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31.03.2020 - 16.50 Uhr | 1. Mannschaft

Heute vor 27 Jahren: Chemnitzer FC im Halbfinale des DFB-Pokals

Der Chemnitzer FC und der DFB-Pokal: Eine Kombination, die immer wieder für herausstechende Fußball-Momente sorgte. Heute vor genau 27 Jahren, am 31.03.1993 standen unsere Himmelblauen gegen die Hertha BSC Amateure im Halbfinale des deutschen Pokalwettbewerbs. 

Bereits auf dem Weg dahin sorgte das Team von Cheftrainer Hans Meyer und Co-Trainer Christoph Franke für große Überraschungen. „Wir hatten zwei Schlüsselspiele in dieser Pokal-Saison“, erinnert sich Olaf Renn an die Spielzeit 1992/1993. Der damalige Mittelfeldspieler und heutige Physiotherapeut des Chemnitzer FC weiter: „Das Achtelfinale in Essen war so eines. Dort machte Steffen Heidrich kurz vor dem Ende das entscheidende Tor. Noch während der Rückfahrt war die Auslosung für das Viertelfinale. Bei der ersten Pause war klar, dass wir Zuhause gegen Europacup-Sieger Werder Bremen spiele dürfen. Ich kann mich erinnern, wie ich zu Christoph Franke im Überschwang gesagt habe: ‚Die hauen wir raus!‘. Wir sind dann tatsächlich in einem unvergesslichen Spiel im Sportforum verdient nach Verlängerung weitergekommen und haben eine super Leistung gezeigt.“ Renn selbst sorgte in der 1. Minute der Verlängerung für das 1:0. Gegen Größen, wie Dieter Eilts, Marco Bode, Klaus Allofs und Andreas Herzog stand es am Ende 2:1 und der CFC im Halbfinale des DFB-Pokals.

„Wir hatten eine gute Mannschaft mit einem sehr guten Charakter. Ohne dem Letzteren hätten wir nicht im Viertelfinale den aktuellen Europacup-Sieger bezwingen können“, betonte Hans Meyer. Der damalige Cheftrainer der Himmelblauen erinnert sich noch gut an die darauffolgende Halbfinal-Partie im Berliner Olympiastadion. „Wenn ein ‚Amateur‘ vor uns eine Erstliga- und zwei Zweitliga-Mannschaften eliminiert und wir spielen vor über 56.000 Zuschauern ein Halbfinale auswärts in Berlin, hält sich die Favoritenrolle für den Fachmann in Grenzen“, beurteilt Meyer die Ausgangssituation. „Wir wussten, dass die Hertha Amateure eine riesige Qualität haben. Sie hatten immerhin den 1. FC Nürnberg und den amtierenden Pokal-Sieger Hannover 96 aus dem Wettbewerb geworfen. Uns war klar, dass wir gegen eine große Atmosphäre ankämpfen müssen“, erinnert sich auch Renn. „Ich stand zehn Meter entfernt von Sixten Veit und er konnte mich nicht hören. Man hat im Stadion sein eigenes Wort nicht verstehen können. Leider hat uns diese Atmosphäre mehr gelähmt als beflügelt.“

Von den vorherigen großartigen Pokal-Kämpfen der Chemnitzer war an diesem Mittwochabend im Berliner Olympiastadion nichts zu sehen. Das sieht auch Torsten Bittermann so: „Wir haben auf ganzer Linie enttäuscht. Wir hatten uns viel vorgenommen. Die vorherigen Hürden waren deutlich höher als Hertha Amateure, aber wir sind nicht drüber gekommen. Wir dachten, wir können die Welt einreißen und haben vergessen, dass der Gegner auch Fußball spielen kann. Das hat uns das Finale gekostet“, erläutert der heutige Teammanager des Chemnitzer FC. Der Außenverteidiger absolvierte die gesamte Partie in der Hauptstadt. Renn, der in der 56. Minute gegen Angreifer Ojokojo Torunarigha ausgewechselt wurde, erinnert sich: „Die zwei Gegentore sind nach Standards gefallen. Hans Meyer hatte uns in der Gegneranalyse eindringlich davor gewarnt. Insgesamt haben wir dort versagt. Dennoch war es für alle ein riesiges Erlebnis.“

Die Presse sprach rund um das Pokal-Spiel von „Hans Meyers Schülermannschaft“. „Die Medien haben also auch damals schon Dummheiten fabriziert“, so Meyer scherzhaft und fragt: „Als Schlussfolgerung haben wir dann gegen Klein-Kinder verloren?“ Keineswegs! „Ja, es war eine junge Berliner Mannschaft. Viele von ihnen haben später in der ersten Mannschaft gespielt“, verdeutlicht Renn, der dem Prädikat Schülermannschaft etwas Positives abgewinnt: „Fakt ist, dass wir eine sehr junge Mannschaft mit vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs waren. Hans Meyer hat mit seiner Erfahrung eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammengeschmiedet. Die Mischung von ihm und Christoph Franke, der vorher jahrelang im Nachwuchs des Clubs tätig war und jeden Spieler kannte, war für den CFC Gold wert. Vielleicht kann man den Titel ‚Schülermannschaft‘ so auch als eine Art Qualitätssiegel für die Nachwuchsarbeit beim CFC sehen. So schlecht sind wir ja nicht gewesen.“