Erlbecks Eiertor entscheidet den Ostklassiker – CFC schlägt Erfurt 2:0 am Ostersonntag
Am 30. Spieltag stand der Chemnitzer FC im Ostklassiker einem formstarken FC Rot-Weiß Erfurt gegenüber. Nach einem schwierigen Saisonstart und einem radikalen Umbruch, der 49 Sommer- und Wintertransfers mit sich brachte, haben sich die Thüringer inzwischen in der Spitzengruppe der Regionalliga Nordost etabliert. Folglich reisten sie mit breiter Brust ins Stadion – An der Gellertstraße. Für die Himmelblauen ging es an diesem Ostersonntag vor 5.871 Zuschauern darum, ihre Serie von vier ungeschlagenen Spielen in Folge weiter auszubauen. Das gelang eindrucksvoll dank einer fast schon kitschigen Comeback-Story.
Cheftrainer Benjamin Duda konnte nach wochenlanger Verletzungspause erstmals wieder auf Niclas Erlbeck im Spieltagskader bauen. Der 32-jährige Routinier musste eine hartnäckige Fußentzündung auskurieren.
Im Spiel gegen Erfurt begann der CFC gleich mit fünf Änderungen in der Anfangself. Tom Baumgart fehlte aufgrund einer Gelbsperre, Luis Fischer musste wegen einer Oberschenkelzerrung passen. Fynn Seidel und Roman Eppendorfer nahmen zunächst auf der Bank Platz, Ole Schiebold stand nicht im Kader. Dafür kehrten Nils Lihsek, Artur Mergel, Jong-min Seo, Felix Müller und Kapitän Tobias Müller in die Startformation zurück.
Vor stimmungsvoller Kulisse früh Gefahr durch die Gäste
In einer intensiv geführten und aufgrund beider Fanlager äußerst stimmungsvollen Partie präsentierte sich zunächst Rot-Weiß Erfurt als das aktivere und spielbestimmendere Team. Die Gäste wirkten bei sommerlichen 20 Grad über weite Teile des ersten Durchgangs agiler, suchten immer wieder den direkten Weg nach vorn und sorgten vor allem über Tempogegenstöße regelmäßig für Torgefahr. Die Chemnitzer taten sich in den ersten 20 Minuten schwer – auch, weil die Leichtigkeit fehlte, zu viele Abspielfehler den eigenen Ballbesitz zu schnell zunichtemachten und der Spielvortrag deshalb insgesamt etwas verkopft wirkte.
Bereits in der 5. Minute musste der CFC tief durchatmen, als Ugondu von der Grundlinie in den Strafraum passte und Adamczyk den Ball nicht festhalten konnte – erst in höchster Not konnten die Himmelblauen im zweiten Versuch klären. Nur zwei Minuten später strich ein weiterer Abschluss von Ugondu hauchdünn am langen Pfosten der Chemnitzer vorbei. Die Gastgeber hatten in dieser Phase Glück, nicht früh in Rückstand zu geraten.
Zwei dicke Chancen für Seo
Auch wenn Erfurt mehr vom Spiel hatte, bot sich den Himmelblauen die große Chance auf den Führungstreffer: Nach einem schnellen Gegenstoß lief Jong-min Seo in der 23. Minute von halblinks frei auf das gegnerische Tor zu, zögerte jedoch einen Moment zu lang und scheiterte schließlich an RWE-Keeper Otto – zum Unmut von Bozic und Damer, die im Zentrum mitgelaufen waren. In der 34. Minute war es erneut Seo, der allein vor Otto auftauchte. Der Erfurter Torhüter ging volles Risiko, wischte den Ball im letzten Moment weg und klärte kompromisslos im Strafraum.
Erfurter Treffer wird nach Abseitsposition einkassiert
In der 43. Spielminute ging es wieder auf der anderen Seite zur Sache, und der Ball lag erstmals im CFC-Kasten – doch die Fahne des Assistenten ging hoch. Trübenbach antizipierte eine Freistoßeingabe und vollendete gegen die Laufrichtung von Daniel Adamczyk, stand bei dieser Situation jedoch im Abseits.
Remis zur Pause im Ostklassiker
So blieb es zur Pause beim torlosen Remis – aus Sicht des CFC ein durchaus glücklicher Zwischenstand nach 45 Minuten, in denen Erfurt das strukturiertere Spiel zeigte und deutlich mehr zwingende Aktionen in der Offensive hatte. Doch die Himmelblauen brauchten sich in dieser Partie nicht zu verstecken, denn die Zuschauer auf der Fischerwiese sahen ein attraktives und offenes Regionalliga-Spiel. Das gab allen CFC-Fans Mut für Teil zwei des Spiels.
Der CFC-Express nimmt Fahrt auf
Und dieser brachte den CFC-Express so richtig ins Rollen! Mit dem bis dahin schönsten Spielzug der Partie gingen die Himmelblauen in der 52. Spielminute in Führung: Lihsek wurde nach einem hohen Ballgewinn von Bozic per gefühlvollem Chipball in den Strafraum geschickt. Der Edeltechniker legte clever quer – und Jong-min Seo rauschte mit vollem Risiko heran, kam gerade noch vor dem Verteidiger an den Ball und jagte das Leder mit dem Vollspann wuchtig unter die Latte. Sein siebter Saisontreffer – 1:0 für den Chemnitzer FC!
Chemnitzer Wirkungstreffer
Der Führungstreffer zeigte spürbar Wirkung: Die Erfurter wirkten geschockt und verloren die Struktur, die sie im ersten Durchgang noch ausgezeichnet hatte. Der CFC hingegen kopierte nun phasenweise das Spiel der Thüringer, zog sich zurück und lauerte auf schnelle Umschaltmomente. Aus einer stabilen Defensive heraus zeigte sich die Duda-Elf nun deutlich konsequenter im Spiel nach vorn.
Der CFC dreht auf – Erlbeck mit dem Gänsehautmoment
Chemnitz wurde variabler, galliger und presste die verunsicherten Erfurter immer wieder früh. In der 74. Minute folgte dann der nächste Gänsehautmoment: Nicht einmal vier Minuten war Rückkehrer Niclas Erlbeck auf dem Feld, als ihm nach einer zu kurz geklärten Hereingabe das Leder vor die Füße fiel. Der 32-Jährige fackelte nicht lange und zog aus 16 Metern ab – sein Schuss wurde unhaltbar abgefälscht und trudelte zum 2:0 über die Linie, direkt vor der Südkurve. Ein emotionaler Treffer beim Comeback des Routiniers nach zwei Monaten Verletzungspause.
Direkt im Gegenzug verpasst der Ex-Chemnitzer Benjika Caciel den Anschluss. Frei aus elf Metern schob er den Ball in Adamczyks Arme.
Chemnitz dem 3:0 näher als Erfurt dem Anschluss
Der CFC hatte das Spiel nun komplett unter Kontrolle. Defensiv stabil, offensiv zielstrebig – und dem dritten Treffer näher als die Erfurter dem Anschluss. Die größte Möglichkeit hatte Kapitän Tobias Müller in der 82. Minute, als er nach starker Vorarbeit von Bozic das 3:0 auf dem Fuß hatte. Doch der stramme Pass versprang bei der Ballannahme zu weit, sodass Otto im RWE-Tor zupacken konnte. In der Schlussphase blieb Erfurt zwar bemüht, echte Torgefahr entwickelten die Gäste jedoch nicht mehr.
In der 84. Minute sorgte eine strittige Szene noch einmal für Aufregung: RWE-Keeper Otto stand bei einem Klärungsversuch wohl außerhalb des Strafraums – die Pfeife der Unparteiischen blieb jedoch stumm.
Serie hält – Platz 7 erobert
Mit dem 2:0-Erfolg gegen Rot-Weiß Erfurt feiert der Chemnitzer FC nicht nur einen verdienten Heimsieg, sondern auch ein emotionales Comeback: Routinier Niclas Erlbeck krönt seine Rückkehr nach zweimonatiger Verletzungspause mit dem entscheidenden Treffer. Durch den fünften ungeschlagenen Auftritt in Serie festigt der CFC Tabellenplatz 7 und bleibt im Rennen um die oberen Tabellenplätze weiter auf Kurs.
Weiter geht’s für die Himmelblauen am kommenden Sonntag, den 27. April, mit dem Auswärtsspiel bei der VSG Altglienicke. Rot-Weiß Erfurt empfängt bereits am Samstag ab 16 Uhr den VFC Plauen, aktuell Tabellenletzter der Regionalliga Nordost.
Chemnitzer FC – FC Rot-Weiß Erfurt 2:0 (0:0)
CFC: Adamczyk 1 – Walther 4, F. Müller 23, Zickert 21, Reutter 16 – Lihsek 8 (90. Karimani 18), T. Müller 38 (C) (90. Rücker 17), Mergel 10 (70. Erlbeck 6) – Seo 14, Bozic 33 (90. Eshele 20), Damer 13 (80. Seidel 7)
RWE: Otto 1 – Felßberg 18 (67. Santana Soares 16), Fabinski 21, Awoudja 6, Moritz 2 – Maluze 30 (58. Boboy 27), Schwarz 3 (C) (77. Uzun 19), Caciel 8 – Trübenbach 7 (67. Langner 28), Ugondu 13, Aboagye 23 (77. Kaufmann 36)
Tore: 1:0 Seo (53.), 2:0 Erlbeck (73.)
Zuschauer: 5.871



