Einwurf: Das Interview aus dem Trainingslager
In vielen Vereinen der 1. und 2. Fußball-Bundesliga ist die Videoanalyse mittlerweile ein fester Bestandteil für die Spielvor- und -nachbereitung. Auch in der 3. Liga bedienen sich viele Klubs dieses Hilfsmittels. Dazu gehört seit der Rückrunde der Saison 2013/14 auch der Chemnitzer FC. Seit dieser Saison begleitet Daniel Wölfel bei unseren Himmelblauen das Amt des Videoanalysten. Für die Homepage führten wir mit ihm folgendes Interview.
Daniel, du bist für den Chemnitzer FC der Mann an der Videokamera, dem keine Spielszene verborgen bleibt und der als Videoanalyst die Arbeit unseres Trainerteams unterstützt. Seit wann begleitest du dieses Amt bei unseren Himmelblauen?
Daniel Wölfel: Das erste Mal habe ich im letzten Testspiel der Saisonvorbereitung gegen HB Köge hinter der Kamera gestanden, danach dann auch zu den Heimspielen die Videos für die Spielanalyse erstellt. Da Karsten Heine bereits zu seiner Zeit bei Hertha BSC Berlin Videoanalysen durchführen ließ, wollte er dieses Mittel der Gegnervorbereitung auch in Chemnitz umgesetzt wissen. Aus diesem Grund wandte sich Stephan Beutel mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte für die 1. Mannschaft als Videoanalyst tätig zu sein, an mich.
Die Videoanalyse ist bisher vor allem in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga verbreitet gewesen. Inwieweit kommt dieses technische Hilfsmittel in der 3. Liga zur Anwendung?
Daniel Wölfel: Fast alle Drittligisten dürften inzwischen auf die Videoanalyse setzen, allerdings nutzen die meisten hierfür den externen Dienstleister "Die Ligen". Was die Videoaufzeichnung anbelangt, ist der CFC einer der wenigen Vereine, die dies in Eigenregie betreiben.
Welche Vorteile bietet ein Videomitschnitt der komplett in Eigenregie angefertigt wird gegenüber der externen Lösung über "Die Ligen"?
Daniel Wölfel: Die individuelle Aufbereitung ermöglicht eine schnellere Analyse, zudem können spezielle Schwerpunkte gesetzt werden, Spielszenen individuell kategorisiert und mit Titeln versehen sowie eine eigene Bildführung durchgeführt werden. Dies ermöglicht genau die Dinge zu fokussieren, die Karsten Heine als wichtig erachtet. Ein externer Dienstleister kann dies nicht abbilden.
Nach der Videoaufzeichnung beginnt die eigentliche Arbeit für den Analysten. Wie lange dauert es, eine Videosequenz mit den relevanten Spielszenen anzufertigen und wie lang sind diese Sequenzen oder wird das komplette Spiel nochmals vorgeführt?
Daniel Wölfel: Torsten Bittermann verfügt über eine Fernbedienung, die er während des Spiels immer bei sich hat. Kommt es zu einer Spielszene, die das Trainerteam als für die Auswertung relevant erachtet, kann mit dieser Fernbedienung ein Signal an die Kamera gesendet werden, wodurch eine Markierung gesetzt wird. Dadurch entsteht eine Vorauswahl an Spielsequenzen, welche nachträglich mit Karsten Heine abgestimmt wird, sodass schlussendlich 10 bis 15 relevante ausgewählt und für die Mannschaftssitzung nachbereitet werden.
Wie lange dauert es, diese Nachbereitung vorzunehmen und in welchem Umfang kommt die Viedeoanalyse des Gegners bei der Spielvorbereitung zum Einsatz?
Daniel Wölfel: Ich schaue mir jedes Spiel noch einmal in voller Länge an, da es sein kann, dass der Trainer das Spiel gerne hinsichtlich weiterer Schwerpunkte analysiert haben will. Die Auswertung wird dann von Karsten Heine im Rahmen der Mannschaftssitzung vorgenommen. Meist wird diese am Dienstag nach dem jeweiligen Spieltag durchgeführt. Zudem fertigen wir von jedem kommenden Gegner ein Video für die Vorbereitung an. Anders als bei der eigenen Spielauswertung, nutzen wir hierfür die Videomitschnitte von „Die Ligen" und bearbeiten diese anhand der Schwerpunkte, die unser Chefscout Lothar Hamann vor Ort bei den betreffenden Spielen ausgemacht hat. Trotzdem wird auch hier nochmals das ganze Spiel in voller Länge angeschaut und nach zusätzlichen Informationen gesucht.
Eine Videoanalyse durchzuführen bedarf es also auch eines gewissen Verständnisses für fußballerische Sachverhalte. Inwiefern kommen dir hier deine praktischen Erfahrungen als Trainer im Nachwuchsleistungszentrum zu Gute?
Daniel Wölfel: Sachverstand ist für die Videoanalyse natürlich von Vorteil. Ich engagiere mich seit mittlerweile 13 Jahren in der Nachwuchsausbildung und besitze als Trainer die B-Lizenz, zudem war ich bis Sommer 2014 Co-Trainer der U23. Die Erfahrungen aus dieser Zeit haben mir sehr geholfen. Außerdem ist es wichtig zu wissen, worauf Karsten Heine wert legt. Deshalb sprechen wir uns nach jedem Spiel ab und er gibt mir zusätzliche Hinweise, welche Szenen prägnant waren und analysiert werden sollen.
In welchem Umfang kommt die Videoanalyse noch zum Einsatz außer bei der Spielvor- und - nachbereitung?
Daniel Wölfel: Es kommt auch vor, dass wir spezielle Videos mit gelungen Spielszenen erstellen, die die Spieler zusätzlich motivieren sollen.
Daniel Wölfel, recht herzlichen Dank für dieses Interview.



