"Ich werde dabei sein – leider nur als Zuschauer": Erlbeck arbeitet in Berlin mit Bezirksderby-Feeling am Comeback
Am Samstagnachmittag wird Niclas Erlbeck auf der Tribüne der Zwickauer GGZ-Arena sitzen, wenn um 14 Uhr das Bezirksderby zwischen dem FSV Zwickau und dem Chemnitzer FC angepfiffen wird. Der 32-Jährige arbeitet seit Anfang November nach einer Knie-Operation intensiv an seinem Comeback – und bleibt dennoch eng mit seinen Teamkollegen verbunden. „Ich werde morgen nach Zwickau kommen. Leider nur als Zuschauer. Aber ich werde auf der Tribüne mitfiebern“, sagt Erlbeck.
Wir erreichen ihn am Freitagnachmittag telefonisch – mitten auf der Trainingsfläche im Berliner „Rehathleticum“, wo er seit seiner Operation am 3. November täglich vier bis fünf Stunden an seiner Rückkehr arbeitet. Die Unterarmgehstützen hat er längst zur Seite gelegt, der Blick geht wieder nach vorn. Der gebürtige Kasseler, der unter anderem auch schon das Trikot von Paderborn, Jena und Cottbus in seiner Karriere getragen hat, wirkt trotz der herausfordernden Reha-Phase stabil und fokussiert.
Ein Derby, zwei Vereine – und ein Reha-Zufall
Die vergangenen Tage hatten für Erlbeck eine besondere Note. Während der CFC-Kicker an der Stabilität seines operierten rechten Knies arbeitet, trainiert nur wenige Meter entfernt jemand, der am Samstag sein direkter Gegenspieler gewesen wäre – nur leider ist er ebenfalls verletzt: Zwickaus Mittelfeldspieler Gabriel Figurski Vieira. Der 24-Jährige, im Sommer von Hertha Zehlendorf verpflichtet, laboriert seit September an einem Kreuzbandriss und ist wie Erlbeck zum Zuschauen gezwungen.
„Der Zufall wollte es so, dass Gabriel und ich unsere Reha fast zeitgleich hier durchziehen“, erzählt Erlbeck. „Wir haben uns in den letzten Tagen natürlich auch viel über das Derby unterhalten – und dabei ist schon der ein oder andere Spruch gefallen. Bei aller Konkurrenz gilt für uns aber ganz klar das Motto: In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Die Chemie passt zwischen uns, wir pushen uns gegenseitig – das motiviert uns beide zusätzlich.“
Zwei Spieler, zwei Vereine, ein Bezirksderby – und doch dieselben Herausforderungen. „Das macht einfach Spaß mit ihm, weil er ein guter Typ ist“, sagt Erlbeck.
Ein Blick zurück: Der Moment der Verletzung
Noch keine drei Wochen ist es her, dass Erlbeck im Auswärtsspiel bei Hertha BSC II in der 71. Minute vom Feld musste. Eine unscheinbare Szene – aber mit heftiger Wirkung.
„Ich habe mir beim Spiel gegen Hertha II ein Trauma im rechten Knie zugezogen. Mein Knie hat direkt nach dem Zweikampf deutlich reagiert – da war mir sofort klar, dass etwas kaputt gegangen ist“, schildert Erlbeck. Neben anderen kleineren Strukturen war auch der Meniskus betroffen.
Am 3. November folgte die Arthroskopie bei Prof. Dr. Sven Scheffler im Berliner Sporthopaedicum – an demselben Knie, das schon 2022 operiert werden musste.
Sportdirektor Chris Löwe sprach damals von einem „schweren Schlag“, der das Fußballjahr für Erlbeck vorzeitig beendete. Doch seit dem Eingriff zeigt die Reha-Kurve deutlich nach oben.
Reha-Alltag zwischen Ultraschall, Schweiß und kleinen Fortschritten
Im Berliner Rehathleticum verbringt Erlbeck derzeit einen Großteil seines Tages. „Ich bin täglich vier bis fünf Stunden hier und mache jeden Tag kleine Fortschritte. Ich bin zuversichtlich, dass die Reha weiter so gut verläuft wie bisher.“
Er wirkt entschlossen, fokussiert – und dankbar für die enge Betreuung: „Die OP ist erst zweieinhalb Wochen her, und hier wird physiotherapeutisch und sportwissenschaftlich sehr genau darauf geachtet, wie das Knie auf steigende Belastungen reagiert.“
Sein Fernziel hat er bereits klar formuliert: „Ich will Mitte Januar wieder so weit sein, dass ich mit der Mannschaft ins Trainingslager in die Türkei reisen kann. Das motiviert mich jeden Tag.“
Der Derby-Samstag: Nicht auf dem Platz, aber trotzdem mittendrin
Auch wenn Erlbeck am Samstag nicht auf dem Rasen steht – emotional ist er ganz nah dran. Der Kontakt nach Chemnitz reißt nicht ab. „Ich freue mich sehr darüber, dass viele Leute an mich denken und mich mit lieben Nachrichten motivieren. Gerade mit Cheftrainer Benjamin Duda ist der Austausch sehr eng. Wir sprechen mehrfach die Woche. Er erkundigt sich nach mir. Auch mit vielen Mannschaftskollegen ist der Draht natürlich weiter eng – das tut gut, weil ich ja derzeit nicht direkt vor Ort bin.“
Zum Spiel sagt er: „Es wird ein schweres Auswärtsspiel, keine Frage. Die Heimstärke der Zwickauer ist schon ein Statement. Aber ich glaube fest an unsere Jungs. Wir haben schon oft bewiesen, dass wir bei solchen Spielen zu besonderer Form auflaufen können – und an einem guten Tag jeden Gegner schlagen können.“
Die Hoffnung aufs gemeinsame Comeback beim Rückspiel
Wenn Erlbeck am Samstag die rund 200 Kilometer nach Westsachsen fährt, mischt sich zur Derby-Vorfreude auch ein persönlicher Wunsch: dass sein Reha-Partner „Gabi“ und er vielleicht schon im Rückspiel in Chemnitz wieder gemeinsam auf dem Platz stehen.
„Das wäre eine super Geschichte für uns beide – und das perfekte Happy End für unsere gemeinsame Reha-Zeit.“ Vielleicht wird das Duell im eins-Stadion – An der Gellertstraße Mitte Mai 2026 tatsächlich zur passenden Bühne für die beiden Leidensgefährten.



