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24.02.2026 - 18.00 Uhr | Top-News

Internationaler Besuch beim CFC: TV-Sender aus Japan dreht Dokumentarfilm über Chemnitz

Hoher Besuch aus dem Land der aufgehenden Sonne auf der Fischerwiese: Ein Kamerateam des japanischen Senders NHK hat am Dienstag im eins-Stadion – An der Gellertstraße Station gemacht. Regisseur Kei Kikuchi und die in Berlin lebende Journalistin Yoshiko Susanne Brzezinka begleiteten von 9 bis 14 Uhr einen Projekttag im Rahmen von „Lernort Stadion“ – mit Mikrofon, Kamera und vielen Fragen.

Kikuchi ist eigens aus Japan angereist. In den kommenden drei Wochen wird er an verschiedenen Orten mit seiner Kamera in Chemnitz drehen. Entstehen soll eine einstündige Dokumentation, die Stadt, Menschen – und den Chemnitzer FC – möglichst breit und authentisch abbildet.

„Für einen ausführlichen Dokumentarfilm reichen ein paar kurze Einblicke nicht“, erklärt Brzezinka. „Wir wollen in den kommenden Wochen verstehen lernen, wie Chemnitz heute tickt, wie sich der Verein in den vergangenen Jahren entwickelt hat – und natürlich, wie die Menschen in der Stadt darüber denken.“

Der Anlass: skandalöse Bilder von 2019 – und die Frage nach dem Heute

Auslöser der Recherche sind die international verbreiteten Bilder aus dem März 2019. Rund um ein Heimspiel des CFC kam es damals zu Trauerbekundungen für den verstorbenen Rechtsextremisten Thomas Haller im Stadion – Szenen, die wochenlang weltweit Schlagzeilen machten und auch in Japan wahrgenommen wurden. Ein Skandal, der dem Verein großen Imageschaden zufügte und bis heute nachwirkt.

„Der CFC und die Stadt Chemnitz haben in den zurückliegenden Jahren auch in Japan für Aufmerksamkeit gesorgt“, ordnet Brzezinka ein. „Gerade die Vorfälle im Jahr 2019 wurden auch international verbreitet. Zugleich interessieren sich Japaner traditionell sehr für Fußball. Diese Kombination war für Kei Kikuchi Anlass, sich in der Gegenwart selbst ein Bild vom Verein und der Stadt zu machen.“

Der Ausgangspunkt für die Dokumentation war also das Bild eines CFC aus dem Jahr 2019. Doch genau dieses Bild soll nun eingeordnet, hinterfragt – und mit der Gegenwart konfrontiert werden.

„Es wird niemanden verwundern, dass es da in der Welt nach wie vor zwei Bilder in den Köpfen der Menschen über den CFC gibt“, sagt Martin Ziegenhagen, der seit 2020 als Antirassismus-Beauftragter für den CFC tätig ist. „Wir sind dankbar für die Gelegenheit, zeigen zu können, dass sich im Verein und drumherum durch viel Anstrengung viel getan hat. Unser gesellschaftliches Engagement ist keine Floskel, sondern gelebte Verantwortung.“

Lernen im Stadion – über Sucht, Verantwortung und Leben

Im Mittelpunkt des ersten Drehtages für die japanische Dokumentation stand nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart: 24 Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse der Diesterwegschule Burgstädt – Partnerschule des CFC – nahmen am Workshop zum Thema Suchtprävention teil. Bereits am Vortag war eine Parallelklasse mit 27 Jugendlichen vor Ort.

„‚Lernort Stadion‘ ist für mich auch ein persönliches Anliegen“, betont Ziegenhagen. „Informelle Lernerfahrungen sind enorm wertvoll. Hier geht es darum, außerhalb des Schulalltags neue Perspektiven zu gewinnen – inhaltlich, persönlich und emotional. Das hat am Ende gar nicht so viel mit Fußball zu tun, sondern geht weit darüber hinaus. All das unterstreicht nachhaltig, wofür der Chemnitzer FC mit seinem vielfältigen Engagement in der Gegenwart steht.“

Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender aus Japan mehrere Wochen in Chemnitz recherchiert, zeigt, welche internationale Aufmerksamkeit die Entwicklung der Stadt und des Chemnitzer FC erfährt.

Erste Eindrücke – und positive Überraschungen

Und wie erlebt der japanische Regisseur seine ersten Stunden in Deutschland?

„Die Bilder, die ich vorab über Chemnitz im Kopf hatte, haben sich bislang nicht bestätigt – und das ist absolut positiv gemeint“, sagt Kei Kikuchi. „Die Menschen sind freundlich, offen und hilfsbereit. Ich hatte mit mehr Distanz gerechnet. Ich freue mich sehr auf die kommenden Tage.“

Zum Drehplan gehört unter anderem auch der kommende Heimspieltag an der Gellertstraße: Das TV-Team aus Japan wird am Freitagabend die Regionalliga-Partie des CFC gegen den SV Babelsberg 03 mit der Kamera begleiten und Eindrücke rund ums Stadion, von den Fans und der Atmosphäre in der Stadt sammeln.

Workshop mit Pressekonferenz abgerundet

Abgerundet wurde der Projekttag am Dienstag durch eine Pressekonferenz im Medienraum des Stadions. Dort stellten sich die Verantwortlichen des Vereins den Fragen der Jugendlichen und ordneten auch die Bedeutung von „Lernort Stadion“ im Gesamtbild des CFC ein.

Geschäftsführer Tommy Haeder nutzte die Gelegenheit, um den gesellschaftlichen Anspruch des Vereins zu unterstreichen: „Wir freuen uns, dass ihr hier seid. Ihr gehört zu unserer Partnerschule – und euer Besuch zeigt, dass wir diese Partnerschaften nicht nur auf dem Papier führen, sondern im Alltag mit Leben füllen.“

Zugleich machte Haeder deutlich, wofür der Chemnitzer FC heute steht:
„Wir verstehen uns als familienfreundlicher Verein zum Anfassen. Wir sind ein Club, der für alle offen ist. Deshalb wollen wir Verantwortung für die nächsten Generationen in unserer Stadt und der gesamten Region übernehmen. Und wir spüren, dass der Rückhalt in der Stadtgesellschaft seit unserem Neustart im Jahr 2023 durch Vertrauen und nachhaltiges Arbeiten wieder deutlich angewachsen ist – unabhängig vom sportlichen Erfolg. Das ist vielleicht das größte Kompliment für den von uns eingeschlagenen Weg.“

Neben Haeder nahmen auch Sportdirektor Chris Löwe sowie Martin Ziegenhagen an der Gesprächsrunde teil. Für den Projektträger war zudem Benjamin Kahlert als Geschäftsführer des Kreissportbundes vor Ort.

NHK: Japans wichtigste Nachrichtenquelle

NHK – Nippon Hōsō Kyōkai – ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk Japans und vergleichbar mit ARD, ZDF oder der BBC. In dem Land mit aktuell mehr als 120 Millionen Einwohnern gilt NHK als wichtigste Nachrichtenquelle. Rund 10.000 Mitarbeitende produzieren Programme, die regelmäßig mindestens ein Drittel der Bevölkerung über TV, Radio oder digitale Angebote erreichen. Bei besonderen Ereignissen schalten Zuschauerzahlen im hohen zweistelligen Millionenbereich ein.

Dass Chemnitz und der CFC nun Teil einer einstündigen Dokumentation für ein Millionenpublikum in Japan werden, ist ein starkes Signal – weit über Sachsen und Deutschland hinaus.

Oder, wie Martin Ziegenhagen es formuliert: „Man konnte vielleicht ahnen, dass es ein Bild vom Chemnitzer FC im fernen Japan gibt. Jetzt wissen wir es. Und wir bekommen die Chance, dieses Bild aktiv mitzugestalten. Das ist für uns eine große Wertschätzung – weil nicht über uns, sondern mit uns gesprochen wird.“

Eine Chance, die der Verein annimmt – vor einem Millionenpublikum in Japan.

Ganz im Sinne eines CFC, der heute mehr sein will als 90 Minuten Fußball auf dem Rasen – sondern gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernimmt und so zeigt: Nur zusammen geht’s. Für den CFC. Für Chemnitz.