Europapokal-Drama, TV-Premiere, später Ausgleich: Die Schnee-Schlachten des CFC
An diesem Wochenende stand aufgrund des starken Schneefalls in Deutschland kein Spiel für die Elf in Himmelblau an. Schon am letzten Wochenende beim Heimspiel gegen die Berliner Viktoria (2:1) erschwerte der Schnee das Fußballspielen erheblich. Doch welche weiteren Partien musste der CFC im Schneegestöber angehen? Ein kleiner Blick in die Historie.
Klare Kiste gegen den 1. FCM
Den Anfang macht ein Spiel am 19. Dezember 1981 gegen den 1. FC Magdeburg. Auf einem mit Schnee überzogenen Rasen erwischten die Karl-Marx-Städter den besseren Start und rieben sich auf dem schwierigen Geläuf auf. Der FCK agierte schneller, spritziger und zeigte größere Laufbereitschaft als die Gäste aus Magdeburg, die im Vorfeld klar favorisiert waren. Folgerichtig belohnte Frank Uhlig den FCK per Kopf nach einem Freistoß von Joachim Müller (25.).
Dieses Bild verstärkte sich in Halbzeit zwei nur noch weiter, auch weil Müller noch einen Gang zulegte und das Mittelfeld dominierte. Ein Eigentor von FCM-Verteidiger Heyne brachte das 2:0 für das Heimteam (52.), bevor Müller selbst per direktem Freistoß das 3:0 nachlegte (61.). Hans Richter machte damals den Doppelschlag perfekt (4:0, 62.). Später legte Ralf Schneider den 5:0 Endstand nach (81.). Beide Treffer assistierte der überragende Müller im Schneegestöber von Karl-Marx-Stadt.
Bittermanns Erinnerungen an die legendären Turiner
Das nächste Spiel ist eines der legendärsten der himmelblauen Vereinsgeschichte und ereignete sich am 06. Dezember 1989 im Ernst-Thälmann-Stadion. Die alte Dame aus Turin war zu Gast in Karl-Marx-Stadt. Die meisten Fans verbinden vor allem den starken Nebel im Hinspiel mit dem Duell gegen die Italiener, doch Torsten Bittermann erinnert sich, dass auch im Rückspiel das Wetter seinen Einfluss nahm und "auf leichtem Schneeboden" gespielt wurde. Schaut man sich Videoaufnahmen der Partie an, erkennt man, dass gerade die beiden Torhüter Jens Schmidt und Stefano Tacconi mit Schnee in den eigenen Strafräumen zu kämpfen hatten. Bereits im Vorfeld des Europa-Cup-Spiels wurde das Stadion nach tagelangem Schneefall weitgehend geräumt. So war der Platz bespielbar und auch die Zuschauer waren nicht zum Sitzen im Schnee gezwungen.
Nach einer knappen 2:1 Hinspiel-Niederlage in Turin wollte die von Hans Meyer trainierte Mannschaft nun im Rückspiel das Blatt wenden. Doch de Agostino traf bereits früh zum 0:1 per direktem Freistoß flach ins kurze Eck (20.). In der Folge verteidigten die Turiner gut und mit voller Überzeugung, um den Vorsprung über die Ziellinie zu bringen. In der Schlussphase der Partie brachte Juventus-Trainer Dino Zoff sogar einen weiteren Verteidiger für einen der Stürmer, um dem Karl-Marx-Städter Druck standzuhalten. Heidrich kam zu einer Gelegenheit per Kopf (60.) und Detlef Müller per Distanzschuss (71.), doch die Chancen konnten nicht genutzt werden. So schied der FCK in Nebel und Schnee nach sehr guter Leistung gegen die übermächtig wirkenden Italiener knapp aus.
Sowjetische Soldaten räumen den Rasen frei
Nur wenige Wochen zuvor hatte der FCK mit noch größeren Schneeproblemen zu kämpfen im Heimspiel gegen die BSG Stahl Brandenburg (25. November 1989). Der Schnee lag bei dieser Partie so hoch, dass sogar die sowjetischen Soldaten aus der nahegelegenen Kaserne neben den Zuschauern auf dem Platz standen, um den Rasen frei zu schaufeln. Die Partie zwischen den beiden Juventus-Spielen konnten die Chemnitzer dann trotz durchwachsener Leistung deutlich für sich entscheiden. Dirk Barsikow war nach einem 30-Meter-Freistoß zur Stelle und staubte zur Führung ab (44.). Kurz nach der Pause erhöhte Ulf Mehlhorn zum 2:0 (52.) bevor Rico Steinmann die Entscheidung besorgte (72.).
TV-Premiere für den CFC
Zehn Jahre später (22. November 1999) spielten die Himmelblauen eine weitere denkwürdige Partie im Schnee, diesmal gegen den 1. FC Köln in der 2. Bundesliga. Es war die Flutlicht- und TV-Premiere des Chemnitzer FC und mit den Kölnern war ein Gegner zu Gast, der diesem Anlass angemessen war. Im Vorfeld der Partie fiel so viel Schnee, dass Gästetrainer Ewald Lienen darauf bestand, den Platz räumen zu lassen, was seiner technisch versierteren Mannschaft in die Karten spielte. So kam es dazu, dass die Fans bereits vor der Partie "den Platz stürmten", um mit Schneeschiebern den Rasen vom Schnee zu befreien.
Das Spiel startete auch perfekt für den CFC, da ein Distanzschuss von Jens König auf dem schnellen und rutschigen Geläuf durch die Arme von Effzeh-Keeper Markus Pröll rutschte und zum 1:0 für die Heimmannschaft einschlug (26.). Die Chemnitzer kontrollierten ab da die Partie, doch kurz vor der Pause brachte CFC-Libero Thomas Laudeley den FC-Stürmer Ojigwe zu Fall und Lottner erzielte den Ausgleich vom Punkt (45.). Direkt nach der Pause legten die Kölner durch Kurth nach und gingen mit 2:1 in Führung (47.), bevor Lottner seinen Doppelpack schnürte und mit dem 3:1 den Deckel draufmachte (79.). Auch in dieser Schneepartie zogen die Himmelblauen den Kürzeren.
Später Ausgleich nach Fink-Bankert-Doppelschlag
Am 9. Dezember 2012, als der Chemnitzer FC Preußen Münster im Stadion – An der Gellertstraße empfing lief der Spieltag ähnlich ab. Auch hier räumten die CFC-Anhänger in einer großen Aktion bereits vor der Partie das Feld, um ein Spiel überhaupt erst zu ermöglichen. Es schneite während der Begegnung allerdings unentwegt weiter.
Die Himmelblauen erwischten den besseren Start und nachdem Anton Fink im Strafraum abgeräumt wurde, brachte dieser den CFC folgerichtig vom Punkt früh in Führung (3.). Der Schnee tat in der Partie jedoch sein Übriges und so war das Spiel beider Mannschaften von Ungenauigkeiten und Fehlpässen geprägt. Die Chemnitzer stürmten weiter an und Silvio Bankert erhöhte per Kopf nach einem Eckball auf 2:0 (13.). Bis zur Pause fanden die Münsteraner besser in die Partie, ohne jedoch wirklich Gefahr zu erzeugen. Das Bild verfestigte sich nach der Pause und gipfelte in einem wuchtigen Kopfball von Marco Königs zum Anschluss. Die Chemnitzer wehrten sich gegen anstürmende Preußen, doch in der Nachspielzeit besorgte Amaury Bischoff nach Heise Hereingabe den Ausgleich (90.+4).
Und nun reiht sich eine weitere Partie in die Schneeschlachten des CFC ein. Das Spiel der letzten Woche gegen Viktoria Berlin, an dessen Ende die Himmelblauen einen wichtigen Heimsieg einfahren konnten. Dank der Treffer von Dejan Bozic und Leon Damer (hier geht’s zum Spielbericht).



