Drei Platzverweise, vier Treffer und ein Traum-Comeback – CFC holt einen Punkt in Zwickau
Der Chemnitzer FC ist am Samstag mit einem hochemotionalen Traditionsduell beim FSV Zwickau in die Restrückrunde der Regionalliga-Saison 2024/25 gestartet. Vor 9.094 Zuschauern in der GGZ-Arena präsentierten sich die Himmelblauen von Anfang an hellwach und erkämpften sich in einem leidenschaftlichen Bezirksderby am Ende verdient einen Punkt, auch weil die Gäste 50 Minuten in Unterzahl absolvieren mussten.
Benjamin Duda tat das, was vor der Partie zu erwarten war. Der Chefcoach der Himmelblauen vertraute exakt der Startelf, die eine Woche zuvor bei der Generalprobe (1:2) gegen Havelse auf dem Platz stand. Unterstützt wurde der CFC von mehr als 1.700 Auswärtsfahrern im Gäste-Block.
Verhaltener Start bei großartiger Kulisse
Beide Mannschaften hatten sich für den Bezirks-Klassiker viel vorgenommen und agierten von Anpfiff an hochkonzentriert. Aus einer stabilen Defensive ohne totale Offensivwucht setzten beide Teams immer wieder Offensivakzente.
Für den ersten nennenswerten Abschluss des Spiels sorgte CFC-Toptorjäger Seo aus der Distanz, doch sein Abschluss verfehlte den linken Pfosten knapp.
Die Zwickauer brauchten für eine Antwort keine 60 Sekunden: FSV-Kapitän Mike Könnecke wuchtete den Ball aus 20 Metern aufs CFC-Tor. Der Ball senkte sich gefährlich, Daniel Adamczyk blickte in die Sonne, riss gedankenschnell die Arme hoch und wehrte den Ball zur Seite ab. Die Nummer 1 des CFC erwies sich auch beim Nachschuss von Mertens als sicherer Rückhalt.
Das war der Auftakt zu einer ersten Zwickauer Drangphase, die der CFC schadlos überstand. Die Himmelblauen setzten im Zusammenspiel von Eshele und Seo in der 16. Spielminute einen gefährlichen Nadelstich, doch am Ende eines langen Sprints fehlte die Kraft für einen Präzisen Abschluss.
Intensive Partie besticht durch Körperlichkeit – Erlbeck fliegt vom Platz
Beide Mannschaften gönnten sich zwischen der 20. und 30. Spielminute eine kleine Pause. Kleine Foulspiele, die vor allem die Zwickauer immer wieder dankend annahmen, sowie einige Ungenauigkeiten im Übergangsspiel beider Teams verhinderten größere Ballbesitzphasen.
Für Torgefahr konnte zumindest Jahn Herrmann auf Zwickauer Seite mit einem Distanzschuss sorgen. Doch der Ball verfehlte am Ende deutlich das CFC-Gehäuse (28.).
Der Bezirks-Klassiker lebte bis zur Halbzeit vor allem von der Spannung, intensiven Zweikämpfen und der kämpferischen Intensität beider Teams.
Die größte Chance im ersten Durchgang verzeichneten dann auch nicht ganz überraschend die Gastgeber für sich: In der 32. Spielminute hatte Oliver Fobassam freistehend aus acht Metern den Führungstreffer auf dem Fuß, doch wieder einmal war es der starke Rückhalt der Chemnitzer, der den Ball mit einer Glanztat aus dem langen Eck kratzte.
Daniel Adamczyk zeigte früh in diesem Spiel, dass er seine herausragende Form aus dem Herbst des vergangenen Jahres über den Weihnachtsurlaub auf Madeira hinweg ins neue Jahr gerettet hat.
Dann folgte die weitreichendste Situation der Partie: Niclas Erlbeck langte in der 39. Minute von vorne kommend per Grätsche gegen Jonas Dittrich wenige Meter hinter der Mittellinie zu und sah dafür die Rote Karte. Zumindest diskutabel – für ein Derby mit vielen Emotionen und Zweikämpfen eine harte Entscheidung. Der CFC wirkte fortan noch entschlossener und brachte das Ergebnis souverän in die Halbzeitpause.
Dobruna kontert Müller nach der Pause
Unverändert schickte Coach Duda seine Jungs zurück in den Zwickauer Hexenkessel. Artur Mergel rückte eine Position zurück und agierte fortan neben Kapitän Müller im zentralen Mittelfeld. Auch Leon Damer rückte ein, so dass in forderster Linie Eshele und Seo sich gegen den Ball austoben konnten.
Die Gastgeber kamen mit Entschlossenheit aus der Kabine und schalteten auf Attacke, um den frühen Führungstreffer im zweiten Durchgang zu erzwingen. Der CFC brauchte ein paar Minuten, um sich mit einem Spieler weniger zu sortieren.
Folgerichtig hatten Eixler per Kopf (49.) und Herrmann per Seitfallzieher (51.) auch die ersten beiden Großchancen für die Rot-Weißen im zweiten Durchgang.
Doch das erste große Ausrufezeichen des Spiels gelang den Himmelblauen in der 55. Spielminute: Leon Damer brachte einen Freistoß zehn Meter in der Hälfte der Zwickauer hoch in den Strafraum, wo Innenverteidiger Felix Müller perfektes Timing bewies und den Ball unhaltbar per Kopf ins lange Eck zum etwas überraschenden Chemnitzer Führungstreffer verlängerte.
Die Duda-Schützlinge wehrten sich im Kollektiv weiter mit hoher Einsatzbereitschaft gegen wütende Angriffswellen der Hausherren – und versuchten ihrerseits immer wieder Entlastungsangriffe zu setzten.
Eine lange Hereingabe erreichte Veron Dobruna, der richtig spekulierte und den Ball aus der Luft mit viel Kraft in die Maschen des Chemnitzer Tore versenkte. Ein schöner Treffer der Zwickauer zum Ausgleich nach einem einfachen Muster (63.).
Nur vier Minuten später hätte der FSV die Partie fast komplett gedreht, aber Fobassam zielte aus aussichtsreicher Position zu ungenau. Da war mehr für die Gastgeber drin.
Für die Chemnitzer ging es jetzt darum, dem Druck der Zwickauer stand zu halten und kein weiteres Tor mehr zu kassieren. In der 70. Spielminute feierten dann Stürmer Dejan Bozic und Mittelfeldspieler Tom Baumgart nach langer Verletzungspause ihr Pflichtspiel-Comeback für den CFC.
Wilde Schlussphase findet keinen Sieger
Doch dann war plötzlich ein Umschwung in der Partie in Sicht. In der 79. Minute setzte Jahn Herrmann zu einer Schwalbe an, um einen Elfmeter zu schinden. Schiedsrichter Christopher Gaunitz schickte die Offensivkraft folgerichtig frühzeitig zum Duschen und stellte damit auf Gleichzahl.
Im Anschluss ergab sich für den CFC plötzlich die große Chance zur erneuten Führung. Nach einem Handspiel im Strafraum der Gastgeber zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt. Dejan Bozic übernahm die Verantwortung beim Comeback, lief an und schob den Ball vor der pfeifenden Haupttribüne eiskalt unten rechts ins Netz (85.) – 2:1 für die Himmelblauen!
Und nicht nur das, es bleibt auch eine romantische, fast schon kitschige Geschichte. Nach 281 Tagen ungewisser Verletzungszeit kehrte der Chemnitzer Top-Stürmer im Bezirksderby gegen den FSV Zwickau zurück auf den Rasen und verwandelte in der fast ausverkauften GGZ-Arena nur 15 Minuten nach seiner Einwechslung den Elfmeter zum 2:1 – Wahnsinn!
Doch die Euphorie währte nur kurz. Der nach einem Aufeinandertreffen mit Startsev in der ersten Halbzeit verwarnte Seo ließ sich beim Jubel zu einer Provokation gegenüber den Zwickauer Fans hinreißen und sah daraufhin die Ampelkarte. Der CFC musste die Schlussminuten also erneut in Unterzahl bestreiten – neun gegen zehn war angesagt.
Und es kam noch bitterer: Nur wenige Minuten nach dem erneuten Führungstreffer gab es plötzlich auch auf der anderen Seite Elfmeter. Beim Kopfballduell im eigenen Strafraum geriet Zickert mit Fobassam aneinander – eine höchst umstrittene Entscheidung. Zwickaus Somnitz ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und traf zum 2:2-Ausgleich (90.).
Fast hätte der FSV das Spiel noch komplett gedreht: Nach einem wilden Getümmel im Chemnitzer Strafraum lag der Ball frei zum Einschieben bereit, doch mit vereinten Kräften konnten die Chemnitzer den Einschlag verhindern (90.+3). Am Ende blieb es beim 2:2 – ein nervenaufreibendes, hochdramatisches Bezirksderby mit jeder Menge Emotionen, fragwürdigen Entscheidungen und einem gerechten, wenn auch hart erkämpften Punkt für die Himmelblauen.
Trotz der Enttäuschung über den Last-Minute-Gegentreffer ist es eine Leistung, auf der die Himmelblauen in den kommenden Tagen Aufbauen können. Durch mannschaftliche Geschlossenheit hielt die Duda-Elf trotz lange Unterzahl gegen. Am Mittwoch geht es dann bereits bei Viktoria Berlin weiter mit dem Nachholspiel des 17. Spieltags. Der FSV Zwickau ist am kommenden Sonntag beim VFC Plauen zu Gast.
FSV Zwickau – Chemnitzer FC 2:2 (0:0)
FSV: Hiemann 30 – Startsev 15 (87. Riesen 21), Sengersdorf 16, Fobassam 22, Senkbeil 4, Martens 11 (74. Albert 5) – Dobruna 28 (87 Klein 24), Könnecke 13 (C) (74. Somnitz 8), Dittrich 17, Eixler 18 (59. Zimmermann 33) – Herrmann 10
CFC: Adamczyk 1 – Lihsek 8, F. Müller 23, Zickert 21, Reutter 16 – T. Müller 38 (C), Erlbeck 6 – Seo 14, Mergel 10 (87. Seidel 7), Damer 13 (70. Baumgart 29) – Eshele 20 (70. Bozic 33)
Tore: 0:1 F. Müller (55.), 1:1 Dobruna (63.), 1:2 Bozic HE (85.), 2:2 Somnitz FE (90.)
Zuschauer: 9.094
Besondere Vorkommnisse: 39. Rote Karte Erlbeck (Foulspiel), 79. Gelb-Rote Karte Herrman (Schwalbe), 87. Gelb-Rote Karte Seo (Provokation)



