Himmelblauer Senf: Die Kolumne | 1. Ausgabe
Wer erinnert sich nicht zurück an den himmelblauen Senf auf den Würstchen zu den Heimspielen an der Gellertstraße? Der 2017 eingeführte Senf war kultig, vielleicht gewöhnungsbedürftig aber vor allem eines: echt himmelblau. Den farbenfrohen Senf gibt es nicht mehr. Doch von nun an gibt Sportjournalist Ulli Ludwig seinen Senf zum aktuellen CFC-Geschehen dazu. Natürlich etwas himmelblau gefärbt... und manchmal etwas scharf.
Diese Woche im Fokus: Isa Dogan
Egal wie man es dreht und wendet, Isa Dogan (22) hatte am vergangenen Samstag den größten Anteil am Dreier des Chemnitzer FC. Kargbo, Baca, El-Jindaoui - allesamt scheiterten sie am großartig aufgelegten CFC-Keeper, der sich in dieser Form für das Team (fast) unverzichtbar macht.
Als Isa Dogan 2014 im Trikot der Hoffenheimer U16 am Rande einer Trainingseinheit vor die Kameras trat, bekam man zum ersten Mal einen Geschmack von den hohen Ambitionen des heute 22-Jährigen: "Meine persönlichen Ziele für die Zukunft sind Profifußballer zu werden und der Meisterschaftstitel."
Dogan hielt sein Wort. Den Titel in der Oberliga Baden-Württemberg holte die TSG am Ende mit 14 Punkten Vorsprung vor den Stuttgarter Kickers. Und mit der Profikarriere hat es ja irgendwie auch geklappt. Zwar nicht bei der TSG Hoffenheim, und auch nicht beim damaligen türkischen Erstligisten Adanaspor. Aber beim Chemnitzer FC, wo sich nach dem Ausfall von Stammtorhüter Jakubov plötzlich eine große Chance aufgetan hat.
Vor Beginn dieser Saison konnte man die Einsätze von Isa Dogan an einem Finger abzählen. Nun steht er bereits bei sieben Pflichtspielen - Tendenz steigend. Dabei hatte ich mich kurz nach seiner Verpflichtung 2020 noch gewundert, dass man U19-Talent David Wunsch einen weiteren Torhüter mit Perspektive vor die Nase setzte.
Ende des Jahres belohnte Trainer Berlinski Dogan dann für seine guten Trainingsleistungen mit dem Regionalliga-Debüt, nun beweist er mit herausragenden Paraden wie gegen Aufstiegskandidat Berliner AK, dass er mehr als nur ein junger Ersatzspieler ist, den man mit Belohnungen bei Laune halten muss. "Fällt kurz nach der Pause das 2:0, gehen wir als Sieger vom Platz", zollte BAK-Trainer Benjamin Duda Dogan indirekt seinen Respekt. Ein Beweis dafür, dass Dogan mit seinen Fähigkeiten Spiele für den Chemnitzer FC entscheiden kann.
Was heißt das für die Zukunft? Bei Fan-Liebling Jakubov müsse man "weiter geduldig bleiben", er werde erst "mittelfristig wieder zur Verfügung stehen", meint Berlinski. Da kann man nur hoffen, dass Dogan seinem Coach hilft, die Geduld nicht zu verlieren. Den Status als Profifußballer manifestiert er zumindest von Spiel zu Spiel. Und wer weiß, vielleicht bringt Dogan ja bald auch einen "Meisterschaftstitel" nach Chemnitz - vielleicht nicht mit 14 Punkten Vorsprung, aber ein Titel wäre ja schonmal was.
Ulli Ludwig ist freier Sportjournalist und Sportfan. Er kann sich für Fußball, Basketball, Tennis, Wintersport und American Football begeistern. An manchen Abenden ist er auch am Schachbrett zu finden. An der Tischtennis-Platte hat er sich gegen die CFC-Presseabteilung ordentlich geschlagen und darf deshalb nun seinen "Himmelblauen Senf" zum Spieltags-Geschehen dazugeben.



