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11.04.2022 - 09.37 Uhr | App-News

"Fußball ist Fußball."

Christoph Esche ist seit Januar Abteilungsleiter Frauen. In den kommenden Jahren will der 41-Jährige in Zusammenarbeit mit seinem Stellvertreter Marco Hartenstein die Strukturen im Chemnitzer Frauenfußball nachhaltig professionalisieren und bringt dafür jahrelange Erfahrung mit. Der Bauingenieur spielte selbst in der Chemnitzer Jugend und kam später über seine Tochter zum Frauenfußball. Im südbadischen Schliengen trainierte er zwischenzeitlich bis zu 100 Mädchen. Im ClubMagazin-Interview gewährt Esche einen Einblick in seine Vision.

Christoph, welches Wort sagst du lieber: Frauenfußball oder Fußball?

Fußball ist Fußball. Über meine älteste Tochter bin ich in den Frauenfußball hineingerutscht, davor hatte ich nie eine Berührung damit. Da habe ich dann gemerkt, dass es dort auch richtige Talente gibt. Spielerinnen, die richtig Fußball spielen. So schlimm wie ich immer dachte, war das gar nicht. 

Welche Rolle spielt denn der Frauenfußball aktuell in Deutschland?

Vor allem medial ist er noch zu wenig präsent. In Barcelona hat man zuletzt gesehen, was geht, wenn da 91.000 Fans im Stadion dabei sind. Scheinbar gibt es ja doch Interesse. Wenn man das besser vermarkten würde und die Verbände sich dem Thema noch mehr annehmen würden, wäre noch einiges drin. Oft werden Zugeständnisse gemacht, wirklich nachhaltig wird aber nichts getan.

Was muss dafür getan werden, damit das Thema auch hier präsenter wird?

Zuallererst muss man mehr Mädchen für das aktive Spiel gewinnen. Mädchen, die jetzt klein anfangen Fußball zu spielen, sind die Fans von morgen. Ich bekomme keine 30-jährige Frau dazu, den Fußball toll zu finden. Das ist ein langwieriger Prozess, der in der Breite angelegt werden muss.

Schauen wir auf deine Arbeit beim Chemnitzer FC. Seit Januar leitest du die Frauen-Abteilung. Welche Ziele verfolgst du bei deiner Arbeit?

Im ersten Schritt wollen wir die B- und C-Juniorinnen komplett für uns gewinnen - aktuell spielen sie noch mit Zweitspielrecht bei uns. Dafür wollen wir ihnen natürlich ein Ausbildungskonzept bieten und unsere Trainerteams mit Lizenzen bestücken.

Und wie sieht's bei den jüngeren Jahrgängen aus?

Die laden wir einmal pro Woche zum Talente-Training in die Powerhall ein, um sie so weiter sportlich zu begleiten. Sie sollen in den jungen Jahren aber noch weiter bei den Jungs spielen - da werden sie besser gefördert. Auf lange Sicht wollen wir die Strukturen bei den Juniorinnen professionalisieren, unseren Leistungsbereich optimieren und auf lange Sicht damit die 1. Damenmannschaft stärken.

Inwieweit hilft dir die Klubführung bei deinen Visionen?

In der Nahrungskette sind die Frauen ganz unten, das war schon immer so. Ich spüre aber, dass Romy Polster, Marc Arnold und NLZ-Leiter Marcus Jahn immer mehr dahinterstehen. Sie wollen Erneuerung, Strukturierung und Professionalisierung. Ich bin da auch intern gut angenommen, weil ich das Gefühl bekomme, dass dieses Projekt gewollt ist.

Chemnitz an sich ist eine sehr sportbegeisterte Stadt. Welches Potenzial hat denn der Frauenfußball hier?

Aktuell haben wir mit Eiche Reichenbrand, dem 1. FFC Chemnitz und dem Chemnitzer FC drei Teams, die Fußballerinnen ausbilden. An meinem ehemaligen Standort in der Nähe von Freiburg haben wir das Dreifache gehabt. Das Potenzial hat diese Stadt auch, schließlich ist Chemnitz genauso groß wie Freiburg.

Du selbst bist nun in deine Heimat zurückgekehrt. Welche Verbindung hast du zur Stadt?

Chemnitz liebt man, wenn man Chemnitzer ist. Es ist Heimat und Familie. In den zehn Jahren, wo ich weg war, hatte ich immer Bezug zum CFC. Ich habe meine Heimatbesuche auch immer so gelegt, dass ich mal ins Stadion gehen konnte.

Der Chemnitzer FC ist für seine Männermannschaft bekannt. Was kannst du dir von ihnen abschauen?

Das ist schwierig, weil die Männer Profis sind. Wir haben bei den Frauen Amateurstrukturen. Da würde ich eher Parallelen zum Nachwuchsleistungszentrum ziehen. Wir haben mit Tobias Künzel einen neuen Athletiktrainer, der sich auch um ein Ausbildungskonzept und die Leistungsüberprüfung kümmert. Außerdem werden wir zur kommenden Saison einen Video-Stream bereitstellen.

Das heißt, dass die CFC-Fans Spiele der Frauenmannschaft auch im Livestream verfolgen können?

Genau. Wir wollen in die Breite arbeiten und in verschiedensten Vereinen in der Umgebung den Mädchen eine Anlaufstelle bieten. Vielleicht bringt dann auch der eine oder andere Fan seine Tochter oder Enkelin mit ins Stadion. Vielleicht schauen die Fans künftig auch mal bei den Frauen oder den Juniorinnen vorbei. Das ist eine Vision, auf die wir hinarbeiten.

Was könnte denn eine erfolgreiche Frauenabteilung für unseren Verein bedeuten?

Die Außendarstellung würde deutlich besser werden. Man sieht es bei anderen Vereinen wie Schalke 04, wo eigene Frauenabteilungen aufgebaut werden, um breiter aufgestellt zu sein. Das hat auch etwas mit Emanzipation und Gleichberechtigung zu tun. Das alles wird nie die Dimension des Männerfußballs erreichen, aber wir sind auf einem guten Weg - auch hier in Chemnitz schlummern richtige Juwelen. Teilweise haben wir Mädchen im Verein, die in ihrem Jungs-Team reihenweise Spieler auseinandernehmen.

Kannst du dir vorstellen, dass in Zukunft auch bezahlte Fußballerinnen beim Chemnitzer FC spielen?

Das kann man sich schon vorstellen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Am Ende ist das dann auch immer eine Frage des Sponsorings. Deshalb versuche ich den Unterstützern des Chemnitzer FC auch immer zu vermitteln, dass sie mit ihrem Sponsoring nicht nur die 1. Männermannschaft, sondern den gesamten Vereinsfußball unterstützen.

Abschließend, wo siehst du den Frauenfußball in Chemnitz in fünf Jahren?

Dass die Juniorinnen in den höchsten Spielklassen unterwegs sind und die Frauenmannschaft in der Regionalliga, also der dritthöchsten Spielklasse, spielt. Ich hoffe, dass wir uns mit der Frauenabteilungen unter den führenden Fußballvereinen in Ostdeutschland etablieren können. 

Danke dir für das offene Gespräch, Christoph!