Die Meistersaison zum Nacherleben - Sptg. 8
Am 7. Spieltag der Saison 1966-67 hatte der FCK mit einem Auswärtssieg bei Lok Leipzig die Tabellenführung (13 Punkte) übernommen, dicht gefolgt von Vorwärts Berlin, Carl Zeiss Jena und Hansa Rostock (alle 12 Punkte). Am 8. Spieltag musste der Club beim starken Aufsteiger 1. FC Union antreten, der bis dato noch kein Heimspiel verloren hatte und sich bereits über 8 Punkte und den 6. Platz erfreuen konnte. Rolf Steinmann knipste an der Alten Försterei doppelt und der FCK entführte zwei wertvolle Punkte aus der Hauptstadt. Das war auch bitter nötig, den alle drei Verfolger (Berlin, Jena, Rostock) gewannen ihre Partien und standen weiterhin nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer aus Karl-Marx-Stadt. Beim FCK-Sieg in der Wuhlheide gab es unschöne Begleiterscheinungen mit fliegenden Bierflaschen – der Fußballverband der DDR drohte daraufhin den Unionern kurzerhand eine Platzsperre an. Der FCK konzentrierte sich derweil schon auf das nächste Heimspiel: Am 5. November 1966 stand auf der Fischerwiese die brisante Partie gegen amtierenden Meister Vorwärts Berlin auf dem Programm!
Fuwo vom 01.11.66:
Dramatische Zuspitzung in der Schlußphase
FCK-Cheftrainer Horst Scherbaum fand die richtigen Worte für die bewundernswerte Leistung des Berliner Neulings in diesem dramatischen, über weite Strecken bemerkenswert gutklassigen Treffen: "Jetzt ist mir klar, warum der 1. FC Lok Leipzig vor fünf Wochen hier an der Alten Försterei scheiterte. Selten sah ich eine Mannschaft, die mit so viel Herz, mit so viel Hingabe kämpfte wie die Berliner. Gegen diesen ehrgeizigen Neuling gewonnen zu haben spricht für uns, wobei ich ganz sicher bin, daß auf der gefürchteten Heimstätte der Unioner noch viele Mannschaften Punkte verlieren werden!" [..] Was beim Tabellenführer imponierte, war neben seiner körperlichen Fitneß eine erstaunliche Vitalität in fast allen Spielphasen sowie die stete Bewahrung der spielerischen Linie. [..]
Was für den Tabellenführer im Endeffekt schließlich den Aussschlag gab, war die vorteilhaftere Anwendung seines höheren technischen Repertoires, von seiner größeren Erfahrung ganz zu schweigen. Bei Siegen Haltung und Disziplin zu bewahren, ist relativ leicht. Dasselbe auch bei Niederlagen zu tun, ist ungleich schwerer, aber auch bemerkenswerter. Daß es Teile des Union-Anhangs diesmal daran fehlen ließen und Flaschen auf das Feld warfen, war überaus bedauerlich, weil derartige Undiszipliniertheiten nur der eigenen Elf Schaden zufügen können; großen Schaden sogar! [..]
(Günter Simon)
Fuwo vom 08.11.66:
1. FC Union muß Ordnung schaffen
Die Rechtskommission des DFV reagierte prompt. [..] Unmittelbar nach der Verhandlung sprach die fuwo mit Hans Müller, Vorsitzender der Rechtskommission. „Die Fakten zwangen uns dazu, Union zu beauflagen, bis zum kommenden Spiel schon für Verbesserungen des Spielablaufs zu sorgen. Anderanfalls können an der Alten Försterei keine Meisterschaftsspiele mehr stattfinden! Der Neuling muß die Voraussetzungen dafür schaffen, daß sich derartige Zwischenfälle nicht wiederholen. [..]



