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09.07.2024 - 14.06 Uhr | Vereinsnachrichten

Fährmann, Torunarigha, Ganaus und eine ungarische Unbekannte: Fußballprofis mit himmelblauer Vergangenheit

Es sind die letzten ruhigen Minuten im Kabinengang, bevor es in ein ausverkauftes, rappelvolles Stadion in Wien geht. Über 50.000 Zuschauer sitzen auf den Rängen und knapp dreißig Millionen zittern unter totaler Anspannung allein in Deutschland vor dem Fernseher. Xavi kehrt noch einmal in sich, Andres Iniesta fokussiert sich ein letztes Mal für eines der größten Spiele, die es für einen Fußballer überhaupt geben kann.

Auf der Gegenseite reihen sich Spieler wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Phillip Lahm hinter ihrem Kapitän ein. Hinter dem Kapitän! Hinter dem Capitano! Es ist das EM-Finale 2008 zwischen Deutschland und Spanien und Michael Ballack, ein Junge aus Görlitz, einer, der das himmelblaue Dress trug, führt die deutsche Nationalmannschaft ein letztes Mal als Anführer bei einem großen Turnier auf das Feld. Ein letztes Mal auf der größten Bühne im Sport.

Michael Ballack ist mit Sicherheit der bekannteste Zögling der CFC-Jugendarbeit, einem der großen Aushängeschilder des Chemnitzer FC. Das Zwei-Sterne-Nachwuchsleistungszentrum ist ein wichtiger Teil der himmelblauen Fußball-DNA. In jedem Jahr brechen Jugendspieler in den Profikader der Chemnitzer durch. Einige schaffen den Sprung allerdings nicht und gehen einen anderen Weg, um ihren Traum vom bezahlten Fußball wahr zu machen. Doch wie viele Spieler, die ihre Schuhe in jungen Jahren am Neubauernweg oder im Sportforum schnürten, halten sich aktuell noch auf Profiniveau?

Chris Löwe

Ein großer Name beendete im vergangenen Frühjahr seine Karriere im himmelblauen Trikot: Chris Löwe. Deutscher Meister und Pokalsieger mit Borussia Dortmund, Premier-League-Aufsteiger mit Huddersfield und künftiger Sportdirektor seines Jugendclubs. Der gebürtige Plauener verbrachte zwischen 2002 und 2011 neun Jahre beim CFC, bevor er sich zu Jürgen Klopp aufmachte.

Ralf Fährmann

Erste Schritte in der Bundesliga setzte Ralf Fährmann in derselben Region wie Chris Löwe, allerdings beim Lokalrivalen. Nach fünf Jahren im CFC-Nachwuchs (1998 – 2003) wechselte der Keeper in die Knappenschmiede auf Schalke zu Talentschmied Norbert Elgert. Am 13. September 2008 debütierte der Karl-Marx-Städter dann in der höchsten deutschen Spielklasse bei einem spektakulären 3:3 im Revierderby gegen den Rivalen aus Dortmund. Die Gelsenkirchener verspielten eine 3:0-Führung im Westfalenstadion in nur 21 Minuten und traten die Heimreise mit einem Punkt im Gepäck an. Knapp zehn Jahre später (November 2017) rächte sich Königsblau dafür beim legendären 4:4 nach 0:4-Pausenrückstand beim BVB

Jordan Torunarigha

Bundesligaerfahrung durfte auch Jordan Torunarigha sammeln. Der 25-Jährige ging allerdings schon deutlich früher den Schritt weg vom CFC in die Jugend der Hertha aus Berlin. 2006 wechselte der Innenverteidiger mit neun Jahren in das NLZ der Hauptstädter. Elf Jahre später betrat er bei einem 1:0-Erfolg in der neunzigsten Spielminute mit nur 19 Jahren für Vedad Ibisevic das erste Mal Bundesligarasen. Seit Januar 2022 spielt Torunarigha erfolgreich beim belgischen Erstligisten KAA Gent, durfte zwanzig Mal in der Conference League ran und konnte im Oktober 2023 sogar für die nigerianische Nationalmannschaft auflaufen.

Noah Ganaus und Jermain Nischalke

In der 3. Liga kamen in der vergangenen Saison vier ehemalige Chemnitzer Jugendspieler zum Einsatz, auch wenn zwei davon nur kurz bei den Himmelblauen verweilten. Noah Ganaus und Jermain Nischalke – viral gegangen nach seiner Leihe zum BVB in der vergangenen Saison und unzähligen Wortspielen – trugen vor kurzem noch ein CFC-Trikot. Nischalke kam 2020 nach Stationen bei Union Berlin und der SG Dynamo Dresden nach Chemnitz und spielte sogar drei Spiele in der Regionalliga Nordost für die Himmelblauen.Ohne sich durchsetzen zu können, ging es weiter zum 1. FC Nürnberg, bevor der BVB das Offensivtalent für die U23 auslieh. In der 3. Liga kam Nischalke auf zwölf Einsätze (kein Scorer) und zieht nun im Sommer weiter in die Regionalliga Südwest zum FC Homburg 08.

Ganz anders lief es bei Noah Ganaus, der in der Saison vor Nischalkes Ankunft in Chemnitz Teil der himmelblauen U19 war. Nach dem Jahr in Sachsen trat Ganaus einen Schritt zurück in die Oberliga Baden-Württemberg zum SSV Reutlingen 05, nur um sich in seiner zweiten Saison mit zehn Toren und einer Vorlage in 19 Spielen für seinen Jugendclub zu bewerben. Im Sommer 2022 unterschrieb er beim VfB Stuttgart und traf in der Regionalliga-Mannschaft genauso weiter wie in Reutlingen. Elf Tore und drei Vorlagen in 29 Spielen der Regionalliga Südwest reichten dem Zweitligaabsteiger SSV Jahn Regensburg, um den Mittelstürmer unter Vertrag zu nehmen. Auch der erneute persönliche Aufstieg sorgte bei Ganaus nicht für Probleme. Mit zehn Toren und drei Vorlagen schoss er die Regensburger über die Relegation in diesem Jahr zurück in die 2. Bundesliga.

Tom Baumgart und Niklas Landgraf

Ebenfalls in der 3. Liga liefen Niklas Landgraf und Tom Baumgart auf. Beide mussten den Abstieg mit dem Halleschen FC hinnehmen. Landgraf geht in der kommenden Spielzeit mit den Hallensern in die achte gemeinsame Saison und seine erste in der Regionalliga Nordost. 2010 ging es für den Innenverteidiger nach sechs Jahren CFC zur SG Dynamo Dresden. Nachdem er sich dort nicht in der ersten Mannschaft durchsetzen konnte, wechselte er 2017 zum Halleschen FC und war auf Anhieb Stammspieler.

Tom Baumgart spielte ganze acht Jahre beim CFC, debütierte 2016 unter Karsten Heine für die erste Mannschaft und verließ die Himmelblauen nach dem Abstieg 2018 gen 2. Bundesliga. Nach dem HFC-Abstieg der Vorsaison kehrte der Mittelfeldspieler in diesem Sommer zurück zu seinem Ausbildungsclub. Bis hierhin konnte er 94 Einsätze in der 3. Liga und 65 Einsätze in der 2. Bundesliga sammeln. Ab Sommer kommen nun seine ersten Regionalligaspiele dazu.

Erik Tallig

Einen gültigen Vertrag in der 3. Liga besaß auch Erik Tallig in der vergangenen Rückrunde. Der ehemalige Himmelblaue (2009 – 2020) stand nach Kreuzbandverletzung im vergangenen Sommer ohne Vertrag da, da 1860 München ihm keine Verlängerung anbot. Bis zum Winter machte sich der Flügelspieler wieder fit inklusive Kurzaufenthalt in der Vorbereitung der Chemnitzer. Der SSV Jahn Regensburg nahm Tallig dann unter Vertrag. Leider verletze er sich im Februar ohne Einsatz für die Bayern erneut schwer am Kreuzband und ist seit diesem Sommer abermals vertragslos. Trotzdem konnte der 24-Jährige bereits 122 Drittliga-Spielen seinen Stempel aufdrücken.

Tim Campulka

Den Weg hoch in Liga drei machte nun ein weiteres Chemnitzer Eigengewächs. Auf den Wechsel im Vorsommer nach Cottbus folgte in dieser Saison der Aufstieg mit Energie für Tim Campulka. Nach 116 Spielen in der Regionalliga Nordost scheint der Aufstieg nun der logische nächste Schritt für den 25-jährigen Innenverteidiger, der zwischen 2014 und 2023 an der Gellertstraße zu Hause war.

Mauersberger, Hansch, Jindaoui und Co.

Gerade in der Regionalliga tummeln sich einige Chemnitzer Jugendspieler. Insgesamt 23 Spieler mit himmelblauem NLZ-Hintergrund schnürten ihre Schuhe in der vergangenen Saison auf Deutschlands vierthöchster Spielebene, 19 davon in der Regionalliga Nordost. Darunter der aktuell vereinslose Nader Jindaoui. 2014 kam der Internetstar aus Cottbus und verbrachte ein Jahr in der CFC-U19. Mit heute 27 Jahren kann der Flügelspieler auf 159 Regionalligaspiele, 58 Scorer (größtenteils Berliner AK, Hertha BSC II und Babelsberg 03) und einen Einsatz über 28 Minuten in der 2. Bundesliga zurückblicken. Auch weitere CFC-bekannte Namen wie Florian Hansch (ZFC Meuselwitz), Christian Mauersberger (Stuttgarter Kickers) oder der hochtalentierte Fynn Seidel (SV Meppen) verdienen ihre Brötchen in den Regionalligen Deutschlands.

Gergö Holdampf – Erstliga-Profi in Ungarn

Zum Abschluss geht es um einen etwas unbekannteren Namen. Einen ungarischen U20-Nationalspieler und zentralen Mittelfeldspieler, der neun Monate beim Chemnitzer FC verbrachte: Gergö Holdampf. Der Ungar spielte von Januar 2013 bis September 2013 gemeinsam mit Hansch und Mauersberger in der Chemnitzer U19 - seine einzige Station außerhalb Ungarns.

Neben zwölf Einsätzen in der U19 lief Holdampf vier Mal in der Oberliga für die zweite Mannschaft des CFC auf. Danach ging es zurück zu seinem Jugendverein Zalaegerszegi TE FC in die zweite ungarische Liga. Bei insgesamt sieben verschiedenen Vereinen sammelte der heute 29-Jährige 233 Zweitligaeinsätze in Ungarn und 42 Spiele im ungarischen Oberhaus. Daraus werden in der kommenden Saison einige mehr. Den Diosgyori VTK – Jugendclub von Freiburgs Roland Sallai – führte Holdampf als Kapitän 2022/23 nach zwei Jahren zurück in die erste Liga Ungarns und hielt in der abgelaufenen Saison die Klasse.

Ab dem kommenden Wochenende (13. /14. Juli) starten die U19- und die U17-Junioren bereits mit Testspielen in die Vorbereitung zur Saison 2024/25. Möglicherweise sind da schon die nächsten Kandidaten für diese Liste aktiv.