Einwurf: Das Interview aus dem Trainingslager
Körperliche Fitness und Ausdauer sind im Fußball das A und O, um optimale Leistung abrufen zu können. Aus diesem Grund bestehen die Trainingseinheiten im Trainingslager unserer Himmelblauen nicht nur aus Übungen mit dem Ball, sondern auch aus jenen ohne das runde Leder. Unter den strengen Augen von Hermann Kretschmann gilt es für unsere Jungs, diverse Laufeinheiten und Kraftübungen zu absolvieren. Doch nicht nur während der offiziellen Einheiten auf dem Rasen fließt der Trainingsschweiß in Strömen, sondern auch im Fitnessstudio, wo unsere Jungs in Abstimmung mit Hermann Kretschmann die eine oder andere Sonderschicht schieben. Im nachfolgenden Interview gibt unser Athletiktrainer nun Einblick in seine Arbeit und worauf es beim Athletiktraining im Fußball ankommt.
Herr Kretschmann, seit vielen Jahren sind Sie für die Athletik- und Rehamaßnahmen bei den Himmelblauen verantwortlich? Zuvor waren Sie lange Jahre als Sportler und Trainer in der Leichathletik aktiv. Wie kam es zum Wechsel in den Fußballbereich?
Hermann Kretschmann: Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich selbst Fußball gespielt, zugleich aber auch aktiv Leichtathletik betrieben. Nachdem ich in meiner Alterklasse DDR-Meister im Schlagballweitwurf wurde und zudem einen neuen DDR-Rekord im Vierkampf aufstellte, habe ich mich dann gänzlich für die Leichtathletik entschieden. Im Anschluss an mein Studium an der DHfK in Leipzig habe ich als Trainer am Olympiastützpunkt gearbeitet und dabei Athleten wie Ute Homola betreut, die bei den olympischen Spielen in Moskau 1980 Bronze gewann. Als gegen Ende der Achtziger Jahre die Perspektivsportler fehlten, wollte ich mich umorientieren und in eine andere Sportart wechseln. Erste Kontakte zum FC Karl-Marx-Stadt hat es dann unter Trainer Heinz Werner gegeben, dessen Nachfolger, Hans Meyer, mich dann 1988 letztlich zum Verein geholt hat.
Im Fußball gibt es sicherlich gewisse Grundvoraussetzungen die jeder Spieler mitbringen sollte. Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den einzelnen Spielpositionen und den entsprechenden Trainingsinhalten eines jeden Einzelnen?
Hermann Kretschmann: Ein wichtiges Unterpfand im Fußball ist die nötige Grundschnelligkeit, die die Spieler mitbringen sollten. Ansonsten gibt es Schwerpunkte, die sich von Position zu Position unterscheiden und auf Basis derer das Training gestaltet wird. Ein Torhüter etwa sollte über gute Sprung- und Schnellkraft sowie Beschleunigung verfügen. Für Außenbahnspieler hingegen ist Schnelligkeit von Bedeutung, während zentrale Mittelfeldspieler über gute Ausdauerwerte verfügen sollten. So zeichnete sich Michael Ballack zum Beispiel als richtiges Laufwunder mit einer exzellenten Physis aus.
Ist es im Fußball üblich für jeden Spieler individuelle Trainingspläne zu erarbeiten?
Hermann Kretschmann: Individuelle Trainingspläne sind früher eher in der Leichtathletik erstellt worden. Seitdem jedoch auch im Fußball immer mehr technische Hilfsmittel der Spielanalyse Einzug gehalten haben, ist es möglich, auch hier spezielle Vorgaben zu erstellen oder Stärken und Schwächen der Spieler mittels Videoanalyse aufzuzeigen. Allerdings verfügen Drittligisten hierbei bei weitem nicht über die technischen Voraussetzungen, wie die Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Von daher ist gerade hier der individuelle Dialog mit den Spielern wichtig, um eigene Schwachstellen aufzuzeigen und an diesen adäquat zu arbeiten. Allgemein gilt es, Defizite zu minimieren, die Stärken aber gleichzeitig beizubehalten, was manchmal einem Spagat gleichkommen kann.
In den letzten Jahren hat im Profifußball eine ganze Reihe neuer Methoden Einzug gehalten, die nun das Fitnesstraining teilweise prägen. Man denke zum Beispiel an Jürgen Klinsmann und dessen Training mit Gymnastikbändern. Wie sehr hat sich das Athletiktraining gewandelt?
Hermann Kretschmann: Der Fußball an sich ist viel athletischer geworden, weshalb die Trainingsintensität in diesem Bereich intensiver als noch vor einigen Jahren ist. Was einzelne Methodiken anbelangt, sind viele so genannte neue Erkenntnisse bereits seit langem Gang und Gäbe. Den gleichen Trainingseffekt von Gymnastikbändern erreichen wir bereits seit Jahren durch Zugwiderstandsläufe. Viel entscheidender als das jeweilige technische Hilfsmittel, welches innerhalb des Trainings zur Anwendung kommt, ist eine saubere Durchführung der Bewegungsabläufe.
Gerade nach einer langen Verletzungspause ist es wichtig, dass die Spieler schnell wieder ihr ursprüngliches Leistungsniveau zurückerlangen. Worauf gilt es dabei zu achten?
Hermann Kretschmann: Von Bedeutung ist die Abstimmung mit dem betreffenden Spieler. Dafür benötigt man einen guten Draht zueinander, denn nur so kann eine optimale Rückkopplung stattfinden. Zudem müssen die Spieler die Signale ihres Körpers richtig zu deuten wissen, da die Trainingsintensität nach einer Verletzungspause vorsichtig erhöht werden sollte.
Kommen die Spieler auch von sich aus mit der Bitte, ein Zusatztraining absolvieren zu wollen, um eigene Defizite abzubauen?
Hermann Kretschmann: Unsere Mannschaft ist für zusätzliche Tipps sehr aufgeschlossen. In der letzten Saison habe ich unter anderem auf Bitten von Christian Mauersberger, Tom Scheffel und Florian Hansch für diese zusätzliche Trainingsinhalte erstellt. Auch hier ist der persönliche Kontakt sehr wichtig. In Einzelgesprächen sagen mir die Spieler, was sie gerne zusätzlich trainieren möchten und wir erstellen dann gemeinsam einen Plan. Ein Trainingslager eignet sich für diese Abstimmung wirklich hervorragen, da ein intensiverer Dialog möglich ist, als im normalen Trainingsablauf.
Bekommt unsere Mannschaft auch für die "fußballfreie Zeit", wie Sommer- oder Winterpause spezielle Hausaufgaben gestellt?
Hermann Kretschmann: Ich empfehle den Spielern immer, dass sie auf keinen Fall komplett passiv sein sollten, damit die Grundausdauer nicht leidet. Ansonsten ist es wichtig, auch einmal abzuschalten und andere Sportarten, wie Tennis oder Volleyball zu praktizieren.
Wie halten Sie sich mit 73 Jahren eigentlich jeden Tag fit?
Hermann Kretschmann: Ich mache zwar nicht mehr jeden Tag Sport, doch zweimal wöchentlich gehe ich schon noch in den Kraftraum. Ansonsten sind Gartenarbeit und Fahrradfahren ideal, um sich fit zu halten.



