Gesäht, gedüngt und auf Länge gebracht
Der perfekt gepflegte und präparierte Rasen im Stadion – An der Gellertstraße war vielleicht ein Baustein für den sehenswerten Einzug ins Finale des Wernesgrüner Sachsenpokals. Mit 3:2 (0:2) besiegte die Mannschaft von CFC-Cheftrainer Daniel Berlinski den Drittligisten FSV Zwickau. Trotz anhaltendem Dauerregens hielt der grüne Teppich bis zum Schluss durch und ebnete damit sinnbildlich den Weg ins Endspiel des Landespokals.
Vor dem Halbfinal-Kracher gegen Zwickau hatten die beiden Greenkeeper Heiko Helbig und Jan Reuther jedoch einiges zu tun. Wir haben mit den Beiden vor der Partie im Wernesgrüner Sachsenpokal gesprochen.
Mit 27 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein startete die neue Woche im Stadion – An der Gellertstraße. Perfekte Arbeitsbedingungen für zwei der wichtigsten Männer im Stadion. Heiko Helbig und Jan Reuther sorgen seit Jahren dafür, dass die Fußballer bei den Heimspielen des Chemnitzer FC auf einem perfekten Rasen auf Punkte- und Torejagd gehen können.
Das Jahr 2021 ist auch für die beiden Greenkeeper anders. Nicht nur, dass aufgrund der Corona-Pandemie kaum Spiele des CFC im Stadion stattfinden konnten, auch die Witterungsbedingungen im aktuellen Kalenderjahr waren ungewöhnlich. Durch die ungewohnt kühlen Frühlingsmonate musste auch bei der Rasenpflege umgedacht werden. „Normalerweise beginnen wir Anfang März den Rasen zu schneiden. Allerdings hat sich der Start in diesem Jahr deutlich nach hinten verschoben, weil die Vegetation aufgrund der Kälte noch nicht begann. Auch die Nachsaht und der Einsatz von Dünger war für uns erschwert, da der eingesetzte Dünger seine Wirkung erst ab 10 Grad Celsius entfalten kann“, blickt Heiko Helbig auf die vergangenen Monate zurück.
Dass ein Fußballrasen über zwölf Jahre in einem Stadion liegt, ist sehr ungewöhnlich, wie Jan Reuther verrät: „Normalerweise werden die Rasendecken spätestens nach drei Jahren gewechselt. Denn mit der Zeit bilden sich unter der Grasnarbe Humusschichten, die für viele Probleme bei der Rasenpflege sorgen können.“ Sichtbar wird das im Stadion – An der Gellertstraße bei einer von den Greenkeepern durchgeführten Bodenprobe. Knapp zehn Zentimeter Humusboden haben sich in den vergangenen Jahren unter dem Grün angesammelt. Der Humus ist zum einen die perfekte Heimat für ungewollte Regenwürmer, zum anderen erschwert der angesammelte zusätzliche Boden die Leistung der installierten Rasenheizung.
Dass der Rasen für die himmelblauen Kicker trotzdem immer wieder in sattem Grün erstrahlt, ist der intensiven Pflege der Greenkeeper zu verdanken. Um gegen angestautes Wasser im Boden anzukämpfen, aerifizieren die beiden den Boden. Dabei wird der Boden maschinell gelöchert, um so besser gelüftet zu werden. Außerdem wird vor den Wintermonaten der Platz gesandet, um dem Humus entgegenzuwirken und der Rasenschicht Halt zu verschaffen. „Das letzte halbe Jahr ohne Spiele hat uns dabei in die Karten gespielt. Bei diesjährigen Witterungsbedingungen, mit zusätzlich vielen Spielen, wäre es für jeden Greenkeeper schwer geworden den Rasen in unserem Stadion am Leben zu halten“, so Helbig. Vor allem in der Regionalliga hätte der Rasen größere Probleme bekommen. „Wir sehen bei unserer täglichen Arbeit durchaus in welcher Liga der CFC aktuell spielt und mit welcher Spielanlage der Gegner in die Partien geht“, sagt Jan Reuther mit einem Augenzwinkern.
Gegen den FSV Zwickau steht im Halbfinale des Wernesgrüner Sachsenpokals für alle Beteiligten ein Highlight in dieser ungewöhnlichen Saison an. Für Helbig und Reuther bedeutet das vor allem Planung. Um kleinere Löcher im Rasen zu schließen, wurde Stücke aus dem angelegten Sodengarten auf der Spielfläche eingepflanzt. Beim Sodengarten handelt es sich um eine extra Rasenfläche außerhalb des Stadions, die „Ersatzrasen“ für eventuell notwendige Ausbesserungen bietet. Außerdem wurde der Rasen im Zwei-Tages-Rhythmus gemäht, um das Wachstum zu fördern. Am Dienstag vor der Partie folgte dann der Feinschnitt auf eine Länge von exakt 25 Millimetern. „Laut der offiziellen Vorgabe darf der Rasen eine Länge von höchsten 28 Millimetern vorweisen. Wir haben uns entschieden, aufgrund der Wettervorhersage mit viel Regen, bereits einen Tag früher den Feinschnitt durchzuführen. Normalerweise erfolgt dieser direkt am Tag des Spiels“, so Helbig. Nachdem die Linien gezogen wurden, ist der Platz dann endgültig fertig und bereit für den Sachsenpokal-Kracher des CFC gegen die Zwickauer Drittligisten. „Auch wenn es für uns natürlich immer mehr Arbeit bedeutet, freuen wir uns doch umso mehr, wenn im Stadion regelmäßig Fußball gespielt wird. Umso schöner sind jetzt die Pokalspiele für uns.“



