, und der seit Monaten so eindrucksvoll aufspielende Spitzenreiter, hatten Anteil an dieser auf spielerisch hoher Stufe stehenden, klassereinen Auseinandersetzung, die dem FCK nun wohl endgültig zur höchsten Fußballehre reichen dürfte. [..] Die endgültige Entscheidung bedeutete jedoch das 2:0 durch Erler, der einen Vogel-Sturmlauf auf der linken Seite in ebensolch hervorragender Weise abschloß, wie sein Mannschaftskamerad. Vogel hatte drei Gegner stehengelassen und wuchtig Erler vor die Füße geflankt. Den Gästen bot sich noch einmal die Gelegenheit zum Anschlußtreffer, als Feister Löwe im Strafraum hart attackierte und Schiedsrichter Köpcke auf Strafstoß entschied. Doch Geisler donnerte das Leder an den Querbalken. (Gerhard Oertel)
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Das „Sportecho“ über die Tore:
1:0 Lienemann (31.): Mit hartem Einsatz hindert Geisler Steinmann zweimal am Schuß. Den abprallenden Ball knallt Lienemann aus acht Metern sofort aufs Tor, bevor Drößler dazwischenspringen kann. Erst hinter der Linie bekommt Weigang das Leder zu fassen.
2:0 Erler (47.): Am linken Flügel setzt sich Vogel gegen Pfeufer und Faber durch. In seine scharfe Eingabe läuft Erler hinein und jagt den Ball aus zehn Metern hoch ins Netz. Ein herrlicher, unhaltbarer Treffer.



