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22.05.2019 - 13.43 Uhr | Top-News

„Freundschaften, die über Jahre halten.“

Am Ende der Saison ist Schluss: Für Dennis Grote, in Chemnitz. Der CFC-Kapitän wechselt zur Saison 2019/20 zu Rot-Weiss Essen. Zurück in die Heimat, zurück zur Familie. Steffen Wunderlich sprach vor dem Heimspiel gegen Bischofswerda mit dem 32-Jährigen über seine Zeit in Chemnitz, den bevorstehenden Abschied und die Bedeutung der Mannschaft als Familienersatz.

Hallo Dennis. Es ist leider soweit. Deine Zeit beim Chemnitzer FC neigt sich dem Ende entgegen. Wie geht es dir damit? Hast du erste Gedanken an den Moment des Abschieds?
Ich habe mich schon damit beschäftigt, dass es immer wenige Tage werden. Aber das richtige Abschiedsgefühl ist noch nicht gekommen. Dafür sind mir die letzten beiden Spiele viel zu wichtig. Mein Fokus liegt deshalb noch ein bisschen mehr woanders. Ich denke aber, das Abschiedsgefühl wird noch vor dem letzten Spiel kommen.

Dein Abschiedsspiel hättest du dir selbst kaum besser basteln können. Über 10.000 Zuschauer, Pokalfinale, Derby.
Gerade mit dem Hintergrund, dass wir in dieser Saison trotz des Aufstiegs nur wenige solcher emotionalen Highlights hatten, bin ich froh, dass wir noch dieses Finale haben. Wir haben uns als gesamte Mannschaft so einen Saisonabschluss verdient – ganz unabhängig von meiner Person.

Du warst drei Jahre in Chemnitz. Abstieg, Insolvenz, Aufstieg, Pokalfinale etc. Was bleibt, wenn du zurückguckst?
Es bleibt vor allem, dass wir uns als Familie in Chemnitz immer sehr wohlgefühlt haben. Meine zweite Tochter wurde hier geboren. Die Verbindung zu Chemnitz wird immer bestehen bleiben.

Du warst nach dem Abstieg der erste der gesagt hat: „Ich bleibe“. Gerade mit dem Hintergrund, dass deine Familie zurück in die Heimat gezogen ist, war das sicherlich keine leichte Entscheidung. Warum hast du sie trotzdem so gefällt?
Wir als Familie haben die Entscheidung, dass meine Frau und die Kinder zurück nach Wettringen gehen, schon Ende 2017 fällen müssen. Da waren der Abstieg und die Insolvenz für uns noch nicht vorauszusehen. Wenn wir die 3. Liga gehalten hätten, wäre ich wahrscheinlich schon im Sommer 2018 gegangen. Aber durch den Abstieg und den Trainerwechsel im Winter hat sich vieles geändert. Thomas Sobotzik und Klaus Siemon haben mir eine Perspektive gegeben. Ich hatte durch die Beiden schnell das Gefühl, dass beim CFC wieder etwas entstehen kann. Unter diesen Voraussetzungen war für mich klar, dass ich es versuchen will. Aber schon damals habe ich meiner Frau die Zusage gegeben, dass wenn wir aufsteigen, ich nach dem einen Jahr wieder nach Hause komme.

Das heißt: Wenn wir nicht Meister geworden wären, hättest du weiter für den CFC gespielt?
Das Ziel war, das Ganze wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Es wäre zu einfach zu sagen, in der Regionalliga wäre ich ein weiteres Jahr hiergeblieben. Aber mit diesem Ende war es für mich natürlich leichter zu sagen: Ich habe die Mission erfüllt und kann abschließen.

Aktuell hast du 108 Spiele. Gibt es ein Spiel, an das du dich gerne erinnerst?
Es gab viele tolle Spiele. Aber mir bleibt die Siegesserie, die immer länger und länger wurde, im Gedächtnis. Der Reiz, diese Serie auszubauen, wurde von Spiel zu Spiel innerhalb der Mannschaft immer größer. Das hatte etwas.

Zwei Spiele stehen für dich noch im CFC-Dress an. Hat sich etwas in deiner Vorbereitung verändert?
Wenn es um nichts mehr gehen würde, dann würde ich mich sicher anders verhalten oder alles mehr genießen. Aber ich bereite mich so vor, wie sonst auch. Dafür ist sind die beiden Spiele für uns zu wichtig. Nur weil es mein letztes Spiel ist, werde ich es nicht schleifen lassen.

Wie groß ist die Vorfreude auf das neue Kapitel?
Die Vorfreude ist genauso riesig, wie der Schmerz über den Abschied aus Chemnitz. Ich freue mich darauf, wieder regelmäßig bei der Familie sein zu können. Auch die sportliche Herausforderung ist eine tolle Aufgabe für mich. Ich habe in Essen ähnliche Voraussetzungen: Eine neu zusammengestellte Mannschaft mit ähnlichen Zielen, wie wir vor einem Jahr.

Wir werden dich als Kapitän, aber vor allem als Menschen vermissen. Was wirst du vermissen?
Die Jungs! Wir sind vom ersten Tag an sehr eng zusammengewachsen. So etwas habe ich in meinen vierzehn Profi-Jahren noch nicht in diesem Maße erlebt. Wir haben richtig gute Charaktere. Sie nicht mehr regelmäßig zu sehen, wird mir sehr schwer fallen. Wir sind ein eingeschworener Haufen. Ohne das, wäre der Erfolg dieses Jahr nicht möglich gewesen.

War sie auch ein Ersatz für die Familie, die 500 Km weiter westlich wohnt?
Die Mannschaft hat viel dazu beigetragen, dass die Situation für mich erträglich war und ich es gerne gemacht habe. Es sind einige Freundschaften entstanden, die über Jahre halten werden. Grundsätzlich ist es aber immer schöner, wenn man die Familie bei sich hat. Aber die ein, zwei Tage, die wir in der Woche als Familie gemeinsam hatten, waren dafür umso intensiver.

Das war ganz sicher auch keine einfache Zeit für deine Frau und Kinder?
Wir haben das als Familie gemeinsam gut überstanden. Aber es war von Anfang an klar, dass es kein Dauerzustand sein kann. Für meine Frau war das Leben mit zwei Kindern und dem Job allein deutlich schwieriger. Aber sie hat das alles großartig hinbekommen. Ich bin stolz auf sie.

Was auffällt: Dein Papa ist ständiger Begleiter bei den Spielen.
Ja, er war schon immer sehr reisefreudig, was das angeht. Ich glaube, er hat nur zwei Prozent aller meiner bisherigen Spiele jemals verpasst. Zum Bischofswerda-Spiel kann er leider nicht kommen. Zum Glück haben wir noch das Pokalfinale. (lacht)

Wie viele Karten für das Endspiel musstest du bereits für deine Familie und Freunde organisieren?
Ach, es sind gar nicht so viele. Meine Eltern und Schwiegereltern kommen. Meine Frau kann leider nicht, weil sie beruflich eingespannt ist. Ich denke, dass mit den Tickets wird nächstes Jahr in Essen deutlich schlimmer, da alle Freunde und Bekannte in der Nähe wohnen.

Was ist dein ganz persönlicher Wunsch für deinen letzten Auftritt?
Ich will das Double! Wir alle wollen den Pokal gewinnen. Das wäre ein großartiger Abschluss meiner Zeit in Chemnitz.

Mit welchem Wort würdest du diese rückblickend beschreiben?
Achterbahnfahrt! Es ging immer rauf oder runter, viel hin und her. Manches Mal wurde einem schlecht aber am Ende der Fahrt ist man glücklich. Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht eingestiegen wäre.