"Für uns waren die Derbys immer ganz besonders, weil wir wussten, dass es dort noch mal mehr zur Sache geht."
Am Ostersonntag, den 31. März, ist der FSV Zwickau zu Gast im Stadion – An der Gellertstraße. Es steht wieder ein Bezirksderby an und vor diesen Duellen sollte jede Möglichkeit genutzt werden, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Deshalb haben wir den Rekord-Himmelblauen Ulf Mehlhorn gefragt, welche Erinnerungen er an die Aufeinandertreffen hat und welche Tipps er den himmelblauen Spielern mit seiner guten Bilanz (8S, 5U, 5N) für das Aufeinandertreffen geben kann.
Wenn ich dir den Namen FSV oder Sachsenring Zwickau entgegenwerfe, was ist der erste Gedanke, der dir in den Kopf schießt?
Ulf Mehlhorn: "Nah an uns dran. Heiße Derby gerade zu meiner Zeit. Zuletzt aber leider nicht die besten Erinnerungen, weil wir in Zwickau gerade auch als ich mit Co-Trainer der ersten Mannschaft war, verloren haben. Dieses wichtige Spiel für uns. Ich habe also in jüngster Vergangenheit nicht die besten Erinnerungen." (Rückrunde 2019/20, Zwickau, 37. Spieltag, Zwickau zog durch das direkte Duell am CFC vorbei und schob die Himmelblauen auf einen Abstiegsplatz, den sie trotz Sieges am letzten Spieltag nicht mehr verlassen konnten. Anm. d. Red.).
Was macht diese Derbys aus deiner Sicht denn so heiß?
Mehlhorn: "Gerade zu meiner aktiven Zeit ging es auch darum, dass da eine Betriebssportgemeinschaft gegen einen Club gespielt hat. Es waren alle Spieler aus der Region und man kannte sich. Wir haben uns nicht gehasst oder sonstiges, aber natürlich ging es da um die Vorherrschaft. Man wollte sich auch nicht ein halbes Jahr anhören müssen, dass man das Derby verloren hat und den Siegern auch noch ständig über den Weg laufen."
Wie wichtig ist die Vorherrschaft und der Titel Bezirkshauptstadt auch für die Region?
Mehlhorn: "Ich denke, früher hatte es schon ein bisschen mehr Bedeutung, gerade wegen des Ungleichgewichts Club gegen BSG. Die Spieler wurde ja zum Club delegiert und die BSG’s mussten dann ihre Spieler abgeben. Schon aus dieser Historie heraus hatte das einen anderen Bezug. Ich glaube auch, dass es wichtig war, weil eben auch so viele Spieler aus der Region hier kamen. Große Wechsel quer durch das Land gab es kaum. So wollte auch jeder zeigen, dass er eben der Beste ist und im besten Team spielt."
Und welche dieser Bezirksderby-Erinnerungen ist dir noch am präsentesten und wichtigsten?
Mehlhorn: "Das war tatsächlich nicht gegen Zwickau, sondern gegen Aue. Es war mein erstes Bezirksderby und gleichzeitig auch mein erstes Oberligaspiel überhaupt. Ich habe von Beginn an gespielt. Es war natürlich etwas besonderes, dort in Aue vor der Derbykulis-se aufzulaufen. Es ging auf den Rängen heiß her und das durchgängig und nicht nur bei diesem Derby. Also es war bei jedem einzelnen Bezirksderby in meiner Karriere richtig Stimmung. Es war ja auch vorsichtig gesagt keine allzu große Liebe zwischen den drei Vereinen in der Region hier."
Hast du vor solchen Derbytagen auch eine Veränderung in der Stadt wahrgenommen?
Mehlhorn: "Für uns waren die Derbys immer ganz besonders, weil wir wussten, dass es dort noch mal mehr zur Sache geht auf dem Platz und das dort mit schön spielen wenig zu holen war. Man muss in solchen Spielen den Kampf annehmen, um die Atmosphäre, die dann in diesen Stadien steckt, auf den Platz zu bekommen."
Du sprichst schon die Härte dieser Duelle an. Hat es denn dann auf dem Feld überhaupt eine Rolle gespielt, welches Team gerade besser aufgelegt war?
Mehlhorn: "Das spielte überhaupt keine Rolle. Natürlich wollten wir in jedem Spiel gewinnen, aber gerade in diesen Derbys war es egal, wer in den Spielen zuvor besser war. Es zählte nur, wer in diesem Spiel mehr reingeworfen hat."
Brauchtet ihr dann überhaupt einen Trainer, der euch vor dem Spiel anzünden musste oder wahrt ihr sowieso schon heiß auf das Spiel?
Mehlhorn: "Nein. Da brauchten wir keinen, der uns noch mal eine Rede gehalten hat. Die Ansprachen waren dann meist sehr kurz. Es hat nicht viel gebraucht in diesen Momenten. Die Motivation und der Kampfgeist waren ohnehin schon da."
Kommen wir nun zum Geschehen am kommenden Wochenende. Beide Teams kommen aus einem Lauf und haben sich in der Rückrunde stabilisiert. In der Rückrundentabelle steht Zwickau auf dem 3. Platz und der CFC an 5. Wer ist der Favorit in diesem Duell?
Mehlhorn: "Ich sehe trotzdem bei uns die leichte Favoritenrolle einfach, weil wir zu Hause spielen. Das ist schon ein Vorteil. Beide Teams haben sich wie angesprochen deutlich stabilisiert. Ich denke, es wird ein enges und spannendes Spiel auf Augenhöhe, aber ich sehe dann unsere Jungs doch als Sieger."
Das Ziel sind 10.000 Zuschauer im Stadion – An der Gellertstraße. Welchen Unterschied kann der Support machen?
Mehlhorn: "Das kann natürlich einen großen Vorteil ausmachen. Gerade gegen Ende der Partie werden mit dem Support noch ein paar Prozentpunkte mehr rausgeholt. Auf der anderen Seite habe ich selbst mich immer noch motivierter gefühlt, wenn das Stadion gegen mich war. Das ist dann auch von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Im Großen und Ganzen denke ich, dass es einen Vorteil bringt, zu Hause zu spielen. Nervös dürfte eigentlich keiner der Jungs mehr werden."
Viele der Jungs kennst du auch sehr gut, weil ja ein großer Teil des Kaders aus dem eigenen Nachwuchs kommt. Wie viele der aktuellen Spieler hast du mit begleitet?
Mehlhorn: "David Wunsch hatte ich nie. Die anderen beiden Keeper habe ich betreut. Roman Eppendorfer und Marius Schreiber hatte ich nicht. Alle anderen hatte ich in der Jugend. Egal ob Stanley Keller, Niclas Walther oder Yannick Wolter. Mit denen habe ich allen zusammengearbeitet."
Welchen Stellenwert haben die Bezirksderbys im Jugendbereich?
Mehlhorn: "Das hat für die Spieler genauso das Prestige wie im Herrenbereich. Natürlich vor deutlich weniger Zuschauern, aber gerade durch die gemeinsame Schule mit Aue geht es für die Kinder und Jugendlichen genauso drum, sich nicht das nächste halbe Jahr anhören zu müssen, dass man verloren hat. Man bekommt die Einstellung ja auch von Beginn an mit."
Wie wichtig kann es dann auch sein, dass man viele Jugendspieler in so einem Duell dabei hat, um sich auch über die Identifikation und die Emotion einen Vorteil zu verschaffen?
Mehlhorn: "Ich denke, dass es wichtig ist. Gerade die Jungs, die schon länger bei uns sind, haben diese Derbys schon kennengelernt. Na klar hat das weniger Einfluss und Zuschauer als im Herrenbereich und trotzdem glaube ich, dass die Jungs, die die Jugend bei uns durchlaufen haben, eine andere Sichtweise auf das Ganze haben und anders mit dem Herzen dabei sind als die Spieler, die von anderen Vereinen zu ersten Mannschaft gekommen sind. Die kennen sicher auch Derbys, aber haben einen anderen Bezug zu diesem speziellen Derby."
Zum Schluss: Du hast eine sehr gute Bilanz als Spieler in den Bezirksderbys mit acht Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Welchen Geheimtipp kannst du dem Team für den Sonntag geben?
Mehlhorn: "(lacht) Wichtig ist solche Derbys mit heißem Herzen aber kühlem Kopf anzugehen. Es geht auch leicht, dann zu überdrehen, zu viel zu wollen und dann gehemmt aufzutreten. Wichtig ist im Endeffekt alles rein zu werfen, was man hat und dann wird das schon gut für uns ausgehen."



