Die Neuzugänge Marco Kehl-Gómez und Stefano Cincotta im Interview
Auch wenn Stefano Cincotta und Marco Kehl-Gómez erst in diesem Sommer zu unseren Himmelblauen gewechselt sind, ist ihnen der Chemnitzer FC nicht ganz unbekannt. Während der in Guatemala geborene Stefano Cincotta in der vergangenen Saison bereits mit dem SV Wacker Burghausen zweimal gegen unseren Club antreten musste und so bereits erste Erfahrungen über seine neue Wahlheimat sammeln konnte, ist dem „Zürcher" Marco Kehl-Gómez der CFC noch aus seiner Zeit bei den Grasshoppers Zürich ein Begriff. Denn seit einigen Jahren verbindet eine innige Fanfreundschaft die Fans des Schweizer Rekordmeisters und unserer Himmelblauen! Im Interview verraten uns beide ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Stadionprojekten, ihre persönlichen Zielstellungen für die kommende Saison und welche sportliche Vergangenheit die beiden eint.
Hallo Stefano, hallo Marco und herzlich Willkommen beim Chemnitzer FC! Der Spruch „Man trifft sich immer zweimal im Leben" dürfte euch nicht fremd sein?
Stefano Cincotta: Im Fußball sieht man sich tatsächlich immer zweimal! Nachdem wir beide in Lugano bereits in einer Mannschaft gespielt haben, war es durchaus eine positive Überraschung, Marco hier in Chemnitz wiederzusehen!
Marco Kehl-Gómez: Auch ich war sichtlich überrascht als ich nach Chemnitz zum Probetraining gereist bin und Stefano das erste Mal gesehen habe. Wir hatten in Lugano eine sehr gute Zeit und durften uns vor allem in den Testspielen mit einigen sehr guten Mannschaften messen.
Jetzt habt ihr uns aber neugierig gemacht! Gegen welche Mannschaften musstet ihr euch mit dem FC Lugano bereits beweisen?
Marco Kehl-Gómez: Wir hatten oft hochklassige Gegner aus Italien, die in der Schweiz ihr Trainingslager aufgeschlagen haben. So haben wir unter anderem gegen Inter Mailand und Juventus Turin gespielt, ein absolutes sportliches Highlight!
Stefano Cincotta: Vor allem das Spiel gegen Inter Mailand, meinen Lieblingsverein, war für mich ein ganz tolles Erlebnis! Aber auch an die Partie gegen Juventus mit den Nationalspielern Sebastian Giovinco, Fabian Quagliarella oder Martín Cáceres erinnere ich mich gerne!
Zurück nach Chemnitz. Trainer Karsten Heine hat bereits betont, wie viel Wert er auf die variable Einsetzbarkeit seiner Spieler zu legen pflegt und das es wichtig sei, mehrere Systeme spielen zu können. Auf welchen Positionen würdet ihr eure Stärken sehen?
Marco Kehl-Gómez: Ich sehe meine großen Stärken in der Zweikampfführung und Ballbehandlung sowie in meiner Fähigkeit, auf mehreren Positionen flexibel zum Einsatz kommen zu können. Von daher würde ich mich selbst als Allrounder bezeichnen, der in der Defensive variabel einsetzbar ist. Persönlich ziehe ich die Position im defensiven Mittelfeld allerdings der in der Innen- oder Außenverteidigung vor, da ich so mehr auf das Spiel einwirken kann.
Stefano Cincotta: Am wohlsten fühle ich mich auf der Position in der linken Defensive, wobei auch eine Position weiter vorn im linken Mittelfeld drin ist. Eigentlich war ich von Anfang an linker Außenverteidiger und wurde erst unter Frank Wormut, der mich in der U19 und U20-Auswahl des DFB betreut hat, auch im linken Mittelfeld eingesetzt. Ich denke, dass mir zu Gute kommt, dass ich beidfüssig bin, wenngleich ich Standards ausschließlich mit links schieße, wie ich dies auch in Burghausen gemacht habe, wo ich ab dem Zeitpunkt meiner Verpflichtung für alle ruhenden Bälle verantwortlich war. Außerdem hoffe ich mit einem kleinen zwinkernden Auge, dass man meine sizilianische Abstammung ein Stück weit an meiner leidenschaftlichen Art Fußball zu spielen und meiner Bereitschaft, bis an die eigenen Grenzen zu gehen, sehen wird.
Stefano, deinen ersten Einsatz im Trikot des SV Wacker Burghausen hast du ausgerechnet am 13. Spieltag beim 1:0 gegen den CFC gehabt. Welche Erinnerungen hast du noch an die Duelle mit den Himmelblauen?
Stefano Cincotta: Vor allem an das 1:0 im Hinspiel erinnere ich mich gerne zurück! Uwe Wolf hatte das Traineramt gerade erst von seinem Vorgänger übernommen gehabt und mich nach Burghausen geholt. Unter ihm hat die Mannschaft dann komplett anders gespielt als in den Spielen zuvor. Wir haben durch einen Kontertreffer gewonnen und drei für uns enorm wichtige Punkte eingefahren. Zudem konnte ich mir sofort einen Stammplatz erkämpfen. Im Rückspiel haben wir dann durch einen dummen Fehler und ein sehr ärgerliches Gegentor durch einen direkt verwandelten Freistoß verloren.
Marco, zwischen den Fans des Chemnitzer FC und den Grasshoppers Zürich besteht seit längerem eine Fanfreundschaft. Als gebürtiger Züricher und Ex-Profi des Schweizer Rekordmeisters kannst du den Fans sicherlich die eine oder andere Anekdote zum Besten geben?
Marco Kehl-Gómez: Ich habe auch schon von der Fanfreundschaft zwischen den Anhängern beider Teams gehört und freue mich, den Fans etwas aus meiner Zeit in Zürich berichten zu dürfen, denn seit kurzem habe ich auch eine eigene Facebookseite (www.facebook.com/pages/Marco-Kehl-Gómez/1428737600737966?fref=ts) über die mich unsere Anhänger gerne kontaktieren können! Meinen ersten Einsatz in Zürich hatte ich ausgerechnet gegen den großen Rivalen FC Basel. Ein wichtiger Förderer in meiner damaligen Zeit bei den Grasshoppers war vor allem Trainer Ciriaco Sforza, unter dem ich achtmal zum Einsatz gekommen bin und eine tolle Zeit am Letzigrund hatte.
Mit dem Engagement beim Chemnitzer FC startet für euch ein neuer Abschnitt in eurer Fußballerkarriere. Welche Ziele habt ihr beide euch persönlich gesteckt?
Stefano Cincotta: Zunächst gilt es in der Vorbereitung ordentlich Gas zu geben und dem Trainer zu zeigen, dass er auf mich setzen kann. Außerdem ist ein weiteres wichtiges Ziel, sich schnell innerhalb der Mannschaft zu integrieren und das eigene Leistungspotential optimal abzurufen, wobei ich der Meinung bin, dass mir beides sehr gut gelingen wird.
Marco Kehl-Gómez: Ziel eines jeden Fußballers ist es natürlich zunächst einmal verletzungsfrei durch die Saison zu kommen und in jedem Spiel von Beginn an auf dem Platz zu stehen, gleiches gilt selbstverständlich auch für meine Ansprüche.
Der Chemnitzer FC hat für diese Saison einen großen Umbruch innerhalb des Kaders vollzogen und eine junge ambitionierte Mannschaft zusammengestellt. Worauf dürfen sich die Fans in der kommenden Saison freuen?
Stefano Cincotta: Für mich ist es bereits die vierte Saison in der 3. Liga, die ich bisher immer als Kämpferliga empfunden habe. Es wird immer bis zur letzten Minute gefightet. Neben der nötigen Konstanz ist die Entscheidung über Erfolg und Misserfolg in hohem Maße vom Willen abhängig. Der Start in eine erfolgreiche Saison muss daher schon in der Vorbereitung gelegt werden und jeder muss dem Trainer seine Leistungsbereitschaft zeigen!
Marco Kehl-Gómez: Ich traue unserer Mannschaft in dieser Saison so Einiges zu. Voraussetzung dafür ist, dass alle im Fitnessbereich bei 100% sind. In der Anfangsphase müssen wir so viele Punkte wie möglich holen und gleichzeitig die Fans animieren und davon überzeugen, dass in Chemnitz etwas Großes im Entstehen ist!
Auch außerhalb des Rasens gibt es große Veränderungen, wenn man auf den fortschreitenden Bauprozess am Stadion an der Gellertstraße blickt. Ihr beide habt in euren bisherigen Stationen ganz eigene Erfahrungen mit Stadionprojekten gemacht und könnt uns sicherlich einen Vorgeschmack geben?
Stefano Cincotta: Der Stadionbau in Chemnitz ist bereits der dritte, den ich in meiner Karriere direkt miterlebe. Vorher habe ich bereits beim Neubau des Stadions von Eintracht Frankfurt und der Kickers Offenbach dabei sein dürfen und kann die Vorfreude aller Beteiligten nachempfinden. Insbesondere ist es auch für die Kinder eine klasse Sache, dass sie ein Stadion bekommen, wie sie es aus dem Fernseher kennen. Die Motivation für uns als Spieler liegt vor allem darin, mit guten Leistungen und den entsprechenden Ergebnissen dafür Sorge zu tragen, dass das Stadion dann auch immer voll ist!
Marco Kehl-Gómez: Bei uns in Zürich wurde das Stadion am Letzigrund ebenfalls neu gebaut, wobei es sich dabei um ein Mehrzweckstadion mit Laufbahn handelt, in dem aus diesem Grund leider selten richtige Stimmung aufkam. Die Fans in Chemnitz können daher froh sein, ein reines Fußballstadion zu bekommen. Mit unserer Leistung wollen wir dann auch für die nötige Stimmung sorgen!
Welche positive und mitreißende Stimmung der Fußball schaffen kann, das sieht man aktuell auch durch das Geschehen rund um die Weltmeisterschaft in Brasilien!
Stefano Cincotta: Ich war erst immer Sommer wieder für zwei Wochen in meinem Geburtsland Guatemala und konnte hautnah miterleben, welche Faszination der Fußball schaffen kann. Die Autos sind vollbeschmückt mit Lichterketten, die in allen möglichen Farben blinken, um die Nationalflaggen des jeweiligen Lieblingslandes nachzubilden. Am meisten sieht man dabei die Farben von Mexiko, Italien und Spanien. Über die Stimmung in Guatemala werde ich auch ständig über meine Facebookseite (www.facebook.com/pages/Stefano-C/378965312159142?fref=ts) auf dem Laufenden gehalten, wo mir viele Fans schreiben und mir auch Rückhalt geben.
Marco Kehl-Gómez: Die Vorfreude ist auch in der Schweiz enorm groß und die Leute freuen sich auf das Public Viewing. Man würde sich wünschen, die Begeisterung würde auch in den Alltag durchschlagen und sich in den Fußballstadien zum Ligabetrieb zeigen! Trotzdem hat der Fußball in der Schweiz einen sehr hohen Stellenwert, was man vor allem in der Nachwuchsarbeit der Vereine merkt.
Stefano, über die Qualität der Nachwuchsarbeit im schweizerischen Fußball kannst du uns sicherlich auch einiges erzählen?
Stefano Cincotta: Mit der DFB-Auswahl haben wir uns einige Male mit Kontrahenten wie Polen, Italien und auch der Schweiz messen müssen. Die schweizerische Mannschaft offenbarte sich dabei immer als giftige Truppe, die mit sehr starker individueller Klasse besetzt war.
Neben den individuellen Fähigkeiten ist gerade bei der diesjährigen Weltmeisterschaft auch eine gute Kondition von großer Bedeutung. Unter äußerst anspruchsvollen Bedingungen gilt es, Topleistungen abzurufen. Inwiefern könnt ihr diese Ansprüche an die Spieler nachempfinden?
Stefano Cincotta: Bei meinem letzten Aufenthalt in Guatemala habe ich, um mich fit zu halten, die ein oder andere Joggingrunde gedreht. Insbesondere die warme Luft macht einem enorm zu schaffen und ist eine starke Belastung. Von daher kann ich mir vorstellen, dass einige Spieler an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen.
Dass klingt ja fast so, als wäre selbst in der Sommerpause an ein Abschalten vom Fußball nicht zu denken?
Stefano Cincotta: Ganz abzuschalten geht eigentlich nicht. Man findet immer einen Ball oder hat irgendeine andere Möglichkeit, sich zu bewegen. Ich finde, dass diese Art der Vorbereitung auf die Vorbereitungsphase auch wichtig ist, um im Tritt zu bleiben!
Marco Kehl-Gómez: Am Strand wird mir schnell langweilig, von daher bin ich versucht, immer in Bewegung zu bleiben. Es ist wichtig, sich immer fit zu fühlen, damit man nach der Sommerpause sofort mit 100% bei der Sache ist!
Stefano und Marco, recht herzlichen Dank für dieses Interview und viel Erfolg bei unseren Himmelblauen!



