Interview mit Dejan Bozic – Rückkehr nach 273 Tagen: "Ein bisschen Gänsehaut"
Dejan Bozic ist zurück! 273 Tage nach seinem letzten Einsatz im Ligaspiel gegen den ZFC Meuselwitz stand der Torjäger im Test gegen Havelse am vergangenen Samstag über 28 Minuten erstmals wieder unter Wettkampfbelastung auf dem Grün.
Cheftrainer Benjamin Duda war nach der Partie voll des Lobes für den 32-Jährigen: "Dejan hat eine unfassbare Qualität, die ich in den Trainingseinheiten seit seiner Rückkehr Tag für Tag erleben darf. Er verstärkt uns enorm und wird sich nun durch Einsätze und Tore in Wettkampf-Form spielen. Er ist also definitiv bereits eine Option für die anstehenden Englischen Wochen."
Wir haben mit dem CFC-Toptorjäger der vergangenen Saison ein Interview geführt und mit dem 32-Jährigen über die mentalen Auswirkungen der langen Verletzungszeit, seine Stimmung beim Comeback und seine Zukunft in Himmelblau gesprochen.
Dejan, nach über acht Monaten Pause bist du zurück. Wie hast du deine Rückkehr auf den Platz erlebt?
Dejan Bozic: Es war ein sehr schönes Gefühl, wieder auf dem Rasen zu stehen, das Trikot des Clubs zu tragen und zurück zu sein. Ich konnte ein paar Minuten sammeln, bin gesund geblieben und habe ein positives Feedback für mich selbst mitgenommen. Die Vorbereitung lief sehr gut, ohne Rückschläge – das macht mich glücklich.
Der Platz war nicht der allerbeste. Wie schwierig war der schlechte Untergrund nach der langen Verletzungspause für den Kopf?
Bozic: Ich habe bereits einige Trainingseinheiten auf einem ähnlichen Untergrund absolviert. Es gab den ein oder anderen Ausfallschritt, bei dem ich gemerkt habe, dass alles hält und ich keine Schmerzen habe. Das gibt mir Stück für Stück Sicherheit und Vertrauen in meinen Körper zurück.
Wie schwer war die lange und ungewisse Ausfallzeit für dich?
Bozic: Mental war es eine extrem harte Zeit, besonders weil ich vier Monate verschenkt habe, in denen mir trotz einer Diagnose keiner helfen konnte. Dann habe ich endlich jemanden gefunden, der die genaue Ursache gefunden und mich direkt operiert hat. Von da an standen im Reha-Plan drei Monate bis zur Rückkehr auf den Rasen. Erst dann habe ich das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Am meisten Kraft hat mir in dieser Zeit meine Familie gegeben, sodass ich mich voll auf die Reha konzentrieren konnte.
Wie hat es sich emotional angefühlt, nach all der Zeit wieder auf dem Platz zu stehen?
Bozic: Natürlich ist es nicht mit einem Pflichtspiel zu vergleichen, aber ein bisschen Gänsehaut kam schon auf, als ich den Platz betreten habe.
Der Trainer hat dich für deine Präsenz gelobt, und du sollst direkt eine Option für die anstehenden Englischen Wochen nach dem Re-Start sein. Freust du dich, dass es nun so schnell geht?
Bozic: Das ist ein tolles Feedback und zeigt, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Es geht ja um mehr als nur die Reha – auch finanziell hat die Verletzung durch das viel geringere Krankengeld Folgen. In dieser Zeit musste sich auch noch meine Frau selbst operieren lassen, nach zwei Bandscheibenvorfällen. Es war eine herausfordernde Zeit für meine Familie. Dass jetzt alles wieder ins Rollen kommt, tut unglaublich gut. Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich komplett fit zu werden, damit ich länger als 45 Minuten spielen kann und der Mannschaft helfen kann.
Wo soll es in den nächsten Wochen bis zum Sommer für dich hingehen?
Bozic: Ein Teil liegt in meiner Hand. Ich muss mich beweisen und zeigen, dass ich bereit bin für mindestens ein weiteres Jahr. Ich will der Mannschaft helfen und nichts einfach austrudeln lassen – dafür bin ich zu ehrgeizig. Ich möchte mit dieser Mannschaft etwas erreichen und mir nicht vorwerfen lassen, dass ich meinen Vertrag nur absitze. Andernfalls wäre ich auch kein gutes Vorbild für meine Kinder. Ich habe noch etwas vor mit dem Chemnitzer FC – und das will ich in den nächsten Wochen auf dem Platz zeigen.
Das große Highlight 2024, das Heimspiel gegen Dynamo Dresden, hast du verpasst. Wie sehr hast du dich bei deinen Mitspielern bedankt, dass sie dir mit dem Pokal-Derby gegen den "Schacht" möglicherweise ein noch größeres Highlight beschert haben?
Bozic: Was die Jungs da gegen Dynamo abgerissen haben, war unfassbar geil. Ich hatte danach kaum noch eine Stimme, weil ich so viel geschrien habe. Jetzt haben wir im März noch so ein Spiel – und dann schauen wir, was passiert!
Vielen Dank für das Gespräch, Dejan, und größtmögliche Erfolge für den Rückrundenstart am kommenden Sonntag in Zwickau!
Interview: Henry Buschmann & Yannic Gillmeister



